Akzeptanz neuer Stromtrassen kann verbessert werden
ID: 244089
Akzeptanz neuer Stromtrassen kann verbessert werden Studie der
Universität Magdeburg im Auftrag der Deutschen Umwelthilfe zeigt,
unter welchen Umständen sich Betroffene mit dem Um- und Ausbau der
Stromnetze leichter arrangieren würden
Neue Stromtrassen würden von der betroffenen Bevölkerung besser
akzeptiert, wenn bei der Planung und Umsetzung bestimmte
Mindestanforderungen eingehalten und verbindlichere Regelungen etwa
bezüglich der Abstände der Leitungen von Wohngebieten oder der
Verlegung der Kabel in die Erde gelten würden. Außerdem sind die
Menschen eher bereit, einem Netzausbau "vor ihrer Haustür"
zuzustimmen, wenn dieser nachweislich der Integration erneuerbarer
Energien dient. Das sind einige der zentralen Ergebnisse einer
Untersuchung, die die Forschungsgruppe Umweltpsychologie an der
Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg im Auftrag der Deutschen
Umwelthilfe e. V. (DUH) durchgeführt hat. Die vom
Bundesumweltministerium finanzierte Studie wurde im Rahmen des "Forum
Netzintegration Erneuerbare Energien" der DUH erstellt.
Bei der Erhebung gaben Betroffene in der
hessisch-niedersächsischen Region Wahle-Mecklar, wo eine neue
Höchstspannungsstromtrasse entstehen soll, Auskunft über ihre
Einstellungen zu der Planung. Insgesamt kamen von 1.200 verteilten
Fragebögen 450 zurück und konnten ausgewertet werden. Zusätzlich
wurden Interviews mit zwölf zentralen Akteuren in der Region geführt.
Ergebnisse 1:
- 75% der betroffenen Bürger verlangen als Voraussetzung für ihre
Zustimmung zu einer neuen Trasse die Verlegung der Leitungen in
die Erde ("Erdverkabelung"). Allerdings wird der Wissensstand über
Erdkabel von einem Drittel der Befragten selbst als gering
eingestuft.
- Ausdrücklich fordern mehrere Befragte (auch unter Hinweis auf die
Rechtssicherheit) verbindlichere Bestimmungen, unter welchen
Bedingungen eine Erdverkabelung verpflichtend sein soll.
- 39% der Befragten wären bereit, für die teurere Erdverkabelung
einen höheren Strompreis zu akzeptieren.
Dazu Peter Ahmels, Projektleiter bei der DUH: "Konkret wünschen
insbesondere engagierte Betroffene verbindliche, rechtssichere
Bestimmungen zur Erdverkabelung in Siedlungsnähe. Dabei bevorzugen
die Anwohner klar eine Vollverkabelung über die ganze Strecke
gegenüber einer Teilverkabelung. Die Befragten wären auch bereit,
dafür mehr zu zahlen".
Ergebnisse 2:
- 75% derjenigen, die den Fragebogen ausgefüllt haben, wünschen
sich, bei der Planung neuer Höchstspannungsleitungen mitreden zu
können. Gleichzeitig sind nur einem Viertel der Befragten die
Regeln für regionale Planungsverfahren wie Auslagefristen etc.
bekannt.
- 85% wünschen sich mehr frühzeitige Informationen über das Vorhaben.
- Regionalen Bürgerinitiativen wird mit 57% unter allen
Informationsquellen die größte Glaubwürdigkeit attestiert;
Planungsbehörden und Netzbetreibern geben dagegen nur 12% bzw. 10%
das Prädikat "glaubwürdig".
- Signifikant wichtig ist den Betroffenen die Transparenz des
Planungsprozesses. Aber nur 10% der Befragten stufen ihn derzeit
als "fair" ein.
"Der Informationsbedarf zum Um- und Ausbau der Stromnetze ist
unter den regional betroffenen Bürgerinnen und Bürgern sehr groß, wie
unsere Studie zeigt. Eine breit angelegte Informationskampagne könnte
Fortschritte erbringen, sofern sie von einer als glaubwürdig und
unabhängig eingestuften Organisation durchgeführt wird, erläutert
Irina Rau, eine der AutorInnen der Studie von der Universität
Magdeburg. Die Antworten zeigten klar, dass die frühe Information der
Anwohner und anderer Betroffener über geplante Stromtrassen für die
Akzeptanz essentiell sei. Stärker als bisher üblich sollten
Institutionen bei der Informationsbereitstellung beteiligt werden,
die von den Betroffenen als unabhängig eingestuft werden.
Ergebnisse 3:
- 87% der Befragten fürchten einen negativen Einfluss auf das
Landschaftsbild.
- Knapp zwei Drittel der Befragten akzeptieren neue Stromtrassen,
sofern sie der Integration erneuerbarer Energien dienen.
- 45% machen ihre Zustimmung davon abhängig, ob zuvor alle anderen
Möglichkeiten, wie zum Beispiel eine stärker dezentral
ausgerichtete Stromerzeugung, ausgeschöpft wurden.
- 80% der Betroffenen fürchten im Zusammenhang mit dem Trassenbau
gesundheitliche Beeinträchtigungen durch elektromagnetische Felder
in ihrer direkten Umgebung.
- Ebenfalls 80% erwarten ökologische Beeinträchtigungen.
- 65% sorgen sich um einen möglichen Wertverlust ihrer Immobilien.
- 45% sehen für die eigene Region keinen Nutzen durch die neue
Stromleitung, nur 20% erwarten Vorteile.
- Mögliche Kompensationszahlungen werden von der Mehrheit als
Möglichkeit zur Schaffung von Akzeptanz abgelehnt; sie können aber
im Einzelfall dazu beitragen, einen "Gerechtigkeitsausgleich" für
unvermeidbare Belastungen zu schaffen.
"Offenbar hat in den meist ländlich geprägten Regionen, in denen
neue Trassen geplant werden, die Bewahrung des Landschaftsbilds einen
sehr hohen Stellenwert. Der Netzausbau hat dennoch Chancen, von einer
Mehrheit akzeptiert zu werden, wenn er klar der Integration
erneuerbarer Energien dient. Allerdings auch dann nur als ultima
ratio, wenn vorher alle anderen Möglichkeiten - wie zum Beispiel eine
dezentralere Stromerzeugung - ausgeschöpft werden und persönliche
Beeinträchtigungen minimiert werden", erläuterte Ahmels. Insgesamt
gebe die Untersuchung eine Fülle von Hinweisen, wie die Akzeptanz
neuer Stromtrassen erhöht werden könne, erklärte Ahmels. In Zukunft
mache sich deshalb unglaubwürdig, wer es bei der allgemeinen Klage
über die "vielfältigen Widerstände vor Ort" belasse. "Wir stehen mit
unseren Möglichkeiten, den Umbauprozess in das regenerative Zeitalter
zu beschleunigen und dabei die Menschen mitzunehmen, erst am Anfang.
Wir müssen die große Zustimmung zu den erneuerbaren Energien auch für
den Netzumbau erreichen."
Hier finden Sie den Abschlussbericht der Akzeptanzstudie der
Universität Magdeburg sowie eine grafische Darstellung, die zeigt,
unter welchen Umständen betroffene Bürger einen Netzausbau in ihrer
Region akzeptieren könnten:
http://www.duh.de/pressemitteilung.html?&tx_ttnews[tt_news]=23627
Pressekontakt:
Dr. Peter Ahmels, Leiter Erneuerbare Energien, Deutsche Umwelthilfe
e.V. Mobil 0151-162 25 863 , Tel.: 030 2400867-91, ahmels@duh.de
Dr. Gerd Rosenkranz, Leiter Politik und Presse, Deutsche Umwelthilfe
e.V. Mobil: 0171 5660577, Tel.: 030 2400867-21, rosenkranz@duh.de
Irina Rau, Forschungsgruppe Umweltpsychologie (FG-UPSY),
Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, Tel.: 0391 6711049,
irina.rau@fg-upsy.com
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Datum: 18.08.2010 - 11:03 Uhr
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