Oberbayerisches Handwerk startet 2012 schwungvoll
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Traublinger: "Niveau des Wiedervereinigungsbooms"
Auch für die kommenden Monate sind die Handwerksbetriebe im Kammerbezirk sehr zuversichtlich: 90 Prozent erwarten eine gute oder befriedigende Geschäftslage. Das sind drei Prozentpunkte mehr als im Jahr zuvor. Ein Risiko stellen jedoch die gestiegenen Kraftstoffpreise dar: ein weiterer Anstieg würde den Kostendruck zusätzlich erhöhen. Positiv für die Geschäfte der Betriebe ist die gute Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt: wenn sich dieser weiterhin robust präsentiert, bleiben auch die Rahmenbedingungen für private Investitionen und Konsumausgaben günstig. Der Auslastungsgrad der oberbayerischen Handwerksbetriebe war mit 75 Prozent - das sind drei Punkte mehr im Vergleich zum Vorjahr - erneut relativ hoch. Der Auftragsbestand bewegt sich ebenfalls auf einem erfreulichen Niveau: im Vorjahresvergleich konnten ihn die Betriebe im 1. Quartal 2012 um 0,7 auf 6,9 Wochen ausbauen.
61 Prozent der oberbayerischen Betriebe weiteten im Berichtszeitraum ihr Umsatzvolumen aus oder erzielten zumindest gleich hohe Umsätze wie im Vorquartal. Nach ersten Schätzungen erwirtschafteten die Handwerksunternehmen in den ersten drei Monaten des laufenden Jahres Einnahmen in Höhe von 5,6 Mrd. Euro. Das entspricht einem Zuwachs von mindestens zwei Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. In die Schätzung wurde u.a. einbezogen, dass die Frostperiode im Februar zu Produktions- und Umsatzeinbußen im Baugewerbe geführt hat. Die Umsatzerwartungen für die kommenden Monate sind ähnlich gut wie im Frühjahr 2011: 88 Prozent der Betriebe rechnen damit, dass sie das aktuelle Umsatzniveau halten oder steigern können. Traublinger: "Für das Gesamtjahr gehen wir weiterhin von einem nominalen Umsatzplus von mindestens zwei Prozent aus. Wenn sich die Handwerkskonjunktur weiterhin so gut entwickelt, ist sogar noch mehr drin."
Das Investitionsklima im Handwerk ist nach wie vor günstig. Niedrige Zinsen, eine hohe Betriebsauslastung und die optimistischen Geschäftserwartungen ermutigten viele Betriebe, ihre Kapazitäten auszuweiten. Insgesamt investierten 34 Prozent, das sind sechs Prozentpunkte mehr als im Vorjahreszeitraum. Dabei nahmen die Betriebe mit insgesamt 205 Mio. Euro acht Prozent mehr Geld für Ausrüstungsgüter und Baumaßnahmen in die Hand, als noch vor einem Jahr. Über das Jahr betrachtet, dürften die Investitionen im oberbayerischen Handwerk 2012 um etwa vier Prozent steigen. Die Zahl der Betriebe stieg im Berichtszeitraum um 1,8 Prozent auf über 76.500. Für das Gesamtjahr ist ein Plus von rund 1,5 Prozent zu erwarten.
Fast jeder zweite oberbayerische Betrieb (49 Prozent) sieht in der Suche nach qualifiziertem Personal die größte Herausforderung des laufenden Jahres. Zu viel Bürokratie (46 Prozent) und die Sicherung des Berufsnachwuchs' (42 Prozent) folgen auf den Plätzen. Da gutes Personal gefragt ist, bemühte sich der Großteil der Betriebe im 1. Quartal, ihre Belegschaft zu halten. Lediglich 15 Prozent haben die Zahl ihrer Mitarbeiter reduziert, was überwiegend saisonbedingt gewesen sein dürfte. Im Berichtszeitraum waren 263.500 Personen im Handwerk tätig. Im Vergleich zum Vorjahr entspricht das einem Zuwachs von einem Prozent. "Für 2012 rechnen wir im Jahresdurchschnitt mit einem nur wenig schwächeren Beschäftigungsplus", erklärt der Kammerpräsident.
Trotz des doppelten Abiturjahrgangs in Bayern und der Aussetzung der Wehrpflicht blieben 3.100 Lehrstellen im oberbayerischen Handwerk unbesetzt. Das sind 26 Prozent aller angebotenen Ausbildungsplätze. Um zusätzliche Fachkräfte anzuwerben, ist die Handwerkskammer gerade gemeinsam mit dem spanischen Generalkonsulat dabei, ein Projekt zur Beschäftigung spanischer Arbeitssuchender im Handwerk zu initiieren. Dabei sollen ausgelernte Fachkräfte und Absolventen spanischer Ausbildungsgänge im Handwerk an oberbayerische Betriebe vermittelt werden. Um auf dem deutschen Arbeitsmarkt durchstarten zu können, müssen die Interessenten vorher einen Deutsch-Crashkurs absolvieren und evtl. punktuell nachqualifiziert werden. Traublinger: "Wichtig ist in diesem Zusammenhang: wir suchen primär ausgelernte Fachkräfte, nicht Lehrlinge."
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Datum: 20.04.2012 - 13:13 Uhr
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