Neue OZ: Kommentar zu Mordfall Emden
ID: 611593
Es wird immer deutlicher: Im Vorfeld des Mordes an der 11-jährigen
Lena ist alles schiefgegangen, was hätte schiefgehen können.
Plötzlich spricht manches dafür, dass der Tod des Mädchens zu
verhindern gewesen wäre.
Nach einer mehrwöchigen psychiatrischen Behandlung erscheint im
November 2011 ein Mann mit seinem Betreuer bei der Polizei in Emden
und erstattet Selbstanzeige. Obwohl eine zweite Anzeige wegen
Kinderpornografie gegen ihn vorliegt, ignorieren die Beamten eigene
Standards. Weder Fingerabdrücke noch Speichelprobe werden gesichert.
Unvorstellbar! Das Verhängnis nimmt seinen Lauf. Einen Tag später
kommt es in Emden zur versuchten Vergewaltigung einer 27-jährigen
Joggerin.
Die Fahnder tappen trotz sichergestellter DNA-Spuren zunächst im
Dunkeln. In der Polizeidatenbank findet sich wegen der Schlamperei
kein Gegenstück, das schnell auf die Spur des Täters hätte führen
können. Nach Überzeugung der Ermittler ist der junge Mann auch für
diesen Überfall verantwortlich. Erst der offensichtlich aufgeklärte
Mord an Lena ermöglicht dieses Fazit. Zu spät!
Fragen muss sich auch die Jugendpsychiatrie in Aschendorf gefallen
lassen. War der 18-Jährige so unauffällig, dass niemand etwas hätte
merken können? Hat man sorgfältig genug hingeschaut und behandelt in
diesem extrem schwierigen Bereich? Kurz nach der Therapie überfällt
der entlassene Patient allem Anschein nach die Joggerin. Im März dann
der Mord. Auch für Ärzte und Betreuer ein Schock.
Viele Fragen sind noch offen. Die Übernahme der politischen
Verantwortung steht dabei nicht an erster Stelle.
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Neue Osnabrücker Zeitung
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Datum: 04.04.2012 - 22:00 Uhr
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