Israel will von Deutschland finanzierte humanitäre Projekte im Westjordanland abreißen / "Verdrängung durch gezielte Rückentwicklung"
ID: 574695
Westjordanland humanitäre Projekte, die mit deutschen Mitteln
finanziert werden, im Wert von mehr als 200.000 Euro abreißen lassen.
Betroffen sind Windkraft- und Solaranlagen, welche die Frankfurter
Hilfs- und Menschenrechtsorganisation medico international in
Zusammenarbeit mit der israelischen Organisation Comet-ME in
palästinensischen Dörfern der Südhebronhügel errichtete. Finanziert
werden die Projekte aus Spendengeldern und mit finanzieller
Unterstützung des Deutschen Auswärtigen Amts.
Rund 1.500 Palästinenser sind von der dezentralen, regenerativen
Energieversorgung abhängig, da die israelische Administration ihnen
den Anschluss an die bestehenden Wasser- und Stromleitungen in den
sog. C-Gebieten, entgegen dem Humanitären Völkerrecht, verweigert.
"Die israelischen Behörden fördern dort zwar die jüdischen Siedlungen
mit großzügigen Subventionen, genehmigen Palästinensern aber nicht
den Bau von Kindergärten oder Gesundheitseinrichtungen", kritisiert
medico-Nahostreferent Tsafrir Cohen.
Cohen erläutert: "Der drohenden Abriss ist Ausdruck einer Politik
der gezielten Rückentwicklung. Die israelische Administration macht
der palästinensischen Bevölkerung das Leben in den C-Gebieten
unmöglich. Sie werden so in die dichtgedrängten städtischen Enklaven
Ramallah oder Hebron verdrängt." Aber ohne den ländlichen Raum der
C-Gebiete - immerhin 60 Prozent der Westbank - ist kein lebensfähiger
palästinensischer Staat möglich, da sind sich Bundesregierung, EU, UN
und Weltbank einig. Mit dieser Abrissprozedur erteile, so Cohen, die
israelische Politik einer Zweistaatenlösung faktisch eine Absage.
Hinweis:
Die Gerichtsverhandlung über die Abrissverfügungen wird am
20.2.2012 bei der israelischen Ziviladministration in Beit El nahe
Jerusalem stattfinden. Ein Besuch der bedrohten Projekte ist möglich.
Pressekontakt:
Für Nachfragen und Interviewwünsche wenden Sie sich bitte an:
- Tsafrir Cohen, medico-Nahostreferent: Tel. 069/94438-47, Mobil
0163/3904373 oder tc@medico.de
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Datum: 15.02.2012 - 11:17 Uhr
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