NRZ: Kommentar zur Lebensmittelbranche von CHRISTIAN ICKING
ID: 594780
quasi ein Naturgesetz. Das weiß natürlich auch die Industrie, und
ganze Riegen von Marketingexperten setzen darauf. Als besonders
einfalls- und trickreich zeigt sich die Lebensmittelbranche, wenn es
darum geht, Kinder, Eltern oder Großeltern von ihren Produkten zu
überzeugen.
Die Kinder werden mit bunter Verpackung, Spielzeugzugaben und/oder
Gewinnspielen gelockt - und Eltern wissen, wie schwer es ist, einem
quengelnden Kind im Laden den Schokoriegel mit der "Extraportion
Milch" auszureden. Die Eltern selbst werden mit vollmundigen
Versprechungen geködert, wonach gerade dieses Produkt wichtig für die
gesunde Entwicklung des Nachwuchses sei.
Tatsächlich glaubt fast jeder zweite Verbraucher laut einer Studie
der Verbraucherzentralen, dass Kinderprodukte im Zucker-, Fett- und
Salzgehalt an die Bedürfnisse der Kleinen angepasst sind. Bloß sind
sie das meist gar nicht. Ob Müsli, Pudding oder Säfte:
Nährwertkennzeichnungen auf vielen Waren für "Kleine Entdecker" oder
"Minis", an denen sich Verbraucher orientieren, können sich zum
Beispiel auf den Tagesbedarf Erwachsener beziehen. Zucker-Zugaben
werden häufig durch Nutzung anderer Zuckerarten wie Maltodextrin
verschleiert, und vermeintlich gesunde Vitamine werden überdosiert.
Auch kritische Verbraucher können also nicht erkennen, ob der
Erdbeer-Joghurt oder die Extrawurst in Bärchenform kindgerecht sind
oder nicht. Die Lebensmittel-Industrie treibt es hier allzu bunt. Und
wir müssen bei den Herstellern das tun, was wir bei unseren Kindern
eben nicht tun wollen: Wir müssen ihnen auf die Finger hauen.
Denn freiwillige Selbstverpflichtungen haben bislang praktisch
nichts bewirkt. So ist nun der Gesetzgeber gefordert. An Kinder
gerichtete Werbung für Leckereien mit ungünstigem Nährwertprofil,
Aussagen über ihre Entwicklung und Gesundheit müssen untersagt
werden. Lebensmittel müssen altersgerecht zusammengesetzt und
entsprechend gekennzeichnet sein. Die unkontrollierte Anreicherung
der Produkte mit Vitaminen oder Mineralstoffen muss gestoppt werden.
Hier können Berlin und Brüssel segensreich zusammenwirken. Damit
zu recht gilt: Für unsere Kinder nur das Beste!
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Datum: 13.03.2012 - 17:49 Uhr
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