Neue OZ: Kommentar zu Bologna-Prozess
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Dass die Umstellung auf die neuen Studienabschlüsse Bachelor und
Master nahezu abgeschlossen ist, heißt noch lange nicht, dass der
Bologna-Prozess in Deutschland erfolgreich umgesetzt wurde. Quantität
ist eben nicht gleich Qualität. Zwar feiert Bildungsministerin
Annette Schavan zu Recht einige Erfolge, verkennt zugleich aber die
Schattenseiten dieser großen europäischen Hochschulreform.
So ist in der Tat zu begrüßen, dass immer mehr junge Menschen
einen Teil ihres Studiums im Ausland verbringen. Auch der leichtere
Zugang zum Studium ohne Abitur ist positiv, und nicht zuletzt
sprechen die guten Arbeitsmarktchancen der Absolventen für einen
Erfolg Bolognas.
All dem steht allerdings eine leidige Wirklichkeit aufseiten der
Studenten entgegen: Der Druck auf sie ist gewachsen, ihre
Arbeitsbelastung ist unangemessen hoch. Das Empfinden von Angst und
Stress hat zugenommen, der Bedarf an psychologischer Beratung ist
gestiegen. Das straff organisierte Bachelor-Studium verhindert die
wertvollen charakterbildenden Lebens- und Berufserfahrungen, die
Diplom- und Magisterstudenten einst parallel zum Studium machen
konnten. Hinzu kommt: Viele Arbeitgeber bevorzugen nach wie vor
ältere Absolventen mit ausgereifter Persönlichkeit.
Die berechtigten Bologna-Ziele sollte das nicht in Abrede stellen.
Das Wohl der Studierenden aber darf auf dem Weg dorthin nicht auf der
Strecke bleiben.
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Datum: 01.02.2012 - 22:00 Uhr
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