Die wirtschaftliche Lage in der Bundesrepublik Deutschland im November 2010 [1]
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Die wirtschaftliche Lage in der Bundesrepublik Deutschland im November 2010 [1]
Die Stimmung in der Wirtschaft ist weiterhin zuversichtlich. Sie zeigt aber auch eine höhere Sensibilisierung für die diversen wirtschaftlichen Risiken, die überwiegend außerhalb der deutschen Volkswirtschaft zu lokalisieren sind. Insgesamt wird die deutsche Wirtschaftsleistung im Jahr 2010 kräftig zulegen und bereits den größeren Teil der krisenbedingten Wachstumseinbußen aufholen. In ihrer Herbstprojektion vom 21. Oktober rechnet die Bundesregierung für das Jahr 2010 mit einem Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von preisbereinigt 3,4 % und von 1,8 % für das kommende Jahr.
Das Produzierende Gewerbe schwenkte nach der kräftigen Erholung in der ersten Jahreshälfte erwartungsgemäß auf einen etwas moderateren Entwicklungspfad ein. Die treibende konjunkturelle Kraft blieb die Industrie. Ihre Erzeugung fiel zwar im September um preis- und saisonbereinigt [4] 0,9 % zurück, steigerte sich aber im dritten Quartal insgesamt um 1,8 %. Die Aussichten für die Produktion bleiben positiv. Hierauf deuten neben der weiterhin soliden Auftragslage auch das zuversichtliche Geschäftsklima der Unternehmen hin. Bei starken Schwankungen von Großaufträgen konnte die Industrie trotz Rückgang im September um 4,0 % im dritten Quartal insgesamt 1,7 % mehr Auftragseingänge verbuchen. Dabei kamen die Nachfrageimpulse aus dem Ausland. Sowohl die vom ifo-Institut befragten Unternehmen als auch die von Markit befragten Einkaufsmanager waren im Oktober hinsichtlich der wirtschaftlichen Perspektiven optimistischer. Es spricht daher viel dafür, dass die Entwicklung in der Industrie auch in den kommenden Monaten eine wichtige Stütze der konjunkturellen Entwicklung bleiben wird.
Im Bauhauptgewerbe erhöhte sich die Produktion im September leicht um saisonbereinigt 0,4 %. Nach der Frühjahrsbelebung setzte sich damit die Seitwärtstendenz fort, mit der das erhöhte Niveau des Frühjahrs gehalten wurde. Hinsichtlich der Auftragslage ist in den kommenden Monaten mit einer verhaltenen Belebung der wirtschaftlichen Aktivität zu rechnen. Der gewerbliche Hochbau erhält derzeit spürbare Impulse aus der wieder lebhafteren Investitionstätigkeit der Wirtschaft. Der Wohnungsbau dürfte weiterhin von den niedrigen Hypothekenzinsen profitieren. Auch die deutlich angehobenen Geschäftserwartungen sprechen dafür, dass die Bauproduktion weiter moderat zum gesamtwirtschaftlichen Wachstum beitragen wird.
Die privaten Haushalte haben ihre Konsumausgaben weiter erhöht. Nach spürbarer Belebung im zweiten Quartal trugen die Konsumenten so auch im dritten Quartal zum gesamtwirtschaftlichen Wachstum bei. Die Umsätze im Einzelhandel - ohne Handel mit Kfz - nahmen im dritten Quartal um 0,3 % zu. Zudem war bei den Neuzulassungen von privaten Kraftfahrzeugen zuletzt eine Belebung sowie eine Tendenz zu höherwertigen und damit umsatzträchtigeren Kraftfahrzeugen zu verzeichnen. Der Beschäftigungsaufbau, das ruhige Preisklima sowie die umfangreichen fiskalischen Entlastungen für die privaten Haushalte liefern Rahmenbedingungen, die für eine weitere Belebung der privaten Konsumausgaben sprechen.
Vom Außenhandel kamen im dritten Quartal ebenfalls positive Impulse zum Wirtschaftswachstum. Im September stiegen die Warenausfuhren in jeweiligen Preisen um 3,0 % und blieben damit auch im Quartalsvergleich mit +4,3 % aufwärts gerichtet. Der starke Aufwärtstrend des ersten Halbjahres schwächte sich aber erwartungsgemäß ab. Die Dynamik der Einfuhren ließ ebenfalls merklich nach. Die ausländische Nachfrage nach Industriegütern ist aber rege und die einschlägigen Stimmungsindikatoren von Markit und ifo zeigten sich zuletzt verbessert. Somit sind die Chancen für weitere Impulse aus dem Außenhandel - trotz des wieder stärkeren Euros - weiterhin recht günstig.
Der konjunkturelle Aufschwung schlägt sich positiv in den Entwicklungen am Arbeitsmarkt nieder. Die Arbeitslosigkeit unterschritt mit 2,945 Millionen erstmals wieder seit Herbst 2008 die Drei-Millionen-Grenze und erreichte den tiefsten Stand seit Oktober 1992. Die Erwerbstätigkeit nahm saisonbereinigt im September um 35.000 Personen zu und erklimmt monatlich neue Höchststände. Die Indikatoren signalisieren eine stabile Nachfrage nach Arbeitskräften auf hohem Niveau, so dass sowohl ein Beschäftigungsstand von 41 Mio. Erwerbstätigen als auch eine durchschnittliche Arbeitslosenzahl unter 3 Mio. für das kommende Jahr in greifbare Nähe rücken.
Das Preisklima auf der Verbraucherstufe ist weiterhin recht ruhig. Auf den vorgelagerten Preisstufen, den Einfuhrpreisen und den Erzeugerpreisen, kam es aufgrund der Entwicklung bei einigen Rohstoffen zu stärker ausgeprägten Preissteigerungen. Auf der Verbraucherstufe schlug dies bislang aber nur begrenzt durch. Die Verbraucherpreise glichen von September auf Oktober ihren Rückgang im Vormonat aus und erhöhten sich geringfügig um 0,1 %. Binnen Jahresfrist erhöhten sie sich wie im Vormonat um 1,3 %. Die Kerninflationsrate verblieb im Oktober bei 0,7 %.
Hinweis:
Eine ausführliche Darstellung und Kommentierung der wirtschaftlichen Lage und Entwicklung wird in der Dezember-Ausgabe des Monatsberichts "Schlaglichter der Wirtschaftspolitik" veröffentlicht. Die aktuelle Ausgabe wird in der 47. Kalenderwoche auf der Internetseite des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie zu finden sein.
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Datum: 16.11.2010 - 16:45 Uhr
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