"Mundräuber" auf Radtour: Bürger für Erhalt lokaler Obstbäume motivieren
ID: 623291
niedersächsischen Hasetal vernetzen - 125.000 Euro
In Deutschland überaltern viele Obstbaumalleen. Kommunen fehlen
Ressourcen oder Fachwissen, um die artenreichen Kulturlandschaften zu
pflegen. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) unterstützt nun ein
bundesweites Modellprojekt der Berliner Organisation Terra Concordia
und des Tourismusverbandes Hasetal, das neue Wege geht, um lokale
Obstbaumbestände zu erhalten: "Das Projekt soll Anwohner, Vereine,
Umweltverbände, Schulen und Gastronomiebetriebe in die Pflege und
Nutzung einbinden, damit sie ein stärkeres Bewusstsein für den Wert
der Gehölze entwickeln", sagte heute DBU-Generalsekretär Dr.-Ing. E.
h. Fritz Brickwedde. In Rieste übergab er den Förderbescheid über
125.000 Euro an Terra Concordia-Geschäftsführer Kai Gildhorn. Entlang
des niedersächsischen Hase-Ems-Radwegs sollen Bürger mit Experten
mehrere tausend Obstbäume pflegen. Ein Konzept soll Gemeinden helfen,
Obstbäume als Tourismusfaktor zu nutzen. Gildhorn: "Urlauber können
Früchte direkt vom Baum pflücken - legal und kostenlos."
"Obstbaumalleen und Streuobstwiesen sind eine Herberge für alte
Obstsorten und bieten Lebensraum für bis zu 5.000 verschiedene
Pflanzen- und Tierarten. Leider sind viele von ihnen in einem
katastrophalen Pflegezustand", erklärte Gildhorn. Die Obstbäume
würden nicht regelmäßig beschnitten, die Wiesen nicht ausreichend
gemäht oder beweidet. Gildhorn: "Um die Bestände langfristig zu
sichern und die Sortenvielfalt zu stärken sind wir auf das Engagement
der Bürger angewiesen. Ziel des Projektes ist es deshalb, regionale
Akteure in persönlichen Kontakt miteinander zu bringen. Es geht
darum, ihnen zu zeigen, dass gesunde Obstbaumbestände sowohl für die
Region als auch für jeden Einzelnen ökologisch und ökonomisch
gewinnbringend sind."
Kommunen könnten aus ihren freizugänglichen Obstbaumbeständen
attraktive Angebote für die eigenen Bürger und Touristen entwickeln.
Eine Gemeinde, auf deren Grund Äpfel, Birnen und Kirschen wachsen,
verfüge über besondere touristische Anziehungspunkte. Vor allem
kleine und mittelständische Tourismusbetriebe - wie Campingplätze,
Gasthöfe oder Hotels - könnten davon profitieren. Sie seien in der
Nebensaison meist weniger gut besucht, aber Radtouren durch
Obstbaumalleen gerade zur Erntezeit im Herbst oder zur Obstbaumblüte
im Frühjahr lohnenswert. In Zusammenarbeit mit den Kommunen solle
deshalb auch ein nachhaltiges Tourismuskonzept entwickelt werden, das
Fragen zu relevanten Akteuren, Regeln, Pflege- und Nutzungsmaßnahmen,
Kosten sowie weitere nachhaltige, touristische Angebote
berücksichtigt. So solle die Region zwischen Melle und Meppen das
ganze Jahr sowohl für die eigenen Bürger als auch für Urlauber
attraktiv gemacht und gleichzeitig der Fortbestand der Obstbäume
gesichert werden. Das Besondere an diesem Konzept sei, das es in
enger Zusammenarbeit von über zehn am Radweg gelegenen Kommunen
entwickelt werde und auf andere Regionen übertragbar sei. Dazu würden
die Ergebnisse des Vorhabens in einem Handbuch zusammengefasst.
Erste Ideen, wie ein solches Konzept in der Praxis aussehen
könnte, gebe es bereits: "Besucher können Früchte unterwegs
einsammeln und bei Gasthöfen oder Hotels in der Nähe abgeben. Diese
Betriebe brauchen zumindest einen Teil des benötigten Obsts nicht
mehr selbst einzukaufen. Den Gegenwert der abgelieferten Menge können
sie stattdessen in einen Fonds investieren, mit dem wiederum die
Pflege der Obstbäume finanziert werden könnte", schlug Gildhorn vor.
Die Idee werde aber zunächst mit Kommunen und Tourismusbetrieben
diskutiert und weiterentwickelt.
Die Landwirtschaftskammer Niedersachsen bilde im Rahmen des
Projekts mindestens 30 Teilnehmer zu so genannten "Obstbaumpaten"
aus. In dreitägigen Kursen würden sie lernen, wie die Obstbäume
gepflanzt, gepflegt, geschnitten und veredelt würden. Außerdem
erhielten sie Unterricht in Pflanzenschutz und Sortenkunde und würden
über Schädlinge und Nützlinge informiert. Die langfristige Pflege
würde von Ehrenamtlichen übernommen.
Als Planungsgrundlage kartieren Experten von Terra Concordia
mehrere tausend Obstbäume und dokumentieren diese auch auf der
Internetplattform www.mundraub.org. Das Portal für Obstallmende wurde
2009 ins Leben gerufen. Seitdem können Nutzer öffentlich zugängliche
Obst- und Nussbäume, Kräuter und Beeren auf einer interaktiven Karte
eintragen. Andere Nutzer können diese abrufen, sich über die
Fundstellen informieren und Früchte, die sonst "vergammeln" würden,
ernten, zu Delikatessen weiterverarbeiten oder direkt vor Ort
verzehren.
Der Zweckverband Erholungsgebiet Hasetal mit den
Mitgliedskommunen Meppen, Haselünne, Löningen, Essen (Oldenburg)
sowie den Samtgemeinde Artland, Bersenbrück und Herzlake ist als
Kooperationspartner an dem Projekt beteiligt. Durch die Aktivitäten
des Tourismusverbandes, der die teilnehmenden Akteure koordiniert,
konnten neben dem Verein zur Revitalisierung der Haseauen e.V. in
Osnabrück, die Städte Melle und Osnabrück sowie die Gemeinden
Bissendorf und Wallenhorst in das Projekt eingebunden werden. Wilhelm
Koormann, Geschäftsführer des Zweckverband Erholungsgebiet Hasetal,
sieht in dem Projekt eine große Chance, die Zusammenarbeit entlang
der Hase zu stärken und damit unter anderem den Radtourismus
anzukurbeln.
Weitere Projektdetails erhalten Interessierte am 16. Mai 2012, von
9 bis 14 Uhr, bei einem "Kick-off"-Treffen im Zentrum für
Umweltkommunikation (ZUK) der DBU. Anschließend sollen in
Arbeitskreisen erste Modelle zur Pflege und Nutzung der Bäume
entwickelt werden. Interessierte können sich auf Facebook über die
Veranstaltung informieren. Anmeldungen für Journalisten sind unter
presse@mundraub.org möglich.
Pressekontakt:
Ansprechpartner
Franz-Georg Elpers
- Pressesprecher -
Eva Ziebarth
Anneliese Grabara
Kontakt DBU:
An der Bornau 2
49090 Osnabrück
Telefon:0541|9633521
Telefax:0541|9633198
presse@dbu.de
www.dbu.de
Ansprechpartner für Fragen zum Projekt:
Kai Gildhorn
Telefon: 030/89635480
Telefax: 030/89648277
E-mail: kai@mundraub. org
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Datum: 24.04.2012 - 12:00 Uhr
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