EMT Typ 1 der Johanniter erhält doppelten Status der WHO / Zertifizierung der Soforthilfeeinheit al

EMT Typ 1 der Johanniter erhält doppelten Status der WHO / Zertifizierung der Soforthilfeeinheit als EMT Typ 1 Fixed stärkt internationalen Katastrophenschutz

ID: 2251177

(ots) - Das Emergency Medical Team Typ 1 Fixed (EMT) der Johanniter-Unfall-Hilfe e. V., eine in Hessen stationierte Katastrophenschutzeinheit, wurde durch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) offiziell zertifiziert.

Die WHO-Klassifizierung stellt sicher, dass internationale medizinische Teams weltweit nach vergleichbaren Qualitäts- und Sicherheitsstandards arbeiten. Geprüft wird nicht nur medizinische Expertise, sondern die Fähigkeit, auch unter schwierigen Bedingungen ein komplettes kleines Feldlazarett sicher und professionell zu betreiben. Dies ermöglicht die koordinierte internationale Zusammenarbeit und verbessert die Patientensicherheit.

Cora Casimir, Head of International Disaster Response des Kompetenzzentrums Europäischer Katastrophenschutz und Katastrophenhilfe der Johanniter:

"Die erfolgreiche Klassifizierung zum Emergency Medical Team Typ 1 Fixed ist das Ergebnis einer außergewöhnlichen Teamleistung. Dieser Erfolg steht beispielhaft für das, was ehrenamtliches Engagement in Deutschland auszeichnet - mit höchster Professionalität, großem persönlichen Einsatz und internationaler Zusammenarbeit auf Augenhöhe.

Besonders dankbar sind wir für die enge und fachlich äußerst anspruchsvolle Zusammenarbeit mit unserem Mentor Luís Manuel Ladeira vom INEM, dem nationalen Institut für medizinische Notfälle in Portugal sowie dem WHO EMT-Sekretariat.

Die Re-Klassifizierung unseres mobilen EMT haben wir zugleich als Chance genutzt, unsere Strukturen grundlegend zu überarbeiten und die beiden Einsatzmodule (mobil und fixed) strategisch aufeinander abzustimmen. Im Mittelpunkt stand dabei insbesondere die weitere Verbesserung der Benutzerfreundlichkeit und Einsatzfähigkeit unserer ehrenamtlichen Soforthelferinnen und Soforthelfer im Einsatzfall."

Oliver Pitsch, Mitglied des Regionalvorstandes Rhein-Main, welcher auch das Kompetenzzentrums Europäischer Katastrophenschutz und Katastrophenhilfe der Johanniter in Frankfurt verantwortet:



"Die erfolgreiche Klassifikation unseres EMT Typ 1 Fixed ist ein bedeutender Meilenstein, nicht nur für unsere Einheit, sondern auch für den europäischen Katastrophenschutz. Sie zeigt, dass ehrenamtlich engagierte und modern aufgestellte Helfer heute wichtiger denn je sind, um den wachsenden Herausforderungen weltweit gerecht zu werden.

Gerade nach Naturkatastrophen oder in humanitären Krisen entscheidet schnelle, qualifizierte und gut koordinierte medizinische Hilfe oft über das Überleben vieler Menschen. Mit der Klassifikation durch die Weltgesundheitsorganisation erfüllt unsere Einheit höchste internationale Standards und ist Teil eines weltweit anerkannten Systems medizinischer Notfallteams.

Darauf sind wir sehr stolz. Vor allem aber ist diese Auszeichnung ein Beweis für das außergewöhnliche Engagement unserer ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer, die mit großer Professionalität und Leidenschaft Verantwortung übernehmen, in Deutschland, in Europa und überall dort, wo Menschen Hilfe benötigen."

Vom Pionier zum doppelten Standard

Bereits 2017 wurde das EMT Typ 1 Mobile der Johanniter als weltweit erstes mobiles, nicht-staatliches Team zertifiziert. Mit der nun erfolgten Zertifizierung als EMT Typ 1 Fixed erhält die Soforthilfeeinheit einen doppelten Status, der für höchste fachliche Qualität, außergewöhnliche Flexibilität im mobilen als auch im ortsfesten Setting und internationale Einsatzfähigkeit steht.

Was ein EMT Typ 1 Fixed leisten kann

Diese Teams sind darauf spezialisiert, in Katastrophengebieten eine kontinuierliche ambulante Versorgung sicherzustellen, insbesondere dann, wenn lokale Strukturen der Gesundheitsversorgung teilweise oder vollständig ausfallen. Das Team bringt grundsätzlich eine eigene Behandlungsinfrastruktur auf Zeltbasis mit und ist in der Lage, damit mindestens zwei bis vier Wochen autark zu agieren. Ergänzend kann es bei Bedarf auch bestehende medizinische Einrichtungen oder behelfsmäßige Behandlungsstrukturen (z. B. Feldlazarette) unterstützen.

Das EMT kommt z.B. bei Erdbeben, Überschwemmungen, großen Krankheitsausbrüchen sowie extremen Wetterereignissen zum Einsatz und deckt ein breites Leistungsspektrum im Einsatzfall ab:


- Stabilisierung akuter medizinischer Notfälle
- Geburtshilfe und gynäkologische Versorgung
- Behandlung infektiöser Erkrankungen und nicht übertragbarer Krankheiten
- psychologische Erstversorgung betroffener Personen
- präventive Maßnahmen zur Stabilisierung der gesundheitlichen Lage vor Ort
- autarker Betrieb der Einrichtung über einen längeren Zeitraum

Bei dieser Einheit handelt es sich zudem um eine Ressource des europäischen Katastrophenschutzverfahrens (UCPM). Sie kann sowohl international über die Europäische Kommission als auch innerhalb Deutschlands angefordert und eingesetzt werden.

Hintergrund: Die EMT-Initiative der Weltgesundheitsorganisation (WHO)

Emergency Medical Teams (EMTs) stellen bei nationalen und internationalen Gesundheitskrisen wie z. B. Naturkatastrophen, Konflikten oder Krankheitsausbrüchen schnelle medizinische Hilfe zur Entlastung des lokalen Gesundheitssystems bereit. Die Teams, die aus Ärztinnen und Ärzten, Krankenpflege-, Logistik- und weiterem Personal bestehen, sind in verschiedene Kategorien eingeteilt: Sie reichen von Typ 1 - einer ambulanten Behandlungseinrichtung, bis hin zu Typ 3 - einem vollausgestatteten Feldhospital einschließlich Intensivstation.

Entscheidendes Merkmal der EMTs ist ihre Klassifizierung durch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) zur Sicherstellung der Behandlungsqualität und der logistischen Autarkie. Im Ereignisfall werden EMTs durch die jeweilige Regierung des betroffenen Landes angefordert und koordiniert. Die von der WHO geleitete globale 'EMT Initiative' ist eine Konsequenz aus der Erdbebenkatastrophe in Haiti im Jahr 2010, bei der viele Nothilfeteams ohne Qualitätskontrolle unkoordiniert im Einsatz waren.

Hintergrund EMTs in Deutschland

In Deutschland gibt es derzeit fünf als Typ 1 klassifizierte Emergency Medical Teams, die alle von Nichtregierungsorganisationen bereitgestellt werden, darunter die Johanniter-Unfall-Hilfe e. V. Der Klassifizierungsprozess, bei dem die Teams von einem von der WHO ernannten Mentor begleitet werden, dauert in der Regel mehrere Jahre. Alle Einsatzkräfte müssen ein Trainingsprogramm durchlaufen, das sie auf den Auslandseinsatz vorbereitet. Diese Ausbildung umfasst u.a. Grundlagen der humanitären Hilfe, Stressbewältigung, Sicherheit, sowie spezialisierte Fachtrainings. Die große Mehrheit der Einsatzkräfte der deutschen EMTs ist ehrenamtlich tätig.

Über die Johanniter-Unfall-Hilfe

Die Johanniter-Unfall-Hilfe ist mit rund 31.000 Beschäftigten, mehr als 46.000 ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern und 1,2 Millionen Fördermitgliedern eine der größten Hilfsorganisationen in Deutschland und zugleich ein großes Unternehmen der Sozialwirtschaft. Die Johanniter engagieren sich in den Bereichen Rettungs- und Sanitätsdienst, Katastrophenschutz, Betreuung und Pflege von alten und kranken Menschen, Fahrdienst für Menschen mit eingeschränkter Mobilität, Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, Hospizarbeit und anderen Hilfeleistungen im karitativen Bereich sowie in der humanitären Hilfe im Ausland. Mehr Informationen unter www.johanniter.de/johanniter-unfall-hilfe.

Pressekontakt:

Juliane Flurschütz, Stellvertretende Pressesprecherin
Johanniter-Unfall-Hilfe e.V., Bundesgeschäftsstelle
Tel. 030-26997-361, Mobil 0173 619 3409
E-Mail: medien@johanniter.de


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