AfD-Bundesparteitag: Vor dem Straßenkampf kommt die Eskalation im Internet / Initiative KI für Dem

AfD-Bundesparteitag: Vor dem Straßenkampf kommt die Eskalation im Internet / Initiative KI für Demokratie beobachtet digitale Radikalisierung vor dem AfD-Bundesparteitag in Erfurt

ID: 2260147

(ots) - Vor dem AfD-Bundesparteitag in Erfurt verschärft sich die politische Auseinandersetzung bereits im Netz. Eine Analyse der Initiative KI für Demokratie (www.Ki-fuer-Demokratie.de) zeigt: Noch bevor sich Proteste, Gegenproteste und Polizeieinsätze auf der Straße verdichten, findet im Internet eine sprachliche Eskalation statt, die den Konflikt moralisch auflädt, Gegner entmenschlicht und Konfrontation vorbereitet.

Die Auswertung basiert auf 1.003 im Monitoring erfassten Aussagen aus dem Umfeld links- und rechtsextremer Debatten. Die Daten zeigen keine bloße Meinungsverschiedenheit, sondern eine zunehmend ritualisierte Eskalationslogik: Die jeweils andere Seite wird nicht mehr als politischer Gegner beschrieben, sondern als existenzielle Bedrohung.

Anti-rechte Akteure markieren AfD, Rechte und Rechtsextreme häufig als "Nazis", "Faschisten" oder unmittelbare Gefahr für die Demokratie. Begriffe wie "Nie wieder ist jetzt", "No AfD" oder "Nazis raus" dienen dabei nicht nur der Kritik, sondern auch der Mobilisierung. Die AfD erscheint in diesen Aussagen nicht als normale Partei, sondern als demokratiegefährdender Akteur, gegen den Widerstand legitim sei.

Auf der Gegenseite dominieren anti-linke und AfD-entlastende Narrative. Dort werden "Antifa", "Linksextreme", "linksgrüne" Milieus, Medien, NGOs oder etablierte Parteien als eigentliche Gefahr dargestellt. Besonders auffällig ist die rhetorische Umkehrung des Extremismusvorwurfs: Linke oder Antifa werden als "neue Nazis", als "Terroristen" oder als totalitäre Kräfte beschrieben. Der Nazi-Vorwurf gegen rechte Akteure wird zugleich als "Nazikeule", Diffamierung oder Manipulation zurückgewiesen.

"Unsere Daten zeigen: Der Straßenkonflikt beginnt nicht auf der Straße. Er beginnt im Netz - mit Sprache, die Gegner entmenschlicht, Angst erzeugt und Ausnahmesituationen normalisiert", erklärt Jörg Forthmann, Pressesprecher der Initiative KI für Demokratie. "Wer die andere Seite nur noch als Nazis, Terroristen oder Demokratiefeinde beschreibt, bereitet kommunikativ den Boden dafür, dass harte Gegenmaßnahmen als legitim erscheinen."



Die Analyse zeigt mehrere zentrale Eskalationsmuster: Politische Gegner werden totalisiert. Aus Kritik wird moralische Ächtung. Dafür werden Bedrohungsbilder aufgebaut: Die eine Seite warnt vor Faschismus, die andere vor Linksterrorismus. Gleichzeitig wird die eigene Seite in eine Opferrolle gebracht. Das Ziel ist ein Mobilisierungsdruck: Wer glaubt, einer existenziellen Gefahr gegenüberzustehen, akzeptiert leichter Blockaden, Konfrontationen oder staatliche Härte.

Der AfD-Bundesparteitag in Erfurt wirkt in dieser Debatte als Katalysator. Dort bündeln sich mehrere Konfliktlinien: die Selbstinszenierung der AfD, die Gegenmobilisierung zivilgesellschaftlicher und linker Bündnisse, die Sicherheitslage in der Stadt sowie die juristische Auseinandersetzung um Demonstrationen und mögliche Blockaden. Nach Medienberichten werden zum Parteitag bis zu 600 AfD-Delegierte und zehntausende Demonstrierende erwartet; die Behörden bereiten sich auf ein massives Polizeiaufgebot vor.

Für die Initiative KI für Demokratie ist Erfurt deshalb mehr als ein Parteitag. Das Ereignis verdichtet eine bereits laufende digitale Eskalation in einer realen Konfrontationslage. Die im Netz sichtbaren Narrative liefern beiden Seiten Deutungsmuster für das, was vor Ort geschieht: Für die eine Seite wird Erfurt zum Symbol antifaschistischen Widerstands. Für die andere Seite wird Erfurt zum Beleg für angebliche linke Einschüchterung, Blockadepolitik und staatliche Parteilichkeit - die bestehende Narrative, dass die AfD sich bloß verteidigt und für den Rechtsstaat kämpft, nochmals bestätigen.

"Gerade deshalb müssen Sicherheitsbehörden, Medien und demokratische Öffentlichkeit die digitale Vorgeschichte solcher Ereignisse ernst nehmen", so Forthmann. "Wer nur auf Demonstrationen und Polizeilagen schaut, sieht die Eskalation zu spät. Entscheidend ist, frühzeitig zu erkennen, wann Sprache in Feindbildproduktion umschlägt."

Die Initiative KI für Demokratie fordert, digitale Radikalisierungs- und Eskalationsmuster im Umfeld politischer Großereignisse systematischer zu beobachten. KI-gestütztes Monitoring könne helfen, problematische Sprachmuster, Mobilisierungssignale und wechselseitige Radikalisierung früher zu erkennen. Ziel sei nicht die Einschränkung legitimer politischer Debatte, sondern der Schutz demokratischer Auseinandersetzung vor Entgrenzung.

"Demokratie lebt vom Streit. Aber sie stirbt, wenn aus Gegnern Feinde werden", sagt Forthmann. "Die Debatte um den AfD-Bundesparteitag zeigt exemplarisch, wie schnell digitale Eskalation gezielt in reale Konfrontation umschlagen kann. Vor dem Straßenkampf kommt die Eskalation im Internet."

Über die Initiative KI für Demokratie

Die Initiative KI für Demokratie nutzt KI, um Akteure, Netzwerke und Narrative extremistischer Kommunikation transparent zu machen, damit sich Demokraten und demokratische Institutionen gegen extremistische Desinformation im Internet wehren können. Die Initiative wird von Ehrenamtlichen getragen und ist parteienunabhängig.

Pressekontakt:

KI für Demokratie e.V.
Jörg Forthmann
Ludwig-Erhard-Straße 37
20459 Hamburg
E-Mail: kontakt@ki-fuer-demokratie.de


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