Stuttgarter Nachrichten: Kommentar zu Joachim Gauck
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Verspätung. Joachim Gauck soll Bundespräsident werden. Nicht mehr im
koalitionspolitischen Kräftemessen, sondern als ein Kandidat, der
über die Parteigrenzen hinweg alle schwärenden Wulff-Wunden heilen
und dem blätternden Lack des Amtes frischen Glanz und neue Autorität
verleihen soll. Der 72-jährige Pastor soll seines alten Amtes auch im
neuen walten: ein braver Hirte sein, hinter dem sich die
verschreckten Lämmchen sammeln können, egal, welche Farbe ihre Wolle
trägt. Ein Feste Burg sei unser Gauck. Doch Gaucks Nominierung hat
für Angela Merkel einen hohen Preis und bedeutet de facto das Ende
des schwarz-gelben Regierungsbündnisses. Die Kanzlerin hat sich von
den von allen guten Koalitionsgeistern, von einfallslosem Populismus
getriebenen Liberalen demütigen lassen müssen. Angesichts der
Euro-Krise glaubt Merkel, einen Bruch der Koalition nicht riskieren
zu dürfen. Die FDP hat das ausgenutzt - und SPD und Grüne damit den
Beweis noch nie so einfach führen lassen, wie ausgelaugt und von
gegenseitigem Unbehagen unterhöhlt diese Bundesregierung mittlerweile
agiert. Schwarz-Gelb ist angegauckt.
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Datum: 19.02.2012 - 22:24 Uhr
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