Transparentes österreichisches Preismodell auf Deutschland übertragen
ID: 54004
Preistreiberei der Mobilfunker beeinträchtigt deutschen Mehrwertdienste-Markt: Aufschläge liegen teilweise bei 1.000 bis 2.000 Prozent
von Gunnar Sohn
Auch wenn immer neue Geschäftsmodelle auf den Markt drängen, sehen Experten die Mehrwertdienste differenziert: Als einen „Markt im Umbruch“ bezeichnet Renatus Zilles, Vorsitzender der Geschäftsführung des Bonner Mehrwertdiensteanbieters NEXT ID http://www.next-id.de die derzeitige Situation. Bestehende Geschäftsmodelle müssten in die All-IP-Welt überführt und die Voraussetzungen geschaffen werden, um innovative Dienste zu entwickeln. Mit der Konvergenz von Telekommunikation und Medien sowie dem Zusammenwachsen von Festnetz, Internet und Mobilfunk verschwinden bisherige Marktgrenzen.
Natürlich werde das Geld künftig stärker im mobilen Internet verdient. „Aber im Interesse der Verbraucher benötigen wir bereits jetzt transparente und niedrigere Endkundenpreise in klassischen Mehrwertdienstebereichen – z.B. für Anrufe aus den Mobilfunknetzen zu Mehrwertdiensten“, fordert Zilles. In der freien Preisgestaltung der Mobilfunker für diese Mehrwertdienste-Angebote, für die sie lediglich den Zugang ermöglichen, sieht er eine Ungleichbehandlung. In Einzelfällen komme es zu Auswüchsen mit Preisaufschlägen von 1.000 bis 2.000 Prozent. „Die Kosten für Gespräche zu Auskunfts- und Mehrwertdiensten aus dem Mobilfunk müssten sich denen aus dem Festnetz angleichen. Und da sei die Regulierung und die Politik gefragt. Zilles setzt auf das in Österreich praktizierte, transparente Preismodell. „In Österreich verbleiben vom Endkundentarif 15 bis 18 Prozent beim Mobilfunkbetreiber. Für die gleiche Leistung beanspruchen die Mobilfunkbetreiber in Deutschland bis zu 52 Prozent“, erläutert er die Diskrepanz. Von der Bundesnetzagentur erwartet er daher statt der Regulierung von Inhalten und Geschäftsmodellen eine stärkere Regulierung dieses Marktsegments und verlässliche Rahmenbedingungen, um Wachstumschancen nutzen zu können und die Preistreiberei der Mobilfunker zu beseitigen. Der Status quo bewirke nicht nur eine Schädigung des „klassischen“ Mehrwertdienste-Marktes, sondern habe nachhaltig negative Auswirkungen auf das konvergente Business und das Werbegeschäft der Medienkonzerne. Das Vertrauen in Vergütungssysteme im Mobilfunk werde allgemein langfristig geschädigt und dies könnte sich auch auf Bezahldienste des mobilen Internets ungünstig auswirken.
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Datum: 18.07.2008 - 10:42 Uhr
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