Welthungerhilfe zu den UN-Klimaverhandlungen in Bonn / Klimakrise raubt Millionen Menschen die Leben

Welthungerhilfe zu den UN-Klimaverhandlungen in Bonn / Klimakrise raubt Millionen Menschen die Lebensgrundlage - El Niño und Irankrieg bedrohen globale Ernährungssicherheit

ID: 2255662

(ots) - Dürren, Überschwemmungen und extreme Hitze treiben weltweit immer mehr Menschen in den Hunger. Gleichzeitig wächst die Sorge vor einem starken Klimaphänomen El Niño mit gravierenden Folgen für Ernten und Lebensmittelpreise. Und auch der Irankrieg verschärft die globale Ernährungskrise schon jetzt. Vor Beginn der UN-Klimaverhandlungen in Bonn fordert die Welthungerhilfe entschlossene politische Entscheidungen und deutlich mehr öffentliche Klimafinanzierung für besonders betroffene Länder. "Die Bonner Klimakonferenz ist ein Lackmustest für die internationale Gemeinschaft und die zentrale Vorbereitung auf die Weltklimakonferenz COP31 im November", betont Dunja Krause, Klimaexpertin der Welthungerhilfe. Klimaschocks, gewaltsame Konflikte und Hunger verstärken sich gegenseitig.

"Die Klimakrise ist längst auch eine Ernährungskrise. Wenn Ernten in Folge von Extremwetterereignissen wie Dürren und Überschwemmungen ausfallen, steigen die Lebensmittelpreise und der Hunger nimmt zu. Besonders betroffen sind Menschen im Globalen Süden, die am wenigsten zur Krise beigetragen haben. Durch einen starken El Niño werden Regenfälle und lange Dürreperioden noch stärker ausfallen", warnt Dunja Krause. Der Irankrieg zeigt, wie eng fossile Abhängigkeiten und Ernährungssicherheit miteinander verknüpft sind. "Die Blockade der Straße von Hormus hat eine fatale Kettenreaktion angestoßen. Die hohen Preise für Energie und Düngemittel lassen die Preise für Lebensmittel enorm ansteigen."

Deutschlands Anspruch als Vorreiter im Klimaschutz und verlässlicher Partner des Globalen Südens muss sich auch im Bundeshaushalt widerspiegeln. "Bundeskanzler Merz fordert international ambitionierten Klimaschutz ein und will auch weiterhin einen fairen Anteil am internationalen Klimafinanzierungsziel in Höhe von 300 Milliarden leisten. Dann muss die Bundesregierung auch konsequent handeln und in Zukunft deutlich mehr als die sechs Milliarden Euro aus dem öffentlichen Haushalt bereitstellen. Gerade bei der Anpassung an den Klimawandel sollte dabei öffentlichen Zuschüssen Vorrang vor Krediten eingeräumt werden. Kürzungen bei der internationalen Klimafinanzierung oder im Haushalt des Entwicklungsministeriums senden hier das völlig falsche Signal", betont Krause. Zudem müsse der Ausstieg aus fossilen Energien deutlich beschleunigt werden.



Agrar- und Ernährungssysteme sind Treiber der Klimakrise und zugleich Teil der Lösung. Die Art und Weise, wie Lebensmittel produziert, verteilt und konsumiert werden, verursacht erhebliche Treibhausgasemissionen und ist gleichzeitig besonders anfällig für Klimafolgen. "Die Umgestaltung von Agrar- und Ernährungssystemen muss zu einer zentralen Säule der Klimapolitik werden. Wer Hunger bekämpfen will, sollte Landwirtschaft klimaresilient machen und lokale Ernährungssysteme als Ganzes stärken - vom Acker bis zum Teller", fordert Krause. "Dazu gehören besserer Boden- und Wasserschutz, klimaangepasste Anbaumethoden, dürretolerantes Saatgut, ein geringerer Einsatz fossiler Düngemittel und stärkere lokale und regionale Märkte und Lieferketten", unterstreicht Krause.

Klimaexpertin Dunja Krause nimmt an den Verhandlungen auf der Bonner Konferenz ab dem 08. Juni teil und steht für Interviews zur Verfügung.

Beispiel Somalia: Investitionen in Klimaanpassung zeigen Wirkung

Wie wichtig frühzeitige Investitionen in Klimaresilienz sind, zeigt das Beispiel Somalia. Das Land leidet seit Jahren unter extremen Dürren, infolgedessen einige Gebiete aktuell sogar vor einer Hungersnot stehen. Nachdem nun erstmals seit über einem Jahr wieder leichte Regenfälle eingesetzt haben, werden dort erste Erfolge sichtbar, wo die Welthungerhilfe gemeinsam mit somalischen Partnern frühzeitig in Boden- und Wasserschutz investiert hat. Gemeinden konnten während der Trockenzeit Rückhalte- und Schutzstrukturen errichten, die das Regenwasser speichern und nutzbar machen. Erste Weideflächen beginnen sich zu erholen und sichern damit Lebensgrundlagen.

El Niño erhöht das Risiko neuer Extremwetterereignisse

Diese Maßnahmen sind besonders entscheidend, da Prognosen auf die mögliche Entwicklung eines starken El Niño noch in diesem Jahr hindeuten. Dadurch könnten sich auch die Niederschlagsmuster in Somalia und anderen Teilen des Horns von Afrika verändern und - je nach Region - sowohl das Risiko von Überschwemmungen als auch von Dürren erhöhen.

Klimaanpassung und humanitäre Hilfe gemeinsam stärken

Der Umgang mit diesen zunehmenden Extremwetterereignissen zeigt: Humanitäre Hilfe und langfristige Klimaanpassung müssen stärker zusammengedacht werden. Entscheidend sind dabei frühzeitige Investitionen in klimaresiliente Landwirtschaft, lokale Frühwarnsysteme und vorausschauende humanitäre Hilfe, um Gemeinden besser auf drohende Krisen vorzubereiten und widerstandsfähiger gegenüber der Klimakrise zu machen.

Zur Einordnung aktueller Prognosen und möglicher Auswirkungen eines El Niño auf Ernährungssicherheit und humanitäre Krisen hat die Welthungerhilfe gemeinsam mit Partnern ein aktuelles Hintergrundbriefing veröffentlicht.

Emerging 2026 El Niño: Potential Implications for Agriculture, Food Security and Anticipatory Action - Welthungerhilfe (https://ots.de/j1KZ9r)

Weitere Informationen finden Sie auch unter www.welthungerhilfe.de/presse

Die Welthungerhilfe ist eine der größten privaten Hilfsorganisationen in Deutschland; politisch und konfessionell unabhängig. Sie setzt sich mutig und entschlossen für eine Welt ohne Hunger ein. Seit ihrer Gründung am 14.12.1962 wurden 12.777 Auslandsprojekte in rund 72 Ländern und Gebieten mit 5,42 Milliarden Euro gefördert. Die Welthungerhilfe arbeitet nach dem Grundprinzip der Hilfe zur Selbsthilfe: von der schnellen Katastrophenhilfe über den Wiederaufbau bis zu langfristigen Projekten der Entwicklungszusammenarbeit mit nationalen und internationalen Partnerorganisationen.

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