AkdÄ: Unabhängige Arzneimittelstudien öffentlich fördern / 100 Jahre Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft - Experten tagen in Berlin
ID: 343286
um den Nutzen von neuen Arzneimitteln für die Patienten besser
ermitteln zu können. Die öffentliche Hand muss verstärkt Gelder für
solche nichtkommerziellen Studien zur Verfügung stellen und unnötige
Bürokratie abbauen." Das forderte der Vorsitzende der
Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ), Prof. Dr.
Wolf-Dieter Ludwig, bei einem Symposium der AkdÄ im Rahmen des 35.
Interdisziplinären Forums der Bundesärztekammer in Berlin.
Der Berliner Onkologe verwies auf die Neuregelungen des jüngsten
Arzneimittelgesetzes (AMNOG) der Bundesregierung. Das Gesetz sieht
vor, dass Hersteller für alle Arzneimittel mit neuen Wirkstoffen,
sofort bei der Markteinführung Nachweise über den Zusatznutzen für
die Patienten vorlegen. Der Gemeinsame Bundesausschuss entscheidet,
ob ein neues Arzneimittel einen Zusatznutzen hat und unter welchen
Voraussetzungen es verordnet werden darf. Krankenkassen und
Hersteller können dann einen am Zusatznutzen orientierten Preis
festsetzen. "Diese Maßnahmen sind dringend erforderlich, da in
Deutschland bis heute die Preise für patentgeschützte Arzneimittel
frei festgelegt werden können. Wir sollten uns aber nicht allein
darauf verlassen, was die Hersteller an Ergebnissen für die
Frühbewertung liefern." Häufig publizierten die Unternehmen negative
Ergebnisse zur Wirksamkeit und zu unerwünschten Arzneimittelwirkungen
nicht oder erst sehr verzögert nach der Zulassung. "Nach der jetzigen
Regelung wird der Nutzen der meisten neuen Arzneimitteln,
insbesondere neuer Krebsmedikamente, weiterhin unklar bleiben",
warnte Ludwig. Der Gemeinsame Bundesausschuss sollte deshalb die
Möglichkeit erhalten, weitere unabhängige klinische Studien zu
fordern, um in einem überschaubaren Zeitrahmen von zwei bis drei
Jahren nach der Zulassung eine fundierte Bewertung abgeben zu können.
Nach Ansicht des Leiters des Institutes für Qualität und
Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWIG), Prof. Dr. Jürgen
Windeler, sind industriefinanzierte Studien methodisch nicht
unbedingt schlechter als andere. Unabhängig finanzierte Studien seien
aber nötig, um Fragen zu bearbeiten, die in Herstellerarbeiten nicht
thematisiert würden.
AkdÄ: Seit 100 Jahren im Dienste einer rationalen
Arzneimitteltherapie
Mit dem Symposium der AkdÄ in Berlin wurde zugleich das 100jährige
Jubiläum der Kommission begangen. Der langjährige ehemalige
Vorsitzende der AkdÄ, Prof. Dr. Bruno Müller-Oerlinghausen, sagte,
die Geschichte der 1911 als Ausschuss des Kongresses der Deutschen
Gesellschaft für Innere Medizin gegründeten Kommission sei eng
verbunden mit den Menschen, die viel ehrenamtliches Engagement
investiert hätten. "Heute ist die AkdÄ ein konstanter Faktor in der
sich schnell ändernden gesundheitspolitischen Landschaft", sagte
Müller-Oerlinghausen. Viele Themen, mit denen sich die Gründungsväter
der Kommission beschäftigen mussten, seien auch heute noch relevant.
So wies Kommissionschef Ludwig darauf hin, dass einer rationalen
Arzneimitteltherapie auch 100 Jahre Gründung der AkdÄ eine vorwiegend
von Marketinginteressen geleitete Vorgehensweise der pharmazeutischen
Unternehmen entgegensteht. Mit Hilfe systematischer Fehler bei den
von den Herstellern finanzierten klinischen Studien zu neuen
Arzneimitteln, interessengeleiteter wissenschaftlicher Artikel und
einer zunehmenden Zahl kostenloser an Ärzte verschickter
Zeitschriften mit tendenziöser Interpretation klinischer
Studienergebnisse werde versucht, das Verschreibungsverhalten der
Ärzte zu beeinflussen.
Die AkdÄ setze diesen Marketingstrategien neutrale und überprüfte
Informationen über Arzneimittel entgegen. Beispielhaft verwies Ludwig
auf die von der Kommission herausgegebene Zeitschrift
"Arzneiverordnung in der Praxis". Sie biete Artikel zu aktuellen
Fragen der Pharmakotherapie. Die Informationsblätter "Wirkstoff
aktuell" würden auf Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse den
Stellenwert vorrangig neuer oder bereits eingeführter häufig
verordneter Wirkstoffe in einer bestimmten Indikation einordnen.
Ein Video-Clip zum Symposium der Arzneimittelkommission kann ab
Dienstag, 8. Februar, auf dem Youtube-Kanal der Bundesärztekammer
unter http://youtube.com/BAEKclips oder unter
www.bundesaerztekammer.de abgerufen werden.
Pressekontakt:
Pressestelle der deutschen Ärzteschaft
Herbert-Lewin-Platz 1
10623 Berlin
Tel.: 030 / 4004 56 700
Fax: 030 / 4004 56 707
Themen in dieser Pressemitteilung:
Unternehmensinformation / Kurzprofil:
Bereitgestellt von Benutzer: ots
Datum: 07.02.2011 - 11:39 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 343286
Anzahl Zeichen: 5022
Kontakt-Informationen:
Stadt:
Berlin
Kategorie:
Politik & Gesellschaft
Diese Pressemitteilung wurde bisher 292 mal aufgerufen.
Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"AkdÄ: Unabhängige Arzneimittelstudien öffentlich fördern / 100 Jahre Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft - Experten tagen in Berlin"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von
Bundesärztekammer (Nachricht senden)
Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).
Zu den Schilderungen von Medizinstudentinnen über Grenzverletzungen und Übergriffe von Teilnehmenden des 130. Deutschen Ärztetages erklären Bundesärztekammer und alle Landesärztekammern: "Die Schilderungen von Medizinstudentinnen über Grenzverletzungen und Übergriffe durch Teilnehmende
Sicher online: Ärztetag drängt auf besseren Schutz von Kindern und Jugendlichen ...
Der 130. Deutsche Ärztetag spricht sich angesichts zunehmender Risiken durch soziale Medien für eine deutlich strengere Regulierung digitaler Plattformen zum Schutz von Minderjährigen aus. Die Ärzteschaft fordert ein Verbot der Nutzung sozialer Medien für Kinder und Jugendliche bis zum Alter vo
130. Deutscher Ärztetag / Suchtmedizin stärken, Stigmatisierung abbauen ...
Der 130. Deutsche Ärztetag hat heute in Hannover eine konsequent wissenschaftsbasierte Weiterentwicklung der Suchtmedizin und Suchtpolitik in Deutschland gefordert. Die Abgeordneten des Ärztetages sprachen sich für mehr Prävention, eine nachhaltige Stärkung der Suchthilfe und suchtmedizinischer
Weitere Mitteilungen von Bundesärztekammer
Der eigene Wille zählt: ...
sup.- "Die Ärzte machen dann doch sowieso, was sie wollen." Diesen Verdacht hegen immer noch viele Menschen, wenn sie sich eine Situation als hilfloser Patient vorstellen, der nicht mehr zu eigenen Entscheidungen fähig ist. Möglicherweise ist dies auch der Grund für die bisher geringe
Stellenanzeigen als Haftungsfallen für Arbeitgeber-Arbeitsrecht Dresden- Rechtsanwalt Dresden. ...
Rechtsgrundsatz Arbeitsrecht Dresden Wird in einer Stellenanzeige nur ein "junger" Mitarbeiter gesucht, so besteht die Vermutung für eine Diskriminierung älterer Bewerber (BAG vom 19.08.2010,8 AZR 530/09). Sachverhalt Arbeitsrecht Dresden Arbeitgeber sucht in Fachzeitschrift "
Haftung bei PKW-Schaden in Waschanlage - Verkehrsrecht Dresden - Rechtsanwalt Dre¬sden. ...
Rechtsgrundsatz Verkehrsrecht Dresden Wenn der Fahrer sein Fahrzeug auf die Führungsschiene der Waschanlage setzt, besteht keine Schadensersatzpflicht des Betreibers für Schäden am PKW (LG Krefeld, Urteil vom 30.07.2010, Az. 1 S 23/10). Sachverhalt Verkehrsrecht Dresden PKW-Fahrer fährt im
Stuttgarter Zeitung: Der frühere Vorsitzende der Linkspartei, Oskar Lafontaine, mischt sich wieder ein: "Die Agenda 2010 hat die Familie zerstört" ...
Mit scharfen Attacken auf die SPD meldet sich der frühere Chef der Linkspartei, Oskar Lafontaine, neun Monate nach seinem Abgang in der Bundespolitik zurück. "Bei den entscheidenden Themen wie Afghanistan hat die SPD ihre Position überhaupt nicht korrigiert", sagte er im Interview d




