BERLINER MORGENPOST: Besser früher als später raus aus Afghanistan / Leitartikel von Jochim Stolte

BERLINER MORGENPOST: Besser früher als später raus aus Afghanistan / Leitartikel von Jochim Stoltenberg

ID: 593871
(ots) - Mut kann man der Bundeskanzlerin nicht absprechen.
Dass Angela Merkel in der emotional aufgeladenen und damit höchst
unsicheren Lage zu einem Solidaritätsbesuch der deutschen Soldaten in
Afghanistan geflogen ist, spricht für sie. Die Umstände ihres
Stundenbesuchs zehn Jahre nach Beginn der Befriedungsbemühungen am
Hindukusch sprechen allerdings Bände. Mehr oder minder bei Nacht und
Nebel samt allem nur erdenklichen Sicherheitsaufwand kreuzte Merkel
bei den Soldaten auf. Von einer friedlichen Entwicklung ist
Afghanistan trotz aller Mühen und Opfer der Weltgemeinschaft noch
immer so weit entfernt wie einst die DDR von der Demokratie.
Besonders desillusionierend: Die Stimmung im Land kippt weiter und
stärkt die, die allen Fortschritt zur Todsünde erklären. Dass die
westlichen Helfer wesentlichen Anteil an diesem Desaster haben, ist
tragisch. Statt alles zu tun, um die Herzen der nach Recht und
Gesetz, nach Bildung und Befreiung aus der Armut dürstenden Menschen
zu gewinnen, werden deren Kultur, ihre Religion und ihre Tradition
viel zu oft sträflich missachtet. Das Urinieren auf tote Taliban, die
Koran-Verbrennung und nun auch noch die Erschießung von Kindern und
deren Müttern im Schlaf haben Wut, Empörung und neue Feindschaft
denen gegenüber ausgelöst, die als vermeintliche Befreier ins Land
gekommen sind. Das anfängliche Vertrauen in weiten
Bevölkerungskreisen ist verbreitetem Misstrauen gewichen. Es wird
noch bestärkt durch eine Regierung Karsai, die schwach, korrupt und
höchst unzuverlässig ist. Je nach eigenem Vorteil taktiert sie mal
mit Taliban und Warlords, mal mit dem internationalen Hilfskorps. Es
ist schon erstaunlich, wenn die Bundeskanzlerin bei ihrem
Truppenbesuch angesichts dieser Lage den bis Ende 2014 geplanten
totalen Rückzug der Bundeswehr aus Afghanistan infrage stellt. Auch


sie weiß um das Misstrauen, das längst auch zwischen den
Isaf-Soldaten und den von ihnen ausgebildeten heimischen
Sicherheitskräften herrscht. Ein Spaltpilz, der mit jedem weiteren
Teilrückzug wachsen und in massenhaften Überläufen zu den Taliban
enden wird, je näher der endgültige Abzugstermin rückt. Denn die
Regierungssoldaten sind nicht nur schlecht bezahlt, ihre
Kampffähigkeit ist nach aller Erfahrung auch der der Taliban
unterlegen. Die innenpolitisch motivierte Verkündung eines
Abzugstermins durch die wichtigsten westlichen Regierungen war der
GAU für Afghanistan. Sie kommt dem Eingeständnis gleich, dass selbst
mit bescheidenen Erfolgen nicht mehr gerechnet wird. Zu groß sind
letztlich die kulturellen Unterschiede und Missverständnisse, als
dass die Mission Afghanistan hätte gelingen können. Vor zehn Jahren
war ich anderer Meinung. Aber je aussichtsloser die Lage wird, desto
realistischer müssen die Konsequenzen sein. Statt laut über eine
Verlängerung des Einsatzes deutscher Soldaten zu sinnieren, sollte
die Kanzlerin besser über einen früheren Abzug nachdenken. Über einen
geordneten, mit den Verbündeten abgestimmten. Was sollen deutsche
Soldaten noch zwei Jahre in einem Land, in dem selbst das Parlament
den "ausländischen Truppen" den Rückzug nahelegt?



Pressekontakt:
BERLINER MORGENPOST
Chef vom Dienst
Telefon: 030/2591-73650
bmcvd@axelspringer.de

Themen in dieser Pressemitteilung:


Unternehmensinformation / Kurzprofil:
drucken  als PDF  Mittelbayerische Zeitung: Der Krieg ist verloren
Die jüngsten Vorfälle in Afghanistan spielen den Taliban in die Hände. Leitartikel von Christian Kucznierz Westfalen-Blatt: Das Westfalen-Blatt (Bielefeld) zum Thema Afghanistan:
Bereitgestellt von Benutzer: ots
Datum: 12.03.2012 - 20:26 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 593871
Anzahl Zeichen: 3591

Kontakt-Informationen:
Stadt:

Berlin



Kategorie:

Außenhandel



Diese Pressemitteilung wurde bisher 274 mal aufgerufen.


Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"BERLINER MORGENPOST: Besser früher als später raus aus Afghanistan / Leitartikel von Jochim Stoltenberg"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von

BERLINER MORGENPOST (Nachricht senden)

Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).

"Berliner Morgenpost" Mehrheit der Berliner will nicht mehr Geld für Weihnachtsgeschenke ausgeben ...
Die "Berliner Morgenpost" veröffentlicht folgende Information: +++ sofort frei zur Veröffentlichung bei Quellenangabe +++ Mehrheit der Berliner will nicht mehr Geld für Weihnachtsgeschenke ausgeben Berlin - Die meisten Berlinerinnen und Berliner wollen dieses Jahr Geschenke unter den

"Berliner Morgenpost": Mehrheit der Berliner will nicht mehr Geld für Weihnachtsgeschenke ausgeben ...
Die "Berliner Morgenpost" veröffentlicht folgende Information: +++ sofort frei zur Veröffentlichung bei Quellenangabe +++ Mehrheit der Berliner will nicht mehr Geld für Weihnachtsgeschenke ausgeben Berlin - Die meisten Berlinerinnen und Berliner wollen dieses Jahr Geschenke unter den

"Berliner Morgenpost": Mehrheit der Berliner will nicht mehr Geld für Weihnachtsgeschenke ausgeben ...
Die "Berliner Morgenpost" veröffentlicht folgende Information: +++ sofort frei zur Veröffentlichung bei Quellenangabe +++ Mehrheit der Berliner will nicht mehr Geld für Weihnachtsgeschenke ausgeben Berlin - Die meisten Berlinerinnen und Berliner wollen dieses Jahr Geschenke unter den


Weitere Mitteilungen von BERLINER MORGENPOST


Mittelbayerische Zeitung: Der Krieg ist verloren Die jüngsten Vorfälle in Afghanistan spielen den Taliban in die Hände. Leitartikel von Christian Kucznierz ...
US-Soldaten urinieren auf die Leichen von Afghanen. Die Bilder gehen um die Welt. Kinder, unreif, seien es letztlich gewesen, so lautet die Entschuldigung aus Washington. Kurz darauf verbrennen US-Soldaten den Koran, zufällig, unbeabsichtigt, wie es heißt. Am Wochenende nun erschießt ein US-S

Mittelbayerische Zeitung: Das Wahnsinnsspiel Kommentar zur Entwicklung in Nahost ...
Erneut gibt es einen hasserfüllten Gewaltausbruch zwischen Palästinensern im Gazastreifen und Israelis. Grund ist die Wut über die Tötung von Zuher al Kesi, den Chef des Volkswiderstandskomitees, eine mit der Hamas verbündete Truppe. Al Kesi soll hinter der Entführung des israelischen Sold

Neues Deutschland: So ist Krieg ...
Die Entschuldigungsmaschinerie lief umgehend an - vom ISAF-Oberkommando bis zu USA-Präsident Barack Obama, der sich »tief betrübt« über das »bestürzende« Massaker eines seiner Soldaten an afghanischen Zivilisten zeigte und eine schnelle Untersuchung versprach. Diese politisch folgenlose

OV: Unentschuldbar Thema:Das Blutvergießen in Syrien Von Dirk Dasenbrock ...
In Sachen Syrien:Kofi Annan verhandelt in Damaskusum einen Dialog,Guido Westerwelle hofft in Saudi-Arabien weiter auf eine politische Lösung. Derweil geht das Morden der Regierungstruppen in Homs,Idlib und anderswo ungehindert weiter. Nach UN-Schätzungen sind bislang über 7500 Syrer gestorben.


 

Werbung



Sponsoren

foodir.org The food directory für Deutschland
News zu Snacks finden Sie auf Snackeo.
Informationen für Feinsnacker finden Sie hier.

Firmenverzeichniss

Firmen die firmenpresse für ihre Pressearbeit erfolgreich nutzen
1 2 3 4 5 6 7 8 9 A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z