AOK zum Weltnichtrauchertag: Gegen neue und alte Routinen des Rauchens vorgehen
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(ots) - Mit Blick auf den Weltnichtrauchertag am 31. Mai erklärt Dr. Carola Reimann, Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbandes:
"Die aktuelle Drogenaffinitätsstudie des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit ist alarmierend: Nach zuletzt stagnierenden Raucherquoten unter Jugendlichen zeigt sich seit 2021 wieder ein Anstieg. Laut der Studie rauchte 2025 fast jeder Zehnte der 12- bis 17-Jährigen (9,6 Prozent). 2021 waren es noch 6,1 Prozent. Besonders auffällig: Vor allem Mädchen rauchen deutlich mehr als noch vor fünf Jahren. Der Anteil bei den Mädchen stieg von 6,4 Prozent im Jahr 2023 auf 9,3 Prozent im Jahr 2025.
Noch beunruhigender finde ich aber den Vormarsch des Vapens. Der Konsum von Mehrweg-E-Zigaretten nimmt noch deutlicher zu. Bei männlichen Jugendlichen ist der Anteil seit 2021 von 2,9 auf 6,7 Prozent gestiegen, bei weiblichen Jugendlichen von 1,8 auf 7,8 Prozent.
Diese Entwicklung kommt nicht von ungefähr. Ein wesentlicher Grund sind Umgehungsstrategien der Tabakindustrie, die den klassischen Tabak durch trendige E-Zigaretten ersetzt und damit neue Einstiegs-Konstellationen schafft. Sogenannte Vapes verströmen ein frisches, ja beinahe harmloses Image, enthalten aber meist ebenfalls den Suchtstoff Nikotin. Hinzu kommen neue oral aufzunehmende Tabakprodukte, auch "Snus" genannt, oder tabakfreie Nikotinbeutel, Nikotin-"Pouches" genannt, durch die der Nikotinkonsum alltagstauglich gemacht wird.
Die Tabakindustrie arbeitet also längst an der Etablierung neuer Routinen des Rauchens. Dagegen muss Gesundheitspolitik konsequent vorgehen, um die Erfolge der vergangenen Jahre nicht wieder zu gefährden. Deshalb ist vor allem eine höhere Lenkungssteuer auf alte und neue Tabak- und Nikotinprodukte unerlässlich. Bei diesem Thema haben wir in Deutschland einen enormen Nachholbedarf. Während andere Länder mit größeren, zusammenhängenden Maßnahmen den Tabakkonsum effektiv eindämmen, setzt Deutschland eher auf kleine, schrittweise Veränderungen.
Das hat zuletzt auch unser Public Health Index PHI (https://www.aok.de/pp/public-health/index) gezeigt, den wir Ende letzten Jahres gemeinsam mit dem Deutschem Krebsforschungszentrum veröffentlicht haben. Deutschland belegt hier eine Schlusslicht-Position unter den 18 untersuchten Ländern. Die Analyse zeigte auch, woran das liegt: zu niedrige Tabaksteuern, weiterhin erlaubte Werbung am Verkaufsort und lückenhafte Rauchverbote.
Deutschland muss bei diesem Thema endlich handeln. Eine direkte Gelegenheit dazu bietet das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz, mit dem auch entsprechende Maßnahmen beschlossen werden könnten, die dann direkt dem Gesundheitswesen und der Präventionspolitik zugutekommen kommen und mittelfristig auch echte Präventionswirkung entfalten würden.
Ziel sollte es sein, schon im nächsten PHI mindestens zum Mittelfeld aufzuschließen. Zur Verdeutlichung: Mehrere europäische Länder arbeiten bereits an der ersten rauchfreien Generation, während wir noch das Rauchen im Auto bei Anwesenheit von Kindern erlauben. Wir haben noch viel aufzuholen."
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Datum: 29.05.2026 - 12:00 Uhr
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