Pavel Vitalis: Wille und Trieb - Wille und Gott - Macht und Empfindung
Die treibende Kraft des Triebes, die durch die Versprechung der Macht, sich des Willens bemächtigt, hat sich in der Postmoderne komfortabel eingerichtet. Kein Wunder, dass Nietzsches Lobgesang auf den Willen der Macht vielen der Gierigen wie ein „Parteiprogramm“ der Postmoderne vorkommt.
Die katholische Kirche (Ost und West) ging den Weg der Opposition zum Trieb. Der „verteufelte“ Trieb wurde aus den Kirchen getrieben, so dass er sich dann umso stärker und schleichend viele Priesterseelen holen konnte (nicht nur jene Priester, die als Kinderschänder überführt werden konnten, wurden vom „Teufel geholt“!)
Der frontale Angriff auf die Triebe beruht auf der alten griechischen Tradition des Entweder-Oder. (Th. W. Adorno hat im Rahmen seines Intellektualismus-Konzeptes diese Gefahr richtig gesehen.) Die heutige griechische Unkultur ist eine Parodie des alten Dualismus.
Der Wille Gottes hat sein Medium in der menschlichen Empfindungsfähigkeit. Sie sorgt dafür, dass die Menschen heute in individueller Weise, ohne kollektive Zwänge, dem Willen Gottes folgen können.
Damit ist die kirchliche Botschaft in Bezug auf die Mahnungen wegen des Triebes missverständlich. Auf die Triebe können die Menschen nicht verzichten. Sie müssen sich jedoch nicht von ihnen treiben lassen. Die Empfindungsfähigkeit mit der Botschaft von Gottes Wille muss die Triebkräfte durchdringen, sie schulen und verwandeln. Unterdrücken (verdrängen, vernichten) oder verwandeln, das ist die Frage! Den Platz der alten Unterdrückungsstrategie muss bereits heute die Verwandlung der Triebe übernehmen.
Die durch die Empfindung gesteuerten Triebkräfte verfallen weder der Macht noch dessen dualistische Opposition der Ohnmacht. Wir sollten Jesus Christus nicht imitieren(!), sondern nachahmen. Nachzuahmen wäre die Kraft ohne den Verfall in die Macht.
Über die postmodernen Irrtümer in Bezug auf die Religion lesen Sie bitte vom selben Autor auch: „Peter Sloterdijks religiöse Verstellungen aus der Sicht des Urchristentums“, Norderstedt, 2008 und von Pal Dragos: „Vom Urchristentum zur Krise des Subjekts“, Norderstedt, 2008.
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Datum: 20.12.2011 - 08:35 Uhr
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