Appell der Hilfsorganisationen zur Sicherung notfallmedizinischer Versorgung / Rettungsdienst sicherstellen und nachhaltig finanzieren
ID: 2261485

(ots) - Die gemeinnützigen Organisationen des bodengebundenen Rettungsdienstes und der Luftrettung in Deutschland warnen vor gravierenden Folgen des geplanten GKV Beitragssatzstabilisierungsgesetzes für die notfallmedizinische Versorgung. ADAC Luftrettung, Arbeiter-Samariter-Bund, Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft, DRF Luftrettung, Deutsches Rotes Kreuz, Johanniter-Unfall-Hilfe mit Johanniter Luftrettung sowie Malteser Hilfsdienst fordern gemeinsam eine ausdrückliche Öffnungsklausel in § 133 SGB V für Leistungen der medizinischen Notfallrettung.
Weitere Informationen der DRF Luftrettung zum Thema (https://www.drf-luftrettung.de/gesundheitspolitik)
Die Hilfsorganisationen unterstützen das Ziel der Bundesregierung, die Finanzierung der gesetzlichen Krankenversicherung langfristig zu stabilisieren und Beitragssatzsteigerungen zu begrenzen. Der vorliegende Gesetzentwurf berücksichtigt nach ihrer Einschätzung jedoch die besonderen Anforderungen des Rettungsdienstes am Boden und in der Luft nicht ausreichend.
Die Stabilisierung der gesetzlichen Krankenversicherung ist ein wichtiges Ziel. Sie darf jedoch nicht zulasten der notfallmedizinischen Versorgung gehen. Die Notfallrettung ist Teil der Daseinsvorsorge und damit nicht mit anderen Bereichen des Gesundheitswesens vergleichbar. Der Rettungsdienst ist maßgeblich von exogenen Kosten geprägt. Hinzu kommt eine fortwährend angespannte Fachkräftesituation, die sich ausschließlich durch attraktive Arbeitsbedingungen und eine tarifliche, leistungsgerechte Vergütung lösen lässt. Der Rettungsdienst einschließlich der Luftrettung benötigt daher eine verlässliche und kostendeckende Finanzierung, die ihrer besonderen Aufgabe und Kostenstruktur Rechnung trägt. Eine starre Bindung an die nicht absehbare Entwicklung der Grundlohnrate ist ein ungeeignetes Instrument zur Refinanzierung des Rettungsdienstes einschließlich der Luftrettung. So wird die Versorgungsqualität nicht verbessert. Es drohen Einschränkungen bei Investitionen, Innovationen und der langfristigen Gewährleistung der uneingeschränkten Einsatzbereitschaft. "Wer eine schnelle und qualitativ hochwertige Notfallversorgung für die Bürgerinnen und Bürger erhalten will, darf die Refinanzierung des Rettungsdienstes deshalb nicht unter eine starre Kostenbremse stellen", erklären die gemeinnützigen Leistungserbringer im Rettungsdienst gemeinsam.
Die vorgesehene Begrenzung der Vergütungsentwicklung auf die Grundlohnrate sowie zusätzliche Abschläge in den Jahren 2027 bis 2029 werden der tatsächlichen Kostenentwicklung im Rettungswesen nicht gerecht. Kostensteigerungen bei Personal, (Luft-)Fahrzeugen, Medizintechnik, Energie, Kraftstoffen und gesetzlichen Anforderungen entwickeln sich weitgehend unabhängig von der allgemeinen Lohnentwicklung und können von den Leistungserbringern nicht beeinflusst werden. Anders als in vielen anderen Leistungsbereichen der GKV bestehen jedoch keine weiteren Möglichkeiten, Kostensteigerungen durch Effizienzsteigerungen aufzufangen.
Auch die vom Bundesministerium vorgesehene Ausnahmeregelung in § 133 Absatz 1 Satz 1 SGB V greift aus Sicht der Hilfsorganisationen zu kurz. Sie erfasst den tatsächlichen Bedarf in der Rettungsdienstpraxis unzureichend. Außerdem setzt das Bundesverfassungsgericht in seiner ständigen Rechtsprechung zum Rettungsdienst der
Ausgestaltung enge Grenzen. Eine Ausnahme darf nicht erst dann greifen, wenn eine konkrete Gefährdung der Versorgung bereits eingetreten ist oder nachgewiesen werden muss. Vielmehr bedarf es einer verlässlichen Planungs- und Investitionssicherheit für die Infrastruktur des Rettungsdienstes, der rund um die Uhr einsatzbereit sein muss.
Die Hilfsorganisationen fordern daher nachdrücklich eine ausdrückliche Öffnungsklausel für Leistungen der medizinischen Notfallrettung in § 133 SGB V. Diese muss sicherstellen, dass bei Vergütungsvereinbarungen die besonderen Anforderungen an Aufgaben, Einsatzbereitschaft, Personal, Technik und vor allem Sicherheit berücksichtigt werden, damit eine kostendeckende Refinanzierung möglich bleibt.
Zugleich sehen die unterzeichnenden Organisationen weiterhin Chancen, die Notfallversorgung mit Hilfe der anstehenden Notfallreform effizienter zu gestalten - etwa durch eine bessere Patientensteuerung, modernere und vernetzte Leitstellen und optimierte Disposition von Rettungsmitteln, den flexibleren und abgestuften Einsatz vorhandener Ressourcen sowie den Abbau unnötiger Bürokratie. Notwendige Effizienzmaßnahmen dürfen jedoch nicht zulasten der flächendeckenden Einsatzbereitschaft und der Qualität der Notfallversorgung gehen.
Bodengebundener Rettungsdienst und Luftrettung sind unverzichtbare Bestandteile der öffentlichen Daseinsvorsorge und keine freie Marktleistung. Mit der Krankenhausreform sowie der anstehenden Reform der Notfallversorgung hat der Gesetzgeber den Einsatz sowie die Bedeutung des Rettungsdienstes einschließlich der Luftrettung in der notfallmedizinischen Versorgung explizit erkannt und hervorgehoben.
Wer eine qualitativ hochwertige und schnelle notfallmedizinische Versorgung dauerhaft sichern will, muss daher gewährleisten, dass ihre tatsächlichen Kosten auch künftig vollständig refinanziert werden können.
Frédéric Bruder
Vorsitzender der Geschäftsführung ADAC Luftrettung
Dr. Uwe Martin Fichtmüller
Hauptgeschäftsführer Arbeiter-Samariter-Bund
Dr. Maik Plischke
Geschäftsführer Deutsche-Lebensrettungs-Gesellschaft
Dr. Krystian Pracz
Vorsitzender der Geschäftsführung DRF Luftrettung
Christian Reuter
Generalsekretär Deutsches Rotes Kreuz
Oliver Meermann
Mitglied des Bundesvorstandes Johanniter-Unfall-Hilfe
Frank Weber
Geschäftsführer Malteser Hilfsdienst
Pressekontakt:
DRF Luftrettung
Rita-Maiburg-Straße 2
D-70794 Filderstadt
presse@drf-luftrettung.de
Stefanie Kapp
Tel. +49 711 70072205
presse@drf-luftrettung.de
Original-Content von: DRF Luftrettung, übermittelt durch news aktuell
Weitere Infos zu dieser Pressemeldung:
Themen in dieser Pressemitteilung:
Unternehmensinformation / Kurzprofil:
Bereitgestellt von Benutzer: ots
Datum: 10.07.2026 - 09:45 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 2261485
Anzahl Zeichen: 6468
Kontakt-Informationen:
Ansprechpartner: ots
Stadt:
Filderstadt
Kategorie:
Gesundheitswesen - Medizin
Diese Pressemitteilung wurde bisher 175 mal aufgerufen.
Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"Appell der Hilfsorganisationen zur Sicherung notfallmedizinischer Versorgung / Rettungsdienst sicherstellen und nachhaltig finanzieren"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von
DRF Luftrettung (Nachricht senden)
Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).
Pünktlich zu Beginn der Outdoor- und der bevorstehenden Badesaison gehört die luftgestützte Wasserrettung mittels Winde fest zum Leistungsspektrum der Dortmunder Station der DRF Luftrettung. Möglich wird dies durch den gestrigen erfolgreichen Abschluss des Frühjahr-Windentrainings der Station D
Hirnblutungen mit einem Bluttest am Einsatzort erkennen / DRF Luftrettung testet innovatives Verfahren in Rendsburg und Niebüll ...
Die DRF Luftrettung weitet den Testbetrieb eines neuartigen Verfahrens zur frühzeitigen Erkennung von Hirnblutungen aus: Nach der Erprobung an den Stationen Stuttgart und Karlsruhe der DRF Luftrettung werden nun auch die Stationen Niebüll und Rendsburg in die wissenschaftliche Studie einbezogen. Z
Neue Luftrettungsstation für Baden-Württemberg / DRF Luftrettung nimmt Christoph Ortenau in Lahr in Betrieb ...
Im Rahmen eines öffentlichen Vergabeverfahrens hatte die DRF Luftrettung den Zuschlag für den Betrieb einer neuen Luftrettungsstation in Lahr im Ortenaukreis erhalten. Ab heute startet die DRF Luftrettung vom Airport Lahr aus mit einem leistungsstarken Hubschrauber des Typs H145 mit Fünfblattroto
Weitere Mitteilungen von DRF Luftrettung
Prävention beginnt vor der Krankheit ...
Markus Kamps fordert neuen Blick auf Schlaf, Stress und geistige Gesundheit Präventologe und Schlafcoach sieht enorme Chancen für Gesundheitsförderung und betriebliches Gesundheitsmanagement "Wir sprechen in Deutschland noch viel zu oft erst dann über Gesundheit, wenn bereits Beschwer
Abnehm-Tablette: YouGov-Umfrage zeigt Interesse der Verbraucher ...
Die Einführung der ersten Abnehmtablette in Europa rückt näher: Nachdem ein entsprechendes Medikament Anfang 2026 in den USA auf den Markt gekommen ist, wird die EU-Zulassung ab Mitte August erwartet. Eine aktuelle, repräsentative YouGov-Umfrage im Auftrag der Gesundheitsplattform GoLighter (htt
Versteckte Kosten beim Immobilienkauf – so erkennst du die größten Geldfresser ...
Viele Investoren unterschätzen, wie teuer eine Immobilie wirklich wird, denn der Kaufpreis ist nur ein Teil der Wahrheit. Neben Grunderwerbsteuer, Notar und Makler entstehen oft zusätzliche Kosten, die im ersten Moment nicht sichtbar sind. Sanierungsstau, Energieeffizienz oder versteckte Mängel k
Kräuter Cocktails ohne Alkohol: Wie Kräuter, Bitterstoffe und Gewürze mehr Geschmack ins Glas bringen ...
Budapest, 10. Juli 2026. Kräuter Cocktails ohne Alkohol (https://marion-schanne.de/products/28-krauter-mocktails) können weit mehr sein als Saft, Sirup und Eis. Rosmarin, Minze, Ingwer, Wacholder, Zitrusschalen und Bitterstoffe bringen Aromen ins Glas, die viele klassische alkoholfreie Getränke v




