"Klassendepp, Heulsuse, Schleimscheißer": Die fatale"Karriere"von Mobbing-Opfern
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Volkswirtschaftliche Milliardenschäden durch Mobbing
So weit kommt es sicher nur in Ausnahmefällen. "Trotzdem müssen wir das Phänomen Mobbing ernst nehmen", sagt der Personalberater Michael Zondler, Geschäftsführer des Sindelfinger Unternehmens Centomo http://www.centomo.de. "Bei manchen Menschen zieht sich Mobbing wie ein roter Faden durch den Lebenslauf. Im Magazin Neon ist vor einigen Jahren dazu mal ein interessanter Artikel erschienen. Wer als Außenseiter in der Schule startet, hat manchmal auch mit ähnlichen Problemen im Berufsleben zu kämpfen. In der Schule ist man "der Klassendepp, die Heulsuse, der Schleimscheißer". Im Job gibt es dann vielleicht feinere Bezeichnungen. Doch das Stigma des Außenseiters bleibt einem dennoch auf die Stirn geschrieben. Abgesehen davon, dass Mobbing für die Betroffenen oft sehr negative gesundheitliche, berufliche und seelische Konsequenzen hat, darf der Schaden für die Unternehmen auch nicht außer Acht gelassen werden. Es ist daher die Aufgabe einer Führungskraft, Mobbing im eigenen Unternehmen zu bekämpfen. Denn allein der durch Mobbing verursachte volkswirtschaftliche Schaden wird auf jährlich 15 bis 25 Milliarden Euro geschätzt. Die Frankfurter Fairness-Stiftung geht sogar von 40 Milliarden Euro aus."
Inzwischen werden oft gängige soziale Netzwerke im Internet als Plattform genutzt, um andere Menschen zu beleidigen. Das so genannte Cyber-Mobbing findet nach einem Bericht des Weser-Kuriers http://www.weser-kurier.de also nicht nur auf offensichtlich jugendgefährdenden oder sonstwie kriminellen Seiten statt, sondern auch bei Facebook, Youtube, Habbo Hotel, Knuddels und SchuelerVZ bzw. StudiVZ. "Ein Viertel der Jugendlichen werden dabei von "Freunden" angegriffen", sagt der Medienpädagoge Markus Gerstmann vom Bremer "Servicebureau Jugendinformation". Die Hemmschwelle scheine viel geringer zu sein, Beleidigungen im Netz auszusprechen, da die meisten Mobber anonym bleiben oder sich hinter Decknamen verschanzen.
"Leider kann man noch nicht sagen: Problem erkannt, Gefahr gebannt. Dass in puncto Mobbing aber Handlungsbedarf bei Unternehmen besteht, geht schon aus der Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichts hervor. Der Arbeitgeber ist nämlich im Rahmen seiner Fürsorgepflicht gehalten, auf das Wohl und die berechtigten Interessen des Arbeitnehmers Rücksicht zu nehmen", sagt Personalexperte Zondler. Nach einer Umfrage des Online-Karriereportals Monster http://www.monster.de vom Februar 2011 unter Nutzern der Plattform in Deutschland, Österreich und der Schweiz sagen sogar 75 Prozent der Beschäftigten, sie seien schon einmal am Arbeitsplatz gemobbt worden.
"Bei solchen Zahlen ist Skepsis angesagt. So schlimm ist der betriebliche Alltag dann doch nicht. Man muss zwischen Mobbing und ganz alltäglichen Konflikten unterscheiden. Wenn mir der Chef keine Gehaltserhöhung gewährt, muss er mich nicht gleich mobben", so der Centomo-Geschäftsführer. Zu den typischen Mobbinghandlungen gehören laut Personal-Wirtschaft http://www.personal-wirtschaft.de das Verbreiten von Gerüchten, eine grundsätzlich schlechte Bewertung der Arbeitsleistung, das Auferlegen von sinnlosen Aufgaben sowie ständige Sticheleien und Kritik. Laut einer Befragung der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin erkranken rund 20 Prozent der Betroffenen für mehr als sechs Wochen.
Nicht alle, die in der Schulzeit als Außenseiter galten, müssen später zu Mobbing-Opfern werden. Oft seien Betroffene vor dem Mobbing eigentlich angesehene, gut integrierte Mitarbeiter, sagt Lothar Drat vom Verein gegen psychosozialen Stress und Mobbing (VPSM) in Wiesbaden. Diejenigen, die dann wie das Kaninchen auf die Schlange starren und an nichts anderes mehr denken können, haben oft schlechte Chancen, aus der verfahrenen Situation herauszukommen. Dann hilft manchmal nur ein externer Berater oder die Erkenntnis, dass das Leben im Sinne einer ausgewogenen Work-Life-Balance nicht nur im Büro stattfindet. "Diejenigen, die sich auch außerhalb der Arbeit im Freundeskreis oder in Vereinen engagieren oder die eigenen Hobbies und Steckenpferde pflegen erweisen sich in solchen Situationen oft robuster als diejenigen, die ihr Leben neben der Arbeit dauerhaft vernachlässigen", so Zondler.
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Datum: 22.06.2011 - 11:01 Uhr
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