Lausitzer Rundschau: Rechter Mann zur rechten Zeit
Joachim Gauck ist Deutschlands neuer Bundespräsident
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nicht einmal zwei Jahre her, seit Angela Merkel mit diesen Worten,
per SMS gesendet an SPD-Chef Sigmar Gabriel, kühl den Vorschlag von
Sozialdemokraten und Grünen abbügelte, Joachim Gauck gemeinsam mit
breiter Mehrheit zum Bundespräsidenten zu wählen. Gestern nun zeigte
sich eben jene Angela Merkel höchst erfreut über eben jene breite
Mehrheit für eben jenen Joachim Gauck. Der frühere Bürgerrechtler,
ließ die Bundeskanzlerin wissen, werde "sein Amt gut für unser Land
wahrnehmen". Das wird auch nötig sein. Denn dem Sinneswandel der
Kanzlerin voran gingen Ereignisse, die geeignet waren, sich Sorge um
die Verfasstheit der deutschen Demokratie zu machen. Christian Wulff
hat einen gehörigen Anteil daran, aber es wäre viel zu einfach, dem
Niedersachsen die alleinige Schuld in die Schuhe zu schieben. Denn
von dem Tage im Jahre 2010 an, an dem er die von Merkel angebotene
Präsidentschaft akzeptierte, war Wulff in einer denkbar ungünstigen
Position - wurde ihm doch die klischeehafte Rolle des Parteisoldaten
zugeteilt, der sich nur dank politischer Ränkespiele das Amt gegen
den geeigneteren überparteilichen Kandidaten gesichert habe. Schon in
dieser Interpretation der Ereignisse zeigte sich das offenbar
ungesund weit verbreitete Misstrauen vieler Deutscher gegen die
Parteiendemokratie - das sich bei manchem zu blanker Verachtung
steigerte, als Wulffs Präsidentschaft kippte, als es um den Verdacht
der Vorteilsnahme, um Zapfenstreich und Ehrensold ging. Und Joachim
Gauck? Das war für viele erst mal der Anti-Wulff, Projektionsfläche
für die vordemokratische Sehnsucht nach einem, der unbequeme
Wahrheiten ohne parteitaktische Rücksichtnahme ausspricht. Als gäbe
es eine politische Wahrheit, die nicht für irgendjemanden unbequem
wäre. Und die nicht von irgendjemandem in Zweifel gestellt würde. Die
Ironie an der Geschichte ist natürlich, dass der neue Bundespräsident
nicht zu den Gegnern, sondern zu den engagiertesten Anhängern und
Verteidigern der Parteiendemokratie gehört. Und so wird es jetzt eine
seiner vornehmsten Aufgaben sein, die Deutschen mit ihrem politischen
System auszusöhnen. Kein Zweifel: Der Demokratielehrer Joachim Gauck
ist dafür der rechte Mann zur rechten Zeit an der richtigen Stelle.
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Datum: 18.03.2012 - 22:41 Uhr
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