Neue OZ: Kommentar zu Literatur / Büchner
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Jedes seiner wenigen Werke war ein Paukenschlag, sein bestürzend
kurzes Leben eine einzige Entladung von Kreativität und Radikalität.
Mitten in das wabernde Biedermeier hinein warf Georg Büchner seine
Dramen wie Speere mit messerscharf geschliffenen Spitzen. Das Leben?
Kein Idyll, sondern eine Anhäufung von unausweichlichen
Verhängnissen, jedenfalls in der Sicht Büchners.
Dass Marburger Wissenschaftler nun im Werk des explosiven Genies
jedes Wort mehrmals umdrehen, darf nicht nur als Beweis trockenen
Philologenfleißes abgetan werden. Das Projekt erschließt den Reichtum
hinter den Schlagworten, auf die Büchner reduziert wird. Als
Literaturrevoluzzer erklärte er den Palästen den Krieg, versprach den
Hütten den Frieden. Als Autor verfuhr Büchner wohl nachdenklicher als
bisher angenommen. Wir entdecken Büchner als Autor von unverhoffter
Komplexität. Tradition muss immer wieder neu befragt werden, sonst
sinkt sie zur leeren Erinnerung herab. Das lehrt auch das
Büchner-Projekt. Dafür lassen die Experten sich Zeit, damit wir
begreifen, wie wenig Zeit Büchner hatte, gemessen an seinem
erstaunlichen Werk.
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Datum: 17.02.2012 - 22:00 Uhr
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