Wirtschaftsmagazin Economist: Deutsche Automobilindustrie hat Zukunft verschlafen

Wirtschaftsmagazin Economist: Deutsche Automobilindustrie hat Zukunft verschlafen

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Branchenexperten weisen Fundamentalkritik zurück




(firmenpresse) - Von Ansgar Lange/Gunnar Sohn

London/Hannover, www.ne-na.de – Das renommierte britische Wirtschaftsmagazin „Economist“ http://www.economist.com sagt Deutschlands Automobilindustrie eine schwarze Zukunft voraus. Zum einen leide man hier zu Lande am „Große-Autos-Problem“ und habe keine Antwort auf Billig-Fahrzeuge wie den Dacia Logan gefunden. In Zukunftsmärkten wie China werde der Wettbewerb aber vor allem über die Preise ausgefochten, so dass deutsche Hersteller dort ins Hintertreffen gerieten. Zum anderen seien Pkw „Made in Germany“ viel zu häufig umweltfeindliche Spritfresser, die durch sehr hohen CO2-Ausstoß negativ auffielen. Die anderen europäischen Anbieter und vor allem die Asiaten hätten wesentlich emissionsärmere Modelle im Angebot.

„Der Economist ist normalerweise für seine sorgfältige Recherche bekannt. Leider erfüllt die vierseitige Auto-Geschichte diese Qualitäts-Ansprüche in keiner Weise“, moniert der Automobilexperte Uwe Röhrig, Inhaber des Hannoveraner Beratungsunternehmens International Car Concept (ICC) http://www.icconcept.de. „Zur Wahrheit gehört auch, dass besonders die marode britische Automobilindustrie auf dem Abstellgleis steht. Die Briten waren in der Vergangenheit nicht in der Lage, Volumenfahrzeuge in ansprechender Produktqualität zu angemessenen Preisen auf den Markt zu bringen. Jetzt werden in England immer noch überwiegend Luxuslimousinen gekauft, die mit Sicherheit keine Ökowagen darstellen.“

Doch im Kern gehe es nicht um deutsch-britische Prestigegefechte. „Der Artikel ist schlecht recherchiert und liefert kein präzises Bild der deutschen Autoindustrie und ihrer Leistungsfähigkeit“, so Röhrig weiter. Kein Wort werde über den Stand der Entwicklung zu Alternativen wie der Brennstoffzelle, den Elektroautos, Biokraftstoffen oder Gas betriebenen Fahrzeugen in Deutschland verloren. „Geschweige denn darüber, in welchem Grad der Serien-Reife 3-Liter-Verbrauchsmotoren bei welchem deutschen Hersteller sind. Volkswagen bietet zum Beispiel derartige Fahrzeuge auch in der Mittelklasse an. Völlig unbeachtet bleibt, was der zahlende Kunde als Anforderung von den deutschen Automobilherstellern erwartet und verlangt - und das sind nicht nur deutsche Kunden, sondern auch britische. Einen Zusammenhang zu asiatischen Autoherstellern, hier im speziellen zu den Chinesen und Japanern herzustellen, ist mehr als fragwürdig. Denn die dort produzierten Kleinwagen sind die größten Umweltverschmutzer.“



Wenn heute Wettbewerber in Europa oder anderswo den Hybrid forcierten, dann sei das oftmals das Resultat nicht ausreichender Kompetenz in der Dieseltechnologie oder einer völlig anderen Strategie. „In der aktuellen Klima-Debatte haben die deutschen Autohersteller mit einem Image-Problem zu kämpfen, dass nicht viel mit der Wirklichkeit gemein hat“, stellte Röhrig fest. Es sei fahrlässig, mit Vorurteilen und Halbwahrheiten einen wichtigen deutschen Industriezweig ohne Not schlecht zu reden.

Auch nach Ansicht von Tobias Janßen, Geschäftsführer der Beteiligungs- und Beratungsgesellschaft Goldfish Holdings http://www.goldfish-holdings.com in Neuss, hat die Titelstory des britischen Wirtschaftsmagazins wenig mit der Wirklichkeit zu tun: „Man muss schon etwas genauer analysieren, welche Antriebstechnik und welche Kraftstoffe in Zukunft alltagstauglich sind, um die Umweltbelastung zu senken. Und hier bieten die hochentwickelten Dieselmotoren in Deutschland gute Voraussetzungen. Selbst der hochgelobte Hybridmotor von Toyota Prius liegt ungefähr auf dem Niveau von sparsamen Dieselmodellen in Deutschland. Man sollte sich also nicht von blumigen PR-Kampagnen blenden lassen. Von den 2,9 Millionen Toyota-Autos, die 2006 in Nordamerika verkauft wurden, waren nur 180.000 mit Hybridantrieb ausgestattet. Das Modell Camry war schon in den vergangenen beiden Jahren in den USA das meistverkaufte Auto – als Hybridversion kommt es erst jetzt auf den Markt. Der Hybridantrieb hat zudem nur im städtischen Stop-and-go-Verkehr Vorteile, im üblichen Mischbetrieb mit Landstraße und Autobahn ist das nicht der Fall“, weiß Janßen. Beim Einsatz von Biokraftstoffen, der Entwicklung von CO2-neutralen synthetischen Kraftstoffen und der Zunahme von Erdgasfahrzeugen liege Deutschland in der Europäischen Union an der Spitze.

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Datum: 26.02.2007 - 09:18 Uhr
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