Reserveantibiotika nur im Ausnahmefall verschreiben

Reserveantibiotika nur im Ausnahmefall verschreiben

ID: 258130
(ots) - Fast jedes zweite Antibiotikum, das in Deutschland
verordnet wird, ist ein Reserveantibiotikum. Darauf hat das
Wissenschaftliche Institut der AOK am Dienstagabend in der
ARD-Sendung "Plusminus" hingewiesen. "Reserveantibiotika sollten
nicht zur Therapie bei normalen Infektionen wie zum Beispiel
Erkältungen eingesetzt werden", so Helmut Schröder vom WIdO. "Sie
sind - wie der Name sagt - die eiserne Reserve bei schweren
Erkrankungen. Je sorgloser sie eingesetzt werden, desto resistenter
werden Bakterien gegen Antibiotika." Das WIdO hat bereits 2001 in
einer Antibiotika-Studie auf diese Gefahr hingewiesen. "Die aktuellen
Verordnungszahlen belegen, dass diese Warnung leider immer noch
aktuell ist", betont der stellvertretende Geschäftsführer des WIdO.

Das WIdO analysiert jährlich mehr als 700 Millionen
Arzneimittelverordnungen für die gesetzliche Krankenversicherung. Die
Analyse der Antibiotika-Verschreibungen ergab, dass inzwischen in
46,5 Prozent der Fälle ein Reserveantibiotikum eingesetzt wird.
"Therapiert werden sollte mit Reserveantibiotika jedoch nur dann,
wenn Standardantibiotika nicht mehr helfen", so Helmut Schröder. "Die
goldene Regel beim Verordnen von Antibiotika lautet: So wenig wie
nötig und so gezielt wie möglich. Nur so kann sichergestellt werden,
dass die zukünftigen Therapiechancen eines Antibiotikums nicht
leichtfertig aufs Spiel gesetzt werden."

In Deutschland wurden laut WIdO im vergangenen Jahr insgesamt 40,6
Millionen Antibiotikaverordnungen im Gegenwert von knapp 760
Millionen Euro verschrieben. Die meisten Antibiotika je Arzt
verschreiben Urologen, gefolgt von Kinderärzten, Hausärzten und
Hals-Nasen-Ohren-Ärzten.

Im Schnitt hat jeder gesetzlich Krankenversicherte über einen
Zeitraum von 5,2 Tagen eine Antibiotika-Therapie erhalten. Rein
rechnerisch hat jedes Kind bis zum Alter von zehn Jahren über sechs


Tage Antibiotika bekommen. Bei mehr als drei Millionen Kindern
dauerte die Behandlung sogar zwei Wochen. "In Deutschland werden
Kinder dreimal so häufig bei Mittelohrentzündung mit Antibiotika
behandelt wie in den Niederlanden, obwohl dies nach Ansicht von
medizinischen Experten keinen Vorteil bringt", erläutert Helmut
Schröder.

Studien zeigen, dass bei Erkältungen in 80 Prozent der Fälle
Antibiotika verschrieben werden, obwohl Bronchitis oder
Rachenentzündungen zu mehr als 80 Prozent durch Viren verursacht
werden.

Durch intensiven Einsatz von Antibiotika entwickeln Bakterien
Resistenzen gegen einzelne Wirkstoffe und Wirkstoffgruppen. Für diese
zunehmende Resistenz sind nach Darstellung des
Bundesgesundheitsministeriums hauptsächlich der unsachgemäße Einsatz
von Antibiotika sowie die inkonsequente Anwendung von Empfehlungen
zur Prävention von Infektionen verantwortlich. Die zunehmenden
Resistenzen erschweren laut Ministerium bereits die Behandlung von
bakteriellen Infektionskrankheiten.

Basierend auf den Ergebnissen der Antibiotika-Studie hat das WIdO
2005 gemeinsam mit der Stiftung Warentest Empfehlungen für
Versicherte zum Umgang mit Antibiotika zusammengestellt. Die
Informationen haben nichts an Aktualität verloren.

Der Beitrag "Weniger ist mehr" steht auf der Website der Stiftung
Warentest kostenlos zum Download zur Verfügung:
http://www.presseportal.de/go2/Behandlung_Antibiotika

Aktuelles Informationsmaterial des WIdO:
http://wido.de/arz_antibiotika.html
http://www.aok-bv.de/presse/pressemitteilungen/2010/index_04614.html



Pressekontakt:
Wissenschaftliches Institut der AOK
Helmut Schröder
Tel.: 030-34646-2393
Fax: 030-34646-2144
helmut.schroeder@wido.bv.aok.de

Themen in dieser Pressemitteilung:


Unternehmensinformation / Kurzprofil:
Bereitgestellt von Benutzer: ots
Datum: 15.09.2010 - 13:19 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 258130
Anzahl Zeichen: 4101

Kontakt-Informationen:
Stadt:

Berlin



Kategorie:

Vermischtes



Diese Pressemitteilung wurde bisher 637 mal aufgerufen.


Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"Reserveantibiotika nur im Ausnahmefall verschreiben"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von

Wissenschaftliches Institut der AOK (Nachricht senden)

Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).

Positiver Trend: Gesundheitsatlas zeigt Rückgang bei Herzinfarkten ...
Eine aktuelle Datenauswertung für den Gesundheitsatlas Deutschland des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) zeigt einen anhaltenden Rückgang bei der Zahl der Herzinfarkte in Deutschland. Gleichzeitig ist allerdings die Häufigkeit von Diabetes mellitus Typ 2 und Bluthochdruck gestiegen, die

WIdOmonitor zu pflegenden Angehörigen: Pflegeverantwortung führt oft zur Reduzierung von Erwerbsarbeit ...
Forsa-Umfrage: Fast die Hälfte der erwerbstätigen pflegenden Angehörigen ist hochbelastet / Gleichzeitig nur geringe Nutzung von Entlastungsangeboten Die Vereinbarkeit von Beruf und Pflege ist für die Gruppe der pflegenden Angehörigen in Deutschland eine der zentralen Herausforderungen: Das z

WIdO-Analyse: Seit 2019 stabiles Niveau der "Neuzugänge" in der Pflegeversicherung bei Menschen ab 60 Jahren ...
Die Zahl der erstmals pflegebedürftigen Menschen ab 60 Jahren hat sich von 2019 bis 2024 auf weitgehend stabilem Niveau bewegt: In diesem Zeitraum traten jedes Jahr etwa 350.000 AOK-Versicherte dieser Altersgruppe neu in die Pflege ein. Das zeigt eine als e-Paper veröffentlichte Analyse des Wissen


Weitere Mitteilungen von Wissenschaftliches Institut der AOK


Knacken Sie Ihren Männer-Code! Jetzt in PETRA: Endlich der Richtige - wie wir von falschen Partnern lernen, was wir in der Liebe wirklich wollen ...
Wieder Pech gehabt mit Mister Wrong...? Die gute Nachricht ist: Das macht nichts! Denn jeder Beziehungsflop macht uns schlauer und führt uns irgendwann doch in die Arme von Mister Right, berichtet PETRA, die meistgelesene monatliche Frauenzeitschrift Deutschlands, in ihrer aktuellen Ausgabe (EV

N24-Reportage von Steffen Schwarzkopf für Prix Europa 2010 nominiert ...
Die N24-Reportage "Krieg im Indianerland - Die Bundeswehr in Kundus" von Steffen Schwarzkopf ist in der Kategorie "Bestes TV Current Affairs Programm" für den diesjährigen Prix Europa nominiert. "Indianerland" nennen die deutschen Soldaten die von den Taliban k

Deutscher Mediapreis 2011: Einreichungsphase läuft auf Hochtouren ...
Am 27. Januar 2011 verleiht Werben & Verkaufen, Deutschlands größtes Fachmagazin für Marketing und Kommunikation, im Alten Rathaus in München unter der Schirmherrschaft von Oberbürgermeister Christian Ude den Deutschen Mediapreis. Die begehrte Trophäe wird für die besten Media-Strateg

Neue UN-Zahlen: Müttersterblichkeit geht weltweit zurück / Noch immer mehr als 350.000 Todesfälle - vor allem in Afrika ...
Die Müttersterblichkeit ist weltweit rückläufig: Besonders in Asien und in Nordafrika wurden zwischen 1990 und 2008 Fortschritte erzielt. Doch noch immer sterben jährlich 358.000 Frauen während der Schwangerschaft oder bei der Geburt ihres Kindes - 99 Prozent von ihnen in Entwicklungsländer


 

Werbung



Sponsoren

foodir.org The food directory für Deutschland
News zu Snacks finden Sie auf Snackeo.
Informationen für Feinsnacker finden Sie hier.

Firmenverzeichniss

Firmen die firmenpresse für ihre Pressearbeit erfolgreich nutzen
1 2 3 4 5 6 7 8 9 A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z