Konjunktur: Handwerk verliert den Glauben an den schnellen Aufschwung
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Die wirtschaftliche Lage des Handwerks in der Region Stuttgart bleibt angespannt. Vor allem der Blick in die Zukunft fällt bei der aktuellen Konjunkturumfrage der Handwerkskammer so pessimistisch aus wie seit Jahren nicht mehr.

(PresseBox) - Die Ergebnisse der aktuellen Konjunkturumfrage der Handwerkskammer Region Stuttgart zeichnen das Bild einer Branche, die ihre wirtschaftlichen Entscheidungen zunehmend an Unsicherheit und Risiko ausrichtet: Der Konjunkturindikator erreicht den niedrigsten Stand seit der Wirtschaftskrise 2003/2004, die Geschäftserwartungen markieren sogar den schlechtesten Wert, der jemals in einem zweiten Quartal gemessen wurde. 42 Prozent der Unternehmen planen, ihre Investitionen im kommenden Quartal zu reduzieren, lediglich elf Prozent wollen mehr investieren. Fast jeder fünfte Betrieb rechnet mit einem Personalabbau. „Die Zahlen sind ein Warnsignal für den Standort. Unsere Betriebe setzen derzeit nicht auf Wachstum, sondern versuchen sich wirtschaftlich abzusichern, was unter den Umständen verständlich ist. Doch wirtschaftliche Dynamik entsteht nur dort, wo Unternehmen bereit sind, zu investieren, auszubilden und neue Geschäftsfelder zu erschließen“, sagt Peter Friedrich, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Region Stuttgart.
Die Erwartungen der Betriebe fallen in nahezu allen Bereichen pessimistisch aus, auch bei Aufträgen und Umsätzen. Gleichzeitig berichten vier von fünf Betrieben von steigenden Einkaufspreisen, während nur knapp ein Drittel höhere Verkaufspreise am Markt durchsetzen konnte. Die Entwicklung gehe inzwischen über eine normale Konjunkturschwäche hinaus, so Friedrich. Die Unternehmen reagieren nicht mit kurzfristigen Sparmaßnahmen, sondern verschieben langfristige Entscheidungen. Das betreffe Investitionen ebenso wie Personal oder die Entwicklung neuer Geschäftsfelder. „Wir sehen die Gefahr, dass sich dadurch die wirtschaftliche Schwäche selbst verstärkt“, warnt der Kammerchef.
Investitionsschwäche der Industrie erreicht das Handwerk
Besonders deutlich wird die Entwicklung im Bauhauptgewerbe und im Handwerk für den gewerblichen Bedarf. Beide Gewerke rechnen mit weiter sinkenden Aufträgen, planen erhebliche Investitionskürzungen und stellen sich auf eine schwierige Entwicklung in den kommenden Monaten ein. Gerade das Handwerk für den gewerblichen Bedarf gilt als wichtiger Partner der Industrie und anderer Unternehmen. Seine Entwicklung sei deshalb ein Indikator dafür, dass die Investitionsschwäche längst nicht mehr einzelne Branchen betrifft, sondern weite Teile der regionalen Wirtschaft erfasst hat, sagt Peter Friedrich: „Immer mehr Unternehmer verschieben Investitionen und stellen langfristige Entscheidungen zurück. Wer jedoch Investitionen zurückstellt, weil die Unsicherheit zu groß geworden ist, entscheidet nicht nur über das nächste Quartal, sondern über die Wettbewerbsfähigkeit von morgen.“
Das Handwerk der Region brauche deshalb dringend verlässliche wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen, einen konsequenten Abbau bürokratischer Belastungen sowie wettbewerbsfähige Energiepreise. Denn wirtschaftliche Erholung beginnt nicht erst mit besseren Konjunkturdaten. „Jede Investition ist eine Wette auf die Zukunft. Aufgabe der Politik ist es, diese Wette wieder kalkulierbar zu machen. Unternehmen investieren dann, wenn sie darauf vertrauen können, dass sich Leistung, Risiko und Verantwortung langfristig auszahlen. Genau dieses Vertrauen muss jetzt wieder wachsen“, resümiert der Kammerchef.
Zum aktuellen Konjunkturbericht: www.hwk-stuttgart.de/konjunktur-2026-2
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Datum: 02.07.2026 - 13:23 Uhr
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