Sind die schönen Künste brotlose Künste?
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Kombination „harter“ und „weicher“ Fächer wird an deutschen Unis erprobt
Bonn/München – Sind Geisteswissenschaften nützlich? Germanisten und Historiker tun sich oft schwer, wenn sie die praktische Verwertbarkeit ihrer Arbeit belegen wollen. Ingenieure, Maschinenbauer oder Informatiker haben es oft leichter, Sinn und Zweck ihres Tuns darzulegen. 2007 soll alles besser werden. Im Jahr der Geisteswissenschaften wird viel „Vom Nutzen des scheinbar Nutzlosen“ (Sascha Reimann) die Rede sein. Neben den Sonntagsreden und schönen Worten bei Symposien und anderen Veranstaltungen bescheinigen Experten Geisteswissenschaftlern zurzeit gute Chance auf dem Arbeitsmarkt.
„Die Nachfrage zieht zurzeit stark an“, bestätigte Erik Bethkenhagen von der Unternehmensberatung Kienbaum Consultants International http://www.kienbaum.de in Gummersbach gegenüber dpa http://www.dpa.de. Auch die Bildungs- und Arbeitsmarktexperten vom Kölner Institut der deutschen Wirtschaft http://www.iw-koeln.de bescheinigen den Absolventen der „schönen Künste“ gute Jobaussichten. In Deutschland gibt es im Alltag jedoch noch häufig eine strikte Trennung zwischen den „weichen“ und „harten“ Fächern. In den angelsächsischen Ländern geht man schon lange und erfolgreich andere Wege. Doch einige deutsche Unis denken um. „Über den Graben zwischen den schönen, aber brotlosen Künsten und den drögen, aber lukrativen Wirtschaftswissenschaften werden Brücken geschlagen“, berichtet Sabrina Ebitsch in der Financial Times Deutschland (FTD) http://www.ftd.de. So kann man seit einiger Zeit Philosophy & Economics an der Universität Bayreuth studieren. Bisher konnte man in Deutschland Philosophie nur mit anderen geisteswissenschaftlichen Fächern kombinieren. Dabei müsse man das Fach mit „harten Fächern“ wie Wirtschaft, Recht oder auch Naturwissenschaften zusammenbringen, sagt Rainer Hegselmann, Leiter des P&E-Studiengangs in Bayreuth.
In Mannheim werden klassische philologische Fächer wie Romanistik oder Anglistik mit einem BWL-Studium kombiniert. Dieses Studium biete heute für den Arbeitsmarkt einen „echten Mehrwert“. Ähnliche Modelle, die in Großbritannien und den USA schon längst zur Normalität gehören, sollen nun auch in Hamburg und Bremen erprobt werden. Für eine stärkere Durchlässigkeit zwischen Natur- und Geisteswissenschaften plädiert Udo Nadolski. Der Geschäftsführer des Düsseldorfer Beratungshauses Harvey Nash http://www.harveynash.de fordert von Ingenieuren und Informatikern aber vor allem stärkere soziale, kulturelle und sprachliche Kompetenz: „In einer globalisierten Welt kann es einen jungen IT-Experten oder Wirtschaftswissenschaftler in unterschiedliche Länder verschlagen. Wer die dort gesprochene Sprache beherrscht und sich mit den kulturellen Gepflogenheiten vertraut macht, ist auch geschäftlich klar im Vorteil. In Deutschland kann es ebenfalls nicht schaden, wenn ein Ingenieur gelegentlich ein Buch oder eine Zeitschrift aufschlägt, die mit seinem Beruf nichts zu tun hat. Leider produzieren unsere Universitäten heute zu viele Spezialisten, denen soziale Kompetenzen und kulturelle Fertigkeiten abgehen. Der nötige gesellschaftliche Feinschliff muss ihnen dann meist vom Arbeitgeber beigebracht werden. Doch viele Unternehmen erwarten, dass ein junger Berufseinsteiger dieses Startkapital bereits mit bringt.“
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Datum: 23.02.2007 - 09:12 Uhr
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