Evaluation der EU-Nitratrichtlinie: "Deutschland darf nicht zur Güllegrube der EU werden
ID: 2262513

(ots) - Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) begrüßt die heute veröffentlichte Evaluation der EU-Nitratrichtlinie. Darin ruft die EU-Kommission die Mitgliedstaaten nachdrücklich auf, die Nährstoffbelastung zu kontrollieren und die Tierhaltung in besonders verschmutzten Gebieten zu reduzieren. Die Kommission regt zudem den Ausbau der digitalen Datenerhebung zur Überwachung der Düngung als Bürokratieabbau an. Die Stickstoffeinträge auf landwirtschaftliche Flächen sind laut EU-Prüfung in Deutschland so hoch wie nirgendwo sonst in der EU. Deutschland weist mit Nitrat-Grenzwertüberschreitungen an mehr als 25 Prozent der Grundwassermessstellen nach Malta den zweitschlechtesten Wasserschutz in Europa auf. Zum Schutz des Trinkwassers fordert die DUH die Einführung einer bundesweiten Datenbank für betriebliche Dünge-Effizienz, um Verluste von Nährstoffen in die Umwelt zu minimieren und die Wirkung des Düngerechts sowie die massiv zunehmenden Gülletransporte zu monitoren.
Sascha Müller-Kraenner, Bundesgeschäftsführer der DUH:
"Die Evaluierung zeigt, dass die EU-Nitratrichtlinie sauberes Wasser als höchstes Gemeingut schützt und der Landwirtschaft deutlich mehr nutzt als schadet. Verbessert werden muss aber die Umsetzung - ganz besonders in Deutschland. Nitratbelastete, überdüngte Regionen in Deutschland müssen gemäß EU-Nitrat-Richtlinie definiert werden. Agrarminister Alois Rainer ignoriert jedoch EU-Recht und die eindeutige Rechtsprechung höchster deutscher Gerichte. Er beugt sich den Interessen der bayerischen Milchindustrie und der Fleischkonzerne und lässt der Gülle freien Lauf. Die Lücken im deutschen Düngerecht und die fehlenden Kontrollen der Bundesländer nutzen jedoch andere aus: Im vergangenen Jahr wurden 41 Prozent mehr Gülle aus den Niederlanden nach Deutschland importiert, Tendenz steigend. Deutschland wird zur Güllegrube Europas, wenn Bund und Länder weiter die digitale Übersicht über die betriebliche Nährstoff-Effizienz verweigern. Sauberes Wasser für Alle gibt es auf Dauer nur, wenn transparent ist, wer Nitratüberschüsse verursacht und wem der Güllehahn zuzudrehen ist."
Hintergrund:
Es gibt innerhalb der EU zahlreiche Beispiele für einen transparenten und kontrollierten Umgang mit Nährstoffen und Gülle. Landwirtschaftsbetriebe wie Tierhalter in Dänemark laden Nährstoffdaten etwa seit Jahrzehnten bürokratiearm in eine Datenbank hoch mit automatischen Informationen für die Landwirte, wenn ihre Betriebe Nährstoffverluste mit Belastungspotential aufweisen. In den Niederlanden wird streng kontrolliert, ob Tierhalter ihre Gülleüberschüsse auch tatsächlich abtransportieren, heraus aus überdüngten Regionen. In Deutschland ist es bislang hingegen erlaubt, gewässergefährdende Güllemengen handschriftlich auf Zettel zu notieren, die von Behörden nicht kontrolliert werden.
Link:
Zur EU-Evaluation der Nitrat-Richtlinie: https://environment.ec.europa.eu/publications/nitrates-directive-evaluation_de
Pressekontakt:
Sascha Müller-Kraenner, Bundesgeschäftsführer
0160 90354509, mueller-kraenner@duh.de
DUH-Newsroom:
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Datum: 15.07.2026 - 14:51 Uhr
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