Schnupfen statt Gräserallergie: Wenn Ärzte wegen falscher Diagnose vorschnell zum Rezeptblock greifen
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Schnupfen statt Gräserallergie: Wenn Ärzte wegen falscher Diagnose vorschnell zum Rezeptblock greifen
Allergologie sollte als Fachgebiet attraktiver werden
Melkof ? "Ich schreib Ihnen nochmal was auf...": Drei von vier Allergikern erhalten nicht auf Anhieb die richtige Diagnose und werden in der Folge nicht adäquat behandelt. Voreilig fällt immer wieder der Befund "Atemwegsinfekt", wenn sich hinter verstopfter Nase und lästigem Hustenreiz in Wahrheit eine Allergie verbirgt. Mit gravierenden Folgen: "Eine über einen langen Zeitraum nicht erkannte und damit falsch behandelte Allergie kann im schlimmsten Fall zu einer schwerwiegenden asthmatischen Erkrankung führen", erklärt Dr. Arne Menzdorf, Fachbiologe von Deutschlands größtem Allergiker-Portal myAllergo.de (www.myallergo.de) und ergänzt: "Jährlich sterben in Deutschland bis zu 2.700 Menschen an Asthma."
Hauttest reicht als Mittel zur Diagnosefindung nicht aus
Ein wesentliches Problem liegt darin, dass die Diagnosestellung überstürzt stattfindet: Oftmals wird mittels eines einfachen Hauttests bereits eine abschließende Diagnose gestellt. Zusätzlich zu Haut- und Bluttests sollte aber die vollständige Krankengeschichte des Patienten erfasst und in die Diagnose einbezogen werden. "Die sicherste Diagnose liefert schließlich der Provokationstest", so Dr. Arne Menzdorf. Hierbei nimmt der Patient den Stoff, auf den er potenziell allergisch reagiert - beispielsweise ein Stück Paprika - im Beisein des Arztes zu sich, inhaliert ihn oder bekommt ihn gespritzt. Reagiert er mit allergischen Symptomen und lassen sich im Blut die entsprechenden Antikörper nachweisen, kann die Diagnose als gesichert gelten.
Der Provokationstest kann auch dann eine Allergie bestätigen, wenn alle anderen Tests negativ ausfielen. "Der Provokationstest sollte aber in jedem Fall stationär oder in spezialisierten Praxen stattfinden, da er das Risiko birgt, dass der Patient im Falle einer vorliegenden Allergie gegen den verabreichten Stoff einen anaphylaktischen Schock erleidet", warnt Menzdorf.
Allergologische Ausbildung muss angepasst werden
Damit die mehr als 38 Millionen Allergiker in Deutschland eine Diagnose und Behandlung erfahren, die ihrem individuellen Krankheitsbild entspricht, muss die Ausbildung von Ärzten und anderem medizinischem Personal in der Allergologie optimiert werden und die Allergologie nicht länger nur als Zusatzbezeichnung geführt werden. "Viele Mediziner fordern dies schon seit Jahren", weiß auch Dr. Arne Menzdorf. Entscheidend ist aber auch, dass sich eine entsprechende Ausbildung auch in der Honorarordnung der allergologisch behandelnden Mediziner niederschlägt. So honoriert die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung beispielsweise bereits eine allergologische Zusatzausbildung: "Es ist an der Zeit, dass die deutschen Krankenkassen diesem Beispiel folgen", fordert Menzdorf.
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Datum: 18.08.2010 - 14:16 Uhr
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