Neues Deutschland: Scheinheilige Empörung zu Syrien
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US-Außenministerin Clinton, ihr deutscher Kollege Westerwelle, der
türkische Minister Davutoglu, - sie alle zeigen mit dem Finger auf
China und Russland, weil die beiden Vetomächte eine scharfe
Resolution des Sicherheitsrats der UNO zur Verurteilung Syriens
abgelehnt und somit verhindert haben. Für Sorge über das, was derzeit
in Syrien passiert, gibt es ja eigentlich Gründe genug. Das ist das
eine. Das andere ist, dass es Dinge gibt, die an der Aufrichtigkeit
der Argumente jener empörten Minister erheblich zweifeln lassen. Wer
soll Hillary Clinton glauben, dass sie angesichts der Opfer in Syrien
in Trauer und Wut zerfließt, wo sie sich doch gerade dafür
ausgesprochen hat, den Drohneneinsatz in Afghanistan auszuweiten, der
dort schon Hunderte zivile Opfer gefordert hat? Und wie
vertrauenswürdig ist Ankaras Empörung über »Assads Krieg gegen das
eigene Volk«, wo doch alle türkischen Regierungen seit Jahrzehnten
und gänzlich ohne deutschen oder US-Protest die »eigenen«
Kurdengebiete beinahe nach Belieben bombardieren? Mag sein, dass
Russen wie Chinesen für ihre Motive auch nicht der Friedensnobelpreis
gebührt. Aber warum sträubt sich der Westen eigentlich so gegen den
russischen Vorschlag, beide Konfliktparteien zu Verhandlungen
aufzufordern? Muss man nicht sogar misstrauisch sein, dass die
Initiatoren der Resolution planen, diese, wie im Falle Libyens, zu
einem Angriffskrieg zu missbrauchen?
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Datum: 05.02.2012 - 17:53 Uhr
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