Im Interview mit Fachimmunologin Professor Prelog: Wenn Urlaub das Risiko für Gürtelrose erhöht
ID: 2254719

(ots) - Wenn im Urlaub der Stress nachlässt und der Körper plötzlich mit Erschöpfung oder sogar Krankheit reagiert, spricht man von der sogenannten "Leisure Sickness", zu Deutsch auch bekannt als "Freizeitkrankheit": Während Stressphasen werden Infekte im Körper oft zunächst unterdrückt. Gleichzeitig schwächt anhaltender Stress das Immunsystem. Kommt der Körper schließlich zur Ruhe, etwa im Urlaub oder an Wochenenden, können zuvor unterdrückte Infekte ausbrechen. Auch ruhende Viren können in dieser Phase reaktiviert werden, wie das Varizella-Zoster-Virus, Auslöser der Gürtelrose. Gleichzeitig kann auch übermäßige Sonneneinstrahlung das Immunsystem schwächen und das Gürtelrose-Risiko zusätzlich erhöhen. Im Interview erklärt Frau Professor Prelog, warum ausgerechnet die Erholungsphase krank machen kann und wie Menschen ab 60 oder mit einem erhöhten Erkrankungsrisiko vorbeugen können. Die gebürtige Österreicherin ist Professorin für Kinder- und Jugendmedizin seit 2010 am Universitätsklinikum Würzburg tätig. Sie ist Fachimmunologin der Deutschen Gesellschaft für Immunologie, besitzt Facharztzusatzbezeichnungen in Infektiologie und Kinder-Rheumatologie sowie einen Master in Gesundheitswissenschaften und Public Health.
Frau Professor Prelog, warum werden eigentlich manche Menschen genau dann krank, wenn endlich Entspannung einkehrt?
Ja, das kennen wir alle: Endlich Urlaub oder Ferien, und man ist die ersten Tage erschöpft oder wird sogar krank, obwohl man eigentlich frei hat. Eine repräsentative Studie der Internationalen Hochschule (IU), einer privaten, staatlich anerkannten Hochschule in Deutschland, hat herausgefunden, dass fast 72 % der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer schon einmal eine sogenannte Leisure Sickness, also eine "Freizeitkrankheit", erlebt haben. Man vermutet dabei ein Zusammenwirken von Stresshormonen, dem vegetativen Nervensystem - das für unwillkürliche Körperfunktionen wie Atmung, Herzschlag, Verdauung und Stoffwechsel zuständig ist - und dem Immunsystem. Bei Stress schüttet der Körper vermehrt Stresshormone aus. Diese stärken uns kurzfristig, damit wir eine Anstrengung besser meistern können. Unter chronischem Stress wird das Immunsystem aber durch die langfristige Ausschüttung dieser Hormone unterdrückt. Während der Belastungsphase können Infektionen sich unbemerkt entwickeln, sind aber oftmals nicht gleich spürbar. Erst wenn die Ausschüttung der Stresshormone in der Alltagspause nachlässt, reagiert das Immunsystem wieder stärker. Dann treten plötzlich Symptome wie Müdigkeit, Erschöpfung, Schlafstörungen, Reizbarkeit, Kopfschmerzen und Erkältungssymptome auf. Durch den in der Stressphase erhöhten Verbrauch von Stresshormonen kann ein Mangel an diesen Hormonen in der Ruhephase besonders bei chronisch Gestressten zu einer Störung der Balance im Körper führen. Dieses Ungleichgewicht kann Migräne oder Spannungskopfschmerzen am ersten freien Tag begünstigen. Zusätzlich können urlaubsbedingte Veränderungen den Körper belasten, beispielsweise Jetlag, ungewohnte Schlafzeiten oder Klimaanlagen.
Viele Menschen werden also nicht erst im Urlaub krank, sondern eigentlich schon vorher?
Ja, genau, wie gerade beschrieben, beginnt ein Infekt oft bereits mitten in der Stressphase. Die körperliche Abwehrreaktion wird dann durch die vermehrte Ausschüttung von Stresshormonen zunächst unterdrückt, wodurch die Erreger ein leichteres Spiel haben, sich im Körper auszubreiten. Aber erst wenn der Körper zur Ruhe kommt, wird die Erkrankung spürbar. Das erklärt auch, warum sich viele Menschen pünktlich zum Wochenende oder Urlaub krank fühlen. Typische Anzeichen dieses "Rebound-Effekts" sind Grippesymptome wie Abgeschlagenheit, erhöhte Temperatur, Frösteln oder Gliederschmerzen. Dahinter steckt die natürliche Reaktion des Immunsystems, die dann diese Krankheitszeichen auslöst.
Kennen Sie solche Fälle auch aus Ihrem Praxisalltag?
Ja, besonders häufig bei Menschen, die im Berufs- und Familienalltag einen stark ausgeprägten Perfektionismus zeigen und einen hohen Leistungsdruck haben oder unter ungelösten psychischen Belastungen leiden und unter Dauerstress stehen. Viele gehen praktisch direkt vom Berufsstress in den Urlaubsstress. Gerade dann kommt es auch häufiger zur Reaktivierung von Viren, die bereits im Körper vorhanden sind. Dazu zählt etwa das Varizella-Zoster-Virus, also das Virus, das eine Gürtelrose hervorrufen kann. Es führt bei Erstinfektion (meist im Kindesalter) zur Kinderkrankheit Windpocken. Anschließend zieht es sich in Nervenzellansammlungen im Rückenmark zurück und wird dort von spezifischen Abwehrzellen in Schach gehalten. Sinkt die Immunabwehr, zum Beispiel durch Immunalterung oder eine immunhemmende Therapie, aber durch massiven, chronischen Stress, kann das Virus wieder "auswandern" und zu einer Gürtelrose führen. Gürtelrose kann sehr schmerzhaft und belastend sein. In einzelnen Fällen musste sogar die Urlaubsreise abgebrochen werden.
Können auch Sonneneinstrahlung oder starke UV-Belastung das Gürtelrose-Risiko erhöhen?
Ja, hier gibt es klare Hinweise. Übermäßige UV-Belastung wird häufig unterschätzt. Ein Sonnenbrand ist nämlich keine harmlose Rötung, sondern eine schwere, entzündliche Stressreaktion der Haut und somit eine starke Belastung für Haut und Immunsystem. Wissenschaftliche Berichte zeigen deutlich, dass zu viel Sonne die Immunabwehr massiv beeinträchtigen kann. Dadurch hat auch das Gürtelrose-Virus leichteres Spiel und kann reaktiviert werden. Man sollte also auf guten Sonnenschutz achten und in der Mittagszeit vermeiden, sich der Sonne auszusetzen. Gleichzeitig hilft es, entspannter in den Urlaub zu gehen und dem Körper Zeit zum Umschalten zu geben.
Was kann man tun, um den Effekt der "Freizeitkrankheit" zu mildern?
Man sollte den Übergang von Arbeit zu Freizeit möglichst fließend gestalten. Wichtig ist es, Stress vorab bewusst zu reduzieren und nicht bis zum letzten Drücker zu arbeiten. Hilfreich sind auch Puffertage vor dem Urlaub, statt direkt am ersten freien Tag eine Reise zu starten.
Außerdem empfehlen wir aktive Erholung statt vollkommene Passivität: Spaziergänge, Lesen, oder moderater Sport helfen dem Körper, Stress sanft abzubauen. Entscheidend ist auch, feste Erholungspausen und Sport in die Arbeitswoche zu integrieren, damit sich Stress gar nicht erst aufstaut. Und natürlich bleibt Schlaf ein zentraler Faktor, denn im Schlaf regeneriert sich das Immunsystem.
Frau Professor Prelog, was raten Sie Leserinnen und Lesern ganz praktisch für die Sommerzeit?
Das Risiko einer Erkrankung kann gesenkt werden, wenn man die offiziellen Impfempfehlungen berücksichtigt. Die STIKO, also die Ständige Impfkommission, empfiehlt beispielsweise eine Gürtelrose-Impfung für alle ab 60 Jahren und für Menschen mit einem erhöhten Krankheitsrisiko bereits ab 18 Jahren. Durch den richtigen Sonnenschutz und einen bewussten Umgang mit Stress und dem Übergang vom Alltag in den Urlaub kann man vermeiden, das Immunsystem zusätzlich zu belasten, sodass man die Sommerzeit unbeschwerter genießen kann.
NP-DE-HZU-PRSR-260006; 06/2026
Pressekontakt:
V. i. S. d. P.: Pia Clary, GlaxoSmithKline GmbH & Co. KG, Prinzregentenplatz 9, 81675 München.
Judith Schwenk
Agenturkontakt
Telefon: +49 221 925 738 40
E-Mail: j.schwenk[at]borchert-schrader-pr.de
GlaxoSmithKline GmbH & Co. KG, Prinzregentenplatz 9, 81675 München
Sitz der KG ist München Amtsgericht München HRA 78754
Komplementärin:
Allen Pharmazeutika Gesellschaft mbH, Sitz Wien
Handelsgericht Wien FN 93449 a
Geschäftsführung: René Jensen
Original-Content von: GlaxoSmithKline GmbH & Co. KG, übermittelt durch news aktuell
Weitere Infos zu dieser Pressemeldung:
Themen in dieser Pressemitteilung:
Unternehmensinformation / Kurzprofil:
Bereitgestellt von Benutzer: ots
Datum: 02.06.2026 - 06:00 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 2254719
Anzahl Zeichen: 8146
Kontakt-Informationen:
Ansprechpartner: ots
Stadt:
München
Kategorie:
Gesundheitswesen - Medizin
Diese Pressemitteilung wurde bisher 191 mal aufgerufen.
Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"Im Interview mit Fachimmunologin Professor Prelog: Wenn Urlaub das Risiko für Gürtelrose erhöht"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von
GlaxoSmithKline GmbH & Co. KG (Nachricht senden)
Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).
- GSK nutzt den Welt-Asthma-Tag am 5. Mai und macht auf eine oft unterschätzte Erkrankung aufmerksam: Asthma tritt in verschiedenen Formen auf - und wird nicht immer rechtzeitig erkannt - Schweres Asthma betrifft rund 3,6 Prozent aller Asthma-Patienten* [1] - gezielte Therapieoptionen ermöglic
Welt-Asthma-Tag: Warum der Schutz gegen Keuchhusten gerade bei chronischen Atemwegserkrankungen wichtig ist ...
- Bei Menschen mit Vorerkrankungen und Erwachsenen über 60 kann Keuchhusten schwer verlaufen. - Patienten* mit Asthma oder COPD haben ein um bis zu 75 % erhöhtes Infektionsrisiko.[i] - Eine Auffrischimpfung schützt nicht nur die eigene Gesundheit, sondern auch die des Umfelds Mit dem Aufbl
Zur Weltimpfwoche 2026: RSV-Schutz für Risikogruppen kennt keine Saison ...
Viele Menschen warten mit Impfungen gegen Atemwegsinfektionen bis zum Herbst, doch das ist in einigen Fällen nicht nötig. Anlässlich der Weltimpfwoche vom 24. bis zum 30. April mit dem Motto "Impfungen wirken in jeder Generation" lohnt ein Blick auf einen oft übersehenen Aspekt: Die Im
Weitere Mitteilungen von GlaxoSmithKline GmbH & Co. KG
GKV stabilisieren - Rettungsdienst nicht destabilisieren / Hilfsorganisationen warnen vor Unterfinanzierung der Notfallversorgung durch geplante Begrenzung der Vergütung ...
Der Arbeiter-Samariter-Bund, die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft, das Deutsche Rote Kreuz, die Johanniter-Unfall-Hilfe und der Malteser Hilfsdienst warnen gemeinsam vor einer strukturellen Unterfinanzierung des Rettungsdienstes durch die geplante Begrenzung von Vergütungssteigerungen auf die
Morbus Crohn, Hashimoto und Co.: Tobias Stumpfl und Karin Stumpfl von TOBIO zeigen, wie vermeintlich gesunde Lebensmittel krank machen können ...
Viele Menschen mit entzündlichen Erkrankungen wie Morbus Crohn, Hashimoto-Thyreoiditis, Migräne, Neurodermitis, Psoriasis, Rheuma oder Arthritis achten bewusst auf ihre Ernährung, meiden Gluten und greifen zu Nahrungsergänzungsmitteln. Trotzdem bleiben Entzündungen, Erschöpfung oder Schmerzen
Viele Frauen denken, das sei normal ...
Viele Patientinnen kommen erst nach längerer Zeit in die Praxis, weil sie davon ausgehen, dass Veränderungen nach Schwangerschaft und Geburt einfach dazugehören. Dr. Anna Lukyanova beobachtet dieses Muster regelmäßig. Gemeint sind dabei nicht sichtbare Veränderungen, sondern funktionelle Besc
Birke, Eiche und Gräser: Die Pollenbelastung nimmt im Mai deutlich zu ...
Pharma Deutschland gibt Hinweise zur Behandlung typischer Symptome in der Hochsaison Mit dem Fortschreiten der Pollensaison erreicht die Belastung für AllergikerInnen ab Mai ihre Hochphase. Neben frühblühenden Bäumen dominieren nun Pollen von Birke, Eiche und vor allem Gräsern, die zu einer ve




