Eine Roadmap für den Umbau der deutschen Stromnetze
ID: 304809
Auf einer gemeinsamen Informationsveranstaltung der Deutschen Komitees CIGRE (Deutsches Komitee der Internationalen Hochspannungskonferenz beim VDE) und CIRED (Deutsches Komitee der Internationalen Konferenz über elektrische Verteilnetze, das bei der Energietechnischen Gesellschaft im VDE angesiedelt ist) diskutierten zum Thema „Smart Grids: Hype oder Vision?“ namhafte Experten in Mannheim über die jüngsten Entwicklungen künftiger Stromnetze.
Verteilungsnetze, die mit Automatisierungs- und Kommunikationstechnik intelligent werden sollen, waren daher ein Kernthema der Tagung.
Die Aufrüstung der herkömmlichen Netze zum Smart Grid erfolgt im Wesentlichen durch Einbau und Nutzung von Sensoren und Aktoren sowie Informationstechnologie, um möglichst viele Daten über den jeweiligen Zustand zu erhalten. Um zu einem smarten Verteilungsnetz zu kommen, werden die Ortsnetzstationen im ersten Schritt mit Mess- und Kommunikationseinrichtungen ausgerüstet. Darüber hinaus werden die Endkunden über neuartige Zähler (Smart Meter) eingebunden. „Hier können neue Geschäftsmodelle zu einer höheren Energieeffizienz führen“, betont Wolfgang Glaunsinger, Geschäftsführer der Energietechnischen Gesellschaft im VDE.
Ein weiteres Schwerpunktthema war eine umfangreiche Netzstudie. Stephan Kohler, Leiter der Deutschen Energieagentur (dena), stellte anlässlich der Tagung die Ergebnisse der zweiten Netzstudie vor, die insbesondere die Auswirkungen durch den Ausbau der erneuerbaren Energien auf die Netze untersucht hat. Die aktuelle dena-II-Studie wurde intensiv von Mitgliedern des VDE unterstützt, der bereits verschiedene Studien und Positionspapiere zu diesem Thema erstellt hat. Resümee der bisherigen Untersuchungen: Die Stromnetze in Deutschland müssen zur Bewältigung der anstehenden Aufgaben deutlich ausgebaut werden. „Bei Verwendung etablierter 380-kV-Freileitungstechnik müssen 3.600 km Höchstspannungstrassen bis zum Jahr 2020 gebaut werde“, so Kohler. Einschließlich des notwendigen Anschlusses der Offshore-Windparks werden die Kosten hierfür auf 9.7 Milliarden Euro veranschlagt. „Wir müssen schnell eine robuste Vision zukünftiger Energienetze entwickeln, die die integrative Versorgung mit Strom, Wärme und Kälte sowie Mobilität berücksichtigt und gleichzeitig alle Arten von Kunden und Erzeugungseinheiten gleichermaßen einschließt“, betont VDE-Experte Prof. Dr.-Ing. Armin Schnettler, Leiter des Instituts für Hochspannungstechnik (IFHT) an der RWTH Aachen, der die dena-II-Studie als externer Gutachter geprüft hat.
Es zeigt sich, dass für viele Übertragungsaufgaben ein klassisches 380kV-Freileitungsnetz, das sowohl durch den Neubau von Leitungen als auch durch die Verstärkung von bestehenden Leitungstrassen ertüchtigt wird, die technisch und wirtschaftlich beste Lösung darstellt. Diese muss aber zunehmend durch heute noch nichtkonventionelle Technologien unterstützt werden, wozu insbesondere Flexibilisierungsmaßnahmen, wie zum Beispiel Freileitungsmonitoring und Hochtemperaturleiterseile, und der Einsatz von Hochspannungsgleichstromübertragung (HGÜ - Freileitungen und Kabel vor allem zum Anschluss von Offshore-Windparks) gehören. Problematisch bei der Umsetzung der Maßnahmen ist insbesondere die Einbindung der Öffentlichkeit, die zwar insgesamt einen Ausbau der erneuerbaren Energien befürwortet, aber derzeit nicht bereit ist, auch den notwendigen Ausbau der Stromnetze vor allem über Freileitungstrassen zu akzeptieren. „Hier müssen wir zum einen alle vielversprechenden neuen Technologien für einen schnellen Einsatz qualifizieren und zum anderen die Öffentlichkeit stärker in die technischen Optionen mit den entsprechenden Vor- und Nachteilen einbinden“, so Schnettler.
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Redaktionsbüro für Wissenschaft
Datum: 27.11.2010 - 16:01 Uhr
Sprache: Deutsch
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Kontakt-Informationen:
Ansprechpartner: Dr. Rolf Froböse
Stadt:
83512 Wasserburg
Telefon: 08071-2600
Kategorie:
Forschung
Meldungsart: Erfolgsprojekt
Versandart: Veröffentlichung
Freigabedatum: 27.11.2010
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