300 Professoren fordern Ausstieg aus Massentierhaltung
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300 Professoren fordern Ausstieg aus Massentierhaltung
"Wir wollen mit diesem Appell demonstrieren, dass es sich bei der Debatte um Massentierhaltung längst nicht mehr nur um ein Randthema von Tierschützerinnen und Veganern handelt", so Friederike Schmitz, wissenschaftliche Mitarbeiterin am philosophischen Seminar der Universität Heidelberg, eine der Initiatorinnen der Aktion. "Immer mehr Menschen aus allen Bereichen der Gesellschaft wollen sich nicht länger mit den Zuständen in der industriellen Tierhaltung abfinden. Unsere Aktion stellt dies insbesondere für die deutsche Wissenschaft unter Beweis." Neben den Professoren haben auf der Internetseite www.gegen-massentierhaltung.dezahlreiche weitere Unterstützer den Appell unterzeichnet. Insgesamt sind es inzwischen über 8000 Unterzeichner und die Initiatoren sind optimistisch, dass es noch mehr werden.
Mobilisierend wirken werde dabei auch eine zentrale Demonstration gegen Massentierhaltung am 22. Januar in Berlin, die unter dem Motto "Wir haben es satt!" stattfindet. "Wir wollen Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner die gesammelten Appell-Unterschriften möglichst bald nach der Demonstration übergeben. Bis dahin rufen wir weiter zur Unterzeichnung auf", so Schmitz.
Umwelt- und Tierschutzverbände unterstützen den Appell. Professor Hubert Weiger, Vorsitzender des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND): "Im industriellen Maßstab ist Tierhaltung nur möglich, wenn Umwelt- und Tierschutz in den Verordnungen für die Haltung der Tiere ausgeblendet werden. Viel zu viele Tiere werden auf geringstem Raum in immer größeren Ställen zusammengepfercht und bezahlen mit ihrem Leid für das Profitstreben der Fleischkonzerne und das Versagen der Politik. Experten haben hinsichtlich Umwelt- und Tierschutz über Hundert mögliche Verfahren zur Tierhaltung bewertet. In der Praxis der Fleischerzeugung sind aber ausgerechnet die Stallformen mit den schlechtesten Noten im Tier- und Umweltschutz wie beispielsweise die Mast auf Betonböden ohne frisches Stroh und ohne Auslauf am weitesten verbreitet. Billigfleisch kommt immer durch Preisdumping zustande. So trägt die Umweltkosten für die anhaltend hohen Nitratbelastungen durch Gülle in Gewässern nicht die Agrarindustrie sondern die Allgemeinheit. Die Bundesregierung muss endlich dafür sorgen, dass die Verbraucher Fleisch und Fleischerzeugnisse aus der Massentierhaltung genauso leicht erkennen können wie heute schon die Eier aus der Käfighaltung."
Professor Sievert Lorenzen, Zoologe in Kiel und Vorsitzender von PROVIEH e.V.: "Zu einer tiergerechten Nutztierhaltung gehört auch eine artgemäße Fütterung. Der aktuelle Dioxin-Skandal zeigt, wie teuer uns scheinbar billige Tierprodukte zu stehen kommen. Außerdem ist damit zu rechnen, dass wegen der Dioxinbelastung im Futter tausende Tiere sinnlos vernichtet werden. Das ist ebenso erschütternd wie qualvolle Haltungsbedingungen oder Gefahren durch Antibiotika-resistente Krankheitserreger. Es ist höchste Zeit für ein Umdenken in der Agrarpolitik."
Professor Björn Frank, Volkswirtschaftler an der Universität Kassel, kritisiert, dass man als Steuerzahler gezwungen sei, subventionierte Billigschnitzel mitzufinanzieren. Tierethikexpertin Professor Ursula Wolf von der Universität Mannheim mahnt, der derzeit sehr hohe Fleischkonsum in Deutschland könne nur durch eine tierquälerische, industrielle Produktion gesichert werden. Für diese Praxis und das mit ihr verbundene Leiden der Tiere gebe es keine Rechtfertigung.
Weitere Informationen zur Berliner Demonstration am 22. Januar finden Sie im Internet unter: http://www.wir-haben-es-satt.de/
Den Appell gegen Massentierhaltung finden Sie unter: http://www.gegen-massentierhaltung.de/
Pressekontakt: Friederike Schmitz, Mitinitiatorin des Appells, Tel. 0179-1268650; Reinhild Benning, BUND-Agrarexpertin, Tel. 030-27586-481 bzw. Rüdiger Rosenthal, BUND-Pressesprecher, Tel. 030-27586-425/-489, Mobil: 0171-8311051, E-Mail: presse@bund.net, www.bund.net
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Datum: 11.01.2011 - 15:45 Uhr
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