Neue OZ: Kultur-Kommentar zuÁkos Kertész
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Ungarns Künstler verlassen das Land: Was für eine Schlagzeile! Sie
fügt sich in alles, was über die Regierung Orbán zu lesen ist: vom
rigiden Mediengesetz bis zum Nationalstolz in der Verfassung.
Der Schönheitsfehler: Was der Romancier und angehende Exilant Ákos
Kertész nach seiner Ungarn-Kritik im eigenen Land erlitten hat, ist
zumindest von außen schwer zu beurteilen. Schwarz auf weiß
nachzulesen sind allerdings die Einlassungen, mit denen er selbst
hervortrat: eine Wutrede, die mit dem "ungarischen Untertanen-Gen"
ausdrücklich rassistisch argumentiert. "Dem Ungarn" eine Alleinschuld
am Holocaust zuzuschreiben ist nicht weniger fragwürdig.
Der notwendigen Debatte um den Rechtsruck im Lande ist mit der
Eskalation nicht gedient. Stattdessen bringt Kertész Kanadas
Einwanderungsbehörden in Verlegenheit, die abwägen müssen: Ist sein
Asylantrag berechtigt - oder nur der Versuch, Aufmerksamkeit zu
erregen? Dass dabei über einen Holocaust-Überlebenden geurteilt wird,
dem in seinem Leben unbestritten enormes Unrecht angetan wurde, macht
die Sache besonders sensibel.
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Datum: 04.03.2012 - 22:00 Uhr
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