Blackout – was tun? Tag der Sicherheit auf Gut Gnadental
ID: 2258367
„Hoffe auf das Beste, aber sei auf das Schlimmste vorbereitet.“ – Englisches Sprichwort
v.l.n.r.: David Zülow, Annika Schilken, Thomas Walkiewicz und Carsten Schweneker; Rechte: Zülow AG (firmenpresse) - Naturkatastrophen wie die Ahrtalflut mit mindestens 135 Toten, kriegerische Auseinandersetzungen, hybride Angriffe auf Unternehmen und Attacken auf sensible Infrastruktur wie vergangenen Winter auf das Stromnetz in Berlin: Die Sicherheitslage in Deutschland hat sich in den vergangenen Jahren dramatisch verändert.
Wie gehen wir damit um? Wie können wir uns schützen und unsere Widerstandsfähigkeit stärken? Um diese und weitere Fragen ging es beim ersten „Tag der Sicherheit“ auf Gut Gnadental in Neuss, zu dem Unternehmer und Privatpersonen eingeladen waren. „Wir müssen uns auf neue Szenarien einstellen“, betonte Gastgeberin Jutta Zülow in ihrer Eröffnungsrede und fügte hinzu, dass gerade für mittelständische Unternehmen Thema Sicherheit zu einer unvermeidbaren Aufgabe geworden sei.
Was, wenn – wie im Winter in Berlin - plötzlich der Strom ausfällt, lautete die Einstiegsfrage der ersten von drei höchst informativen Talkrunden mit dem Titel „Blackout – was nun!“, bei der Thomas Walkiewicz, Geschäftsführer der Stadtwerke Neuss, Annika Schilken, Siemens AG, und Carsten Schweneker, Vorstandsvorsitzender der Ebero AG, über das Thema Energiesicherheit diskutierten.
Thomas Walkiewicz erklärte, dass man einen vergleichbaren Stromausfall in Neuss nicht vollständig ausschließen könne, wenngleich die Versorgungsbrücke in Berlin mit drei Hochspannungskabelsystemen und diversen Mittelspannungssystemen eine exponierte Stelle sei, die man in Neuss so nicht habe. Die Versorgungssicherheit in der Energieversorgung basiere auf dem (n-1) Prinzip, d.h. der Ausfall einer beliebigen Einzelkomponente werde verkraftet, ohne dass es zu einem großflächigen Stromausfall kommt. Es gelte dennoch, gezielte Angriffe auf das Stromnetz, die diese Redundanz gefährden, baulich zu verhindern oder frühzeitig zu erkennen. Er fuhr fort: „Darüber hinaus ist unsere Branche gefordert, entsprechende Organisationen zu etablieren, die im Ernstfall solche Ereignisse wie in Berlin bestmöglich managen und eine zügige Instandsetzung der beschädigten Infrastruktur ermöglichen.“
Zum Thema KRITIS, also dem Schutz der kritischen Infrastruktur, sagte Carsten Schweneker: „KRITIS bedeutet heute weit mehr als IT-Sicherheit. Ob Trinkwasser, Energie oder Kommunikationsnetze – wir müssen unsere kritische Infrastruktur so ausstatten, dass Störungen früh erkannt und Ausfälle möglichst verhindert werden. Resilienz entsteht durch Transparenz, Digitalisierung und vorausschauendes Risikomanagement.“
Im zweiten Panel zum Thema „Physikalische Sicherheit“ diskutierten Frank Pioch, Telenot electronic GmbH, Markus Mikuta, Videor E. Hartig GmbH, und Michael Dorré, Priosafe GmbH, über Brandschutzmeldeanlagen, Einbruchmeldeanlagen, Videoüberwachung und Zutrittskontrollsysteme.
Um „Finanzierung und Versicherungen“ ging es im dritten Panel. Wie finanziere ich die notwendigen Investitionen und ist man ausreichend versichert? – waren die Fragen, über die
Dominikus Penners, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Neuss, Frank Dölle, Leiter Geschäftsbereich Mittelstand der Stadtsparkasse Düsseldorf, und Kevin Radloff, Leiter Gebietsdirektion der AXA Konzern AG, sprachen.
Cyberattacken: „Wir reden von einem Massenphänomen.“
Ergänzend fand am Abend ein „Gnadentaler Unternehmertisch (GUT)- Spezial“ zum Thema „Cybercrime verstehen – Risiken erkennen – richtig handeln“ statt. Gastredner waren Markus Hartmann, leitender Oberstaatsanwalt bei der Generalstaatsanwaltschaft Köln und Leiter der Zentral- und Ansprechstelle Cybercrime Nordrhein-Westfalen (ZAC NRW), sowie Prof. Dr. Thomas Meuser, Professor für Computernetzwerke und Netzwerksicherheit, Leiter der Cisco Netzwerk-Akademie Datennetze und Verteilte Systeme und Dekan am Cyber Management Campus und Fachbereich Elektrotechnik und Informatik der Hochschule Niederrhein, die auch Polizisten ausbildet.
Cyberkriminalität sei inzwischen ein Massenphänomen, betonte Markus Hartmann. “Daten werden verschlüsselt und am Ende steht die Erpressung von Lösegeld“, so der Oberstaatsanwalt. Das Problem sei aber nicht nur der direkte Schaden für das Unternehmen, es sei auch eine Frage der Haftung, etwa wenn Kundendaten im Spiel sind.
Wie kann man die Cybersicherheit stärken? Wichtig sei, dass eine Backup-Strategie zur Selbstverständlichkeit würde. Der interne Slogan laute: Ohne Backup kein Mitleid. Das alles koste natürlich Geld. Aber es sei gut angelegtes Geld, betonten die Experten.
In einem Punkt waren sich alle einig: Die Erwartungshaltung von Bürgern und Unternehmen müsse sich verändern. Der Blackout in Berlin habe gezeigt, dass sich jeder mit dem Gedanken auseinandersetzen müsse, auch über mehrere Tage keinen Strom zu haben. Darauf müsse man sich vorbereiten.
Wie das geht, erklärte Nadia Ehning, Tochter von Jutta Zülow, die neben 30 Partnerunternehmen der Zülow AG mit einem Informationsstand vertreten war, und zeigte, was eine vierköpfige Familie braucht, wenn fünf Tage lang der Strom ausfällt: neben ausreichend Lebensmitteln beispielsweise Tabletten zur Wasseraufbereitung, Teelichte, Taschenlampen, Batterien, Powerbanks. Nützlich so Ehnig, sei auch ein Kurbelradio, das sich auflädt, wenn man an der Kurbel dreht. Weitere Stände widmeten sich Themen wie Brandschutz oder Einbruchmeldeanlagen.
Jutta Zülow zeigte sich mit der Veranstaltung zufrieden. Ihr Fazit: „Es geht darum, ein Bewusstsein für Sicherheit zu schaffen.“
Zülow AG
Die Zülow AG ist ein Dienstleistungsunternehmen der Elektrobranche und seit ihrer Gründung 1971 ein eigentümergeführtes Familienunternehmen am Standort Neuss. Heute sind mehr als 350 Mitarbeiter im Unternehmen beschäftigt.
Seit 1996 ist der Stammsitz auf Gut Gnadental in Neuss, wo das Unternehmen in historischer Umgebung Raum geschaffen hat, um Kommunikation in einer sich digitalisierenden Welt – zu der es mit seinen Dienstleistungen in der Daten- und Netzwerktechnik ebenfalls seinen Beitrag leistet – auch „analog“ die Begegnung von Menschen zu ermöglichen.
Gnadentaler Unternehmertisch
Seit mehr als zwei Dekaden überzeugt das Format (GUT) mit seinem Konzept: einem längeren Einzel-Interview mit einem hochkarätigen Gesprächspartner aus Politik, Wissenschaft oder Unternehmertum und anschließendem lebhaften Austausch mit dem Publikum unter der kundigen Leitung eines Moderators.
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Datum: 23.06.2026 - 15:39 Uhr
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