Ärzte ohne Grenzen fordert: Stoppt EU-Verhandlungen hinter verschlossenen Türen und industriefreun

Ärzte ohne Grenzen fordert: Stoppt EU-Verhandlungen hinter verschlossenen Türen und industriefreundliche Verträge

ID: 290977

Ärzte ohne Grenzen fordert: Stoppt EU-Verhandlungen hinter verschlossenen Türen und industriefreundliche Verträge



(pressrelations) - Zugang zu bezahlbaren Medikamenten gefährdet

Brüssel/Berlin, 8. November 2010. Angesichts der heute in Brüssel wiederaufgenommenen dreitägigen Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen zwischen der EU und Indien ruft die humanitäre medizinische Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen in einem offenen Brief die Verhandlungsführer der EU auf, jegliche Maßnahmen zu unterlassen, die den Zugang zu bezahlbaren generischen Medikamenten aus Indien einschränken würden. Der Brief wird heute in Brüssel im Rahmen einer Protestaktion vor dem Verhandlungsort übergeben. "Der europäische Handelskommissar Karel De Gucht versucht der europäischen Pharmaindustrie eine Hintertür zu lukrativen Monopolen zu öffnen, die zu hohen Medikamentenpreisen führen. Dadurch werden lebensnotwendige Medikamente für Patienten in ärmeren Ländern unerschwinglich", sagte Dr. Tido von Schoen-Angerer, internationaler Direktor der Medikamentenkampagne von Ärzte ohne Grenzen. "Das indische Gesetz regelt schon heute den Patentschutz. Europa versucht nun durch rechtliche Tricks deutliche stärkere Restriktionen für die Generikaproduktion durchzusetzen."
Europa drängt darauf, eine sogenannte Datenexklusivität im Abkommen festzuschreiben, die den Markteintritt generischer Medikamente um bis zu zehn Jahre verzögern würde. Diese Datenexklusivität blockiert das von der Weltgesundheitsorganisation empfohlene Verfahren, bereits bestehende klinische Studien von identischen Produkten für die Zulassung von Generika zu nutzen. Als Indien beispielsweise im Jahr 2008 das Patent für die Sirup-Form des Aids-Medikaments Nevirapin für Kinder zurückwies, konnten sich die Generikahersteller sicher sein, eine preisgünstigere Alternative produzieren und verkaufen zu können. Hätte die Datenexklusivität bereits zu diesem Zeitpunkt in dem von Europa jetzt geforderten Umfang bestanden, hätten die Produzenten mit dem Verkauf der Medikamente bis zu zehn Jahre warten müssen.

"Unsere medizinischen Programme sind auf eine konstante Versorgung mit preisgünstigen Medikamenten angewiesen. Für Menschen, die an HIV/Aids leiden, sind diese Medikamente überlebenswichtig und eine zehnjährige Wartezeit auf neue Arzneien ist unmöglich. Sie würden die Wartezeit nicht überleben", sagte Ariane Bauernfeind, Projektkoordinatorin von Ärzte ohne Grenzen für Südafrika, Malawi, Lesotho und Simbabwe. "Ohne eine Behandlung erleben die Hälfte der Kinder, die mit HIV/Aids geboren werden, ihren zweiten Geburtstag nicht."



"Bisher wird das EU-Abkommen schön geredet und unsere Bedenken werden in keiner Weise Ernst genommen. Ärzte ohne Grenzen fordert Handelskommissar De Gucht auf, die Auswirkungen auf Patienten in ärmeren Ländern endlich zuzugeben", sagte Oliver Moldenhauer, Koordinator der Medikamentenkampagne von Ärzte ohne Grenzen in Deutschland heute bei der Übergabe des offenen Briefes in Brüssel.

Indien gilt als "Apotheke der Armen", da dort bezahlbare Versionen von Medikamenten produziert werden. Mehr als 80 Prozent der Medikamente, die Ärzte ohne Grenzen für die Behandlung von mehr als 160.000 HIV-Infizierten weltweit einsetzt, werden von indischen Produzenten.

Fotos und Videos der Übergabe des offenen Briefs werden am frühen Nachmittag unter www.msfaccess.org verfügbar sein.

Aidsacquired immune deficiency syndrome: erworbenes Immunmangelsyndrom
GenerikaSogenannte Nachahmermedikamente, die dieselben Wirkstoffe enthalten wie das patentgeschützte, aber meist teurere Originalpräparat.


Weitere Informationen erhalten Sie in unserer Pressestelle:
Christiane Winje
Tel.: 030 - 700 130 240
christiane.winje@berlin.msf.orgUnternehmensinformation / Kurzprofil:
drucken  als PDF  Massiver Betrug in Tunfisch-Industrie aufgedeckt Castorzug: Neutronenmessung ergibt 480-fach erhöhte Strahlung
Bereitgestellt von Benutzer: pressrelations
Datum: 08.11.2010 - 18:45 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 290977
Anzahl Zeichen: 4058

pressrelations.de – ihr Partner für die Veröffentlichung von Pressemitteilungen und Presseterminen, Medienbeobachtung und Medienresonanzanalysen


Diese Pressemitteilung wurde bisher 389 mal aufgerufen.


Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"Ärzte ohne Grenzen fordert: Stoppt EU-Verhandlungen hinter verschlossenen Türen und industriefreundliche Verträge"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von

Ärzte ohne Grenzen (Nachricht senden)

Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).

Nauru: Bericht belegt verheerende psychische Folgen australischer Internierungspolitik ...
Die australische Internierungspolitik verursacht bei den Geflüchteten auf Nauru exzessive psychische Probleme. Zu diesem Ergebnis kommt der heute von der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen in Canberra vorgestellte Bericht "Indefinite Despair". Demnach hatten 30 Prozent der 208 von Ã

Rettungsschiff Aquarius:Ärzte ohne Grenzen weist Vorwürfe der illegalen Müllentsorgung zurück ...
Wegen angeblicher Fehler bei der Entsorgung von Bordabfällen haben die italienischen Justizbehörden beantragt, das von SOS Méditerranée und Ärzte ohne Grenzen betriebene Rettungsschiff Aquarius zu beschlagnahmen. Ärzte ohne Grenzen verurteilt diese Entscheidung aufs Schärfste. Es handelt si

Zentralafrikanische Republik: Ärzte ohne Grenzen verurteilt Gewalt gegen Zivilisten Mehr als 50 Patienten mit Macheten- und Schusswunden behandelt ...
Nach erneuten gewaltsamen Auseinandersetzungen im Norden der Zentralafrikanischen Republik verurteilt die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen Angriffe auf die Zivilbevölkerung. Mitarbeiter der Organisation haben in der etwa 325 Kilometer nördlich der Hauptstadt Bangui gelegenen Stadt Bouca sei


Weitere Mitteilungen von Ärzte ohne Grenzen


Historisches Bahnhofsgebäude in Schorndorf saniert ...
Energetische Sanierung des Bahnhofsgebäudes im Rahmen der Konjunkturprogramme des Bundes / Energiebedarf um 15 Prozent gesenkt / Rund 800.000 Euro investiert (Stuttgart, 8. November 2010) Die Deutsche Bahn hat in den vergangenen zwölf Monaten das Bahnhofsgebäude in Schorndorf energetisch sanie

DB Schenker Logistics investiert neun Millionen Euro in Güterverkehrszentrum Großbeeren bei Berlin ...
Deutsche Landesgesellschaft errichtet 2011 ein neues Terminal für Großraum Berlin?Brandenburg (Frankfurt am Main/Berlin, 8. November 2010) Mit dem Bau eines 3.000 Quadratmeter großen Terminals im Güterverkehrszentrum (GVZ) Berlin-Süd in Großbeeren erweitert DB Schenker Logistics das Angebot

Castorzug: Neutronenmessung ergibt 480-fach erhöhte Strahlung ...
eace warnt die Polizei vor verharmlosenden Behördeninformationen Greenpeace-Experten messen seit 10.23 Uhr am Verladebahnhof in Dannenberg die Neutronen- und Gammastrahlung am Castortransport. Die Messungen nach den ersten drei Behältern zeigen, dass die Dosisleistung auch bei diesem Transport

Massiver Betrug in Tunfisch-Industrie aufgedeckt ...
telmeerfischerei auf Blauflossentunfisch ist außer Kontrolle Hamburg - Eine unabhängige Untersuchung hat einen komplexen internationalen Schwarzhandel für Blauflossentunfisch (auch Roter Tunfisch) im Wert von 4 Milliarden US-Dollar aufgedeckt. Ein internationales Netzwerk investigativer Journa


 

Werbung



Sponsoren

foodir.org The food directory für Deutschland
News zu Snacks finden Sie auf Snackeo.
Informationen für Feinsnacker finden Sie hier.

Firmenverzeichniss

Firmen die firmenpresse für ihre Pressearbeit erfolgreich nutzen
1 2 3 4 5 6 7 8 9 A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z