Demenz vorbeugen: Warum soziale Kontakte wichtig für die Gehirngesundheit sind

Demenz vorbeugen: Warum soziale Kontakte wichtig für die Gehirngesundheit sind

ID: 2272966

(ots) - Alleinsein kann guttun. Einsamkeit belastet hingegen - besonders, wenn sie länger anhält. Anlässlich des Welt-Alzheimertags am 21. September veröffentlicht die gemeinnützige Alzheimer Forschung Initiative e. V. (AFI) den dritten Teil ihrer dreiteiligen Presseserie zur Demenzprävention. Im Mittelpunkt stehen diesmal soziale Kontakte, Einsamkeit und Depressionen sowie die Frage, warum seelische Gesundheit auch für die Gehirngesundheit wichtig ist.

Laut der Lancet Commission 2024 zählen Depressionen und soziale Isolation zu den 14 modifizierbaren Risikofaktoren für Demenz. Dem Bericht zufolge könnten weltweit theoretisch rund 45 Prozent der Demenzfälle verzögert oder verhindert werden, wenn alle diese Risikofaktoren gezielt angegangen würden. Einsamkeit oder Depressionen führen jedoch nicht automatisch zu Alzheimer oder einer anderen Demenz. Sie können aber die Gehirngesundheit belasten und sollten ernst genommen werden.

"Soziale Kontakte fordern unser Gehirn: Wir hören zu, reagieren, erinnern uns, planen und tauschen uns aus. Wenn Menschen sich dauerhaft einsam fühlen oder sich zurückziehen, fehlen diese Anregungen. Auch depressive Symptome sollten nicht abgetan, sondern medizinisch abgeklärt und behandelt werden", erklärt Dr. Anne Pfitzer-Bilsing, Leiterin der Abteilung Wissenschaft der AFI.

Wie hängen Einsamkeit, Depressionen und das Demenzrisiko zusammen?

Einsamkeit, soziale Isolation und Depression sind eng miteinander verbunden, aber nicht dasselbe. Einsamkeit beschreibt ein belastendes Gefühl, bei dem Menschen ihre sozialen Beziehungen als nicht ausreichend oder nicht erfüllend erleben. Soziale Isolation bezeichnet dagegen eher den tatsächlichen Mangel an Kontakten. Depressionen sind Erkrankungen, die mit anhaltender Niedergeschlagenheit, Interessenverlust, Erschöpfung und Rückzug einhergehen können.

Wer sich einsam fühlt oder depressiv ist, zieht sich möglicherweise weiter zurück. Dadurch fehlen Gespräche, gemeinsame Aktivitäten und Anregungen im Alltag. Umgekehrt können fehlende Kontakte und Unterstützung die seelische Gesundheit zusätzlich belasten. Deshalb sollten Einsamkeit und depressive Symptome ernst genommen werden. Sie sind keine persönliche Schwäche und sollten auch im höheren Alter nicht als "normal" abgetan werden. Wer über einen längeren Zeitraum hinweg niedergeschlagen ist, sich zurückzieht und kaum noch Freude empfindet, sollte ärztlichen oder psychotherapeutischen Rat suchen.



Warum Einsamkeit entstehen kann

Kaum jemand sucht sich die Einsamkeit selbst aus. Oft sind es Veränderungen im Leben, die sich auch auf das soziale Umfeld auswirken, wie beispielsweise der Auszug der Kinder, der Eintritt in den Ruhestand, eine Erkrankung, ein Umzug, eine Trennung oder der Tod eines nahestehenden Menschen. Solche Einschnitte können gewohnte Kontakte verändern oder gar abbrechen lassen.

Der Aufbau neuer Kontakte ist oft leichter gesagt als getan. Viele Menschen haben das Gefühl, andere seien bereits gut eingebunden und hätten keinen Bedarf an neuen Begegnungen. Doch soziale Beziehungen verändern sich im Laufe des Lebens immer wieder. Auch andere Menschen durchlaufen Übergänge, erleben Verluste oder beginnen neue Lebensphasen. Wer den ersten Schritt macht, erlebt deshalb oft mehr Offenheit als erwartet.

Zunächst kann es hilfreich sein, zu überlegen, was genau fehlt: vertrauliche Gespräche, gemeinsame Unternehmungen, ein regelmäßiger Termin in der Woche oder das Gefühl, gebraucht zu werden. Wer besser einschätzen kann, welche Art von Kontakt fehlt, findet leichter passende Möglichkeiten.

Was gegen Einsamkeit helfen kann

Es gibt nicht die eine große Lösung gegen Einsamkeit. Oft sind es kleine Schritte, die wieder mehr Verbindung in den Alltag bringen. Ein erster Schritt kann darin bestehen, alte Kontakte aufzufrischen, indem man frühere Bekannte, Freundinnen, Freunde oder Arbeitskolleginnen und -kollegen anruft oder ihnen schreibt. Auch die Nachbarschaft kann wichtig sein: Ein kurzes Gespräch im Hausflur, Unterstützung beim Einkauf oder ein gemeinsamer Spaziergang können Nähe entstehen lassen.

Viele Menschen finden über gemeinsame Interessen neue Kontakte. Kurse, Sportgruppen, Chöre, Vereine, Kirchengemeinden, Seniorentreffs oder Volkshochschulen bieten Gelegenheiten, regelmäßig mit anderen zusammenzukommen. Auch ein Ehrenamt kann dabei helfen. Wer sich engagiert, erlebt Gemeinschaft und hat zugleich das Gefühl, etwas Sinnvolles beizutragen.

Digitale Angebote können ebenfalls ein Einstieg sein, besonders wenn die Mobilität eingeschränkt ist oder es vor Ort keine passenden Angebote gibt. Über soziale Medien, Nachbarschaftsplattformen oder Online-Gruppen lassen sich Menschen mit ähnlichen Interessen finden. Sie können persönliche Begegnungen ergänzen und manchmal den ersten Schritt erleichtern.

"Neue Kontakte entstehen selten auf Knopfdruck. Deshalb sollte man sich nicht entmutigen lassen, wenn es nicht sofort klappt. Entscheidend ist, dranzubleiben und Angebote zu suchen, die zur eigenen Lebenssituation passen", erklärt Pfitzer-Bilsing.

Quellen:

Livingston, Gill, et al. "Dementia prevention, intervention, and care: 2024 report of the Lancet standing Commission." The Lancet 404.10452 (2024): 572-628.

Sommerlad, Andrew, et al. "Social participation and risk of developing dementia." Nature Aging 3.5 (2023): 532-545.

Redaktionsservice: Factsheet zur Demenzprävention

Die AFI bietet Redaktionen ein kostenloses Factsheet zur Alzheimer- und Demenzprävention an. Es fasst die wichtigsten wissenschaftlichen Erkenntnisse, darunter die Ergebnisse der Lancet Commission 2024 zu 14 modifizierbaren Risikofaktoren, verständlich zusammen. Das Factsheet zeigt, welche Faktoren die Gehirngesundheit beeinflussen und welche Maßnahmen Menschen selbst ergreifen können, um ihr Risiko zu senken.

Zum Factsheet: www.alzheimer-forschung.de/factsheet-vorbeugen

Über die Alzheimer Forschung Initiative e.V.

Die Alzheimer Forschung Initiative e.V. (AFI) ist ein gemeinnütziger Verein, der das Spendenzertifikat des Deutschen Spendenrats e.V. trägt. Seit 1995 fördert die AFI mit Spendengeldern Forschungsprojekte engagierter Demenzforscherinnen und -forscher. Seit 2025 stellt die AFI auch Fördergelder für Pflegeforschung bereit. Mit kostenlosen Broschüren und auf der Website informiert die AFI über die Alzheimer-Krankheit und andere Demenzen. Seit seiner Gründung konnte der Verein mehr als 470 Forschungsaktivitäten mit über 20,7 Millionen Euro unterstützen und rund eine Million Ratgeber und Broschüren verteilen. Botschafterin der AFI ist die Journalistin und Sportmoderatorin Okka Gundel. Weitere Informationen zur Arbeit des Vereins und zu Spendenmöglichkeiten finden Sie auf www.alzheimer-forschung.de.

Pressekontakt:

Alzheimer Forschung Initiative e.V. (AFI)
Astrid Marxen
Kreuzstr. 34, 40210 Düsseldorf
0211 - 86 20 66 28
presse@alzheimer-forschung.de
www.alzheimer-forschung.de/presse


Original-Content von: Alzheimer Forschung Initiative e. V., übermittelt durch news aktuell

Weitere Infos zu dieser Pressemeldung:

Themen in dieser Pressemitteilung:


Unternehmensinformation / Kurzprofil:
drucken  als PDF  Lymphödem-Patientin Anna Maisetti bekennt Farbe / Moderne Rehabilitation und Unterstützung in der Pflege: Die gesetzliche Unfallversicherung präsentiert ihre Leistungen auf der Rehacare 2026
Bereitgestellt von Benutzer: ots
Datum: 15.09.2026 - 10:05 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 2272966
Anzahl Zeichen: 7540

Kontakt-Informationen:
Ansprechpartner: ots
Stadt:

Düsseldorf



Kategorie:

Gesundheitswesen - Medizin



Diese Pressemitteilung wurde bisher 187 mal aufgerufen.


Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"Demenz vorbeugen: Warum soziale Kontakte wichtig für die Gehirngesundheit sind"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von

Alzheimer Forschung Initiative e. V. (Nachricht senden)

Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).

Demenz vorbeugen / Warum gutes Hören und Sehen das Gehirn schützen können ...
Hören und Sehen verbinden uns mit der Welt: mit Menschen, Orten und Informationen. Bleiben Hör- oder Sehprobleme unbehandelt, kann das den Alltag erschweren und die Gehirngesundheit beeinflussen. Anlässlich des Welt-Alzheimertags am 21. September veröffentlicht die gemeinnützige Alzheimer Forsc

Demenz vorbeugen: Warum Bewegung die Gehirngesundheit stärkt ...
Kann man einer Demenz vorbeugen? Nicht immer, aber das persönliche Risiko lässt sich beeinflussen. Anlässlich des Welt-Alzheimertags am 21. September startet die gemeinnützige Alzheimer Forschung Initiative e. V. (AFI) eine dreiteilige Presseserie zur Demenzprävention. Im Mittelpunkt stehen wis

Pflege bei Demenz: Warum Angehörige frühzeitig für Entlastung sorgen sollten ...
Die Pflege eines geliebten Menschen mit Demenz ist eine große Aufgabe, die Kraft, Geduld und emotionale Stärke verlangt. Tag für Tag kümmern sich Angehörige mit Hingabe um Menschen, die zunehmend Fähigkeiten verlieren. Doch oft geschieht das auf Kosten der eigenen Gesundheit. Viele Pflegeper


Weitere Mitteilungen von Alzheimer Forschung Initiative e. V.


Moderne Rehabilitation und Unterstützung in der Pflege: Die gesetzliche Unfallversicherung präsentiert ihre Leistungen auf der Rehacare 2026 ...
Wie gelingt ein selbstbestimmtes Leben nach einem Unfall oder einer schweren Erkrankung? Welche Unterstützung gibt es für Pflegebedürftige und ihre Angehörigen? Antworten darauf gibt die gesetzliche Unfallversicherung vom 23. bis 26. September 2026 auf der Rehacare in Düsseldorf. In Halle 1, St

Lymphödem-Patientin Anna Maisetti bekennt Farbe / "Meine medizinische Kompression ist kein Makel, sondern meine Stärke" ...
Im Alter von 22 Jahren wurde bei der Italienerin Anna Maisetti Hautkrebs im fortgeschrittenen Stadium diagnostiziert. Infolgedessen mussten Lymphknoten aus ihrer rechten Leiste entfernt werden und es entwickelte sich ein sekundäres Lymphödem im rechten Bein. Heute engagiert sich die 39-jährige It

Averbis stellt Modul zur Prüfung KI-generierter medizinischer Texte vor ...
Generative Künstliche Intelligenz kann Kliniken bei der Erstellung von Arztbriefen und anderen Dokumenten entlasten. Gleichzeitig müssen Ärztinnen und Ärzte weiterhin sicher erkennen können, welche Aussagen in einem KI-generierten Text tatsächlich durch die Patientenakte belegt sind. Um das zu

EasyMotionSkin ist erneut Teil einer Mission zur Internationalen Raumstation (ISS) ...
ESA-Astronautin Sophie Adenot führt das EMS-Experiment „EasyMotion-2“ im All durch. EasyMotionSkin, Teil der deutschen milon group, setzt seine Erfolgsgeschichte in der internationalen Raumfahrt fort: ESA-Astronautin Sophie Adenot führt während ihrer Mission das wissenschaftliche Experiment


 

Werbung



Sponsoren

foodir.org The food directory für Deutschland
News zu Snacks finden Sie auf Snackeo.
Informationen für Feinsnacker finden Sie hier.

Firmenverzeichniss

Firmen die firmenpresse für ihre Pressearbeit erfolgreich nutzen
1 2 3 4 5 6 7 8 9 A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z