Großprojekte: Gespaltene Gesellschaft
ID: 625477
Fachbuch von Springer VS legt am Beispiel Flughafenausbau Fakten zur demokratischen Auseinandersetzung bei Großprojekten offen
Coverabbildung des Buchs"Grenzen der Demokratie"(firmenpresse) - Berlin | Heidelberg | Wiesbaden, 26.04.2012. Stuttgart 21 und die Diskussion um den Frankfurter Flughafen haben es gezeigt: Der Umgang mit großen Infrastrukturprojekten gehört zu den schwierigen Politthemen unserer Zeit. Flughäfen, Bahnhöfe, Autobahnen, Kanäle, Tiefseehäfen, Kraftwerke und Windparks sind Vorhaben, die viele Menschen involvieren und gesellschaftliche Konflikte heraufbeschwören. Das jetzt bei Springer VS erschienene Fachbuch "Grenzen der Demokratie" von Herausgeber Friedrich Thießen untersucht im Auftrag des Rhein-Main-Institutes e.V. am aktuellen Beispiel Ausbauverfahren von Flughäfen erstmals die tatsächlichen Abläufe bei der Vorbereitung und Genehmigung von Großprojekten sowie die damit verbundenen gesellschaftlichen Auseinandersetzungen. Ausgewählte Experten legen Fakten offen, die der weiteren Forschung als Grundlage dienen und Gesetzmäßigkeiten erkennen lassen.
Die Auseinandersetzung mit den Folgen solcher Großprojekte fordere die Gesellschaft in besonderem Maße, denn Nutzen und Lasten seien oft unterschiedlich verteilt: "Die Parteien sind meist ungleich organisiert. Dies stellt besondere Anforderungen an die gesellschaftlichen Verfahren, mit denen zwischen den Interessen abgewogen wird." so Thießen, der Wirtschaftswissenschaften an der Technischen Universität Chemnitz lehrt. Für die Gesellschaft als Ganzes sei es wichtig, über Verfahren zu verfügen, welche die Interessen einzelner Gruppen in Grenzen halten. Da viele offizielle Entscheidungsprozesse sowie auch informelle Verfahren wie Mediationen oder Abstimmungen an runden Tischen dazu nicht immer in der Lage seien, entschieden letztlich Gerichte über Großprojekte.
Wie aber sieht es in Deutschland mit der Qualität und Objektivität der Verfahren aus, welche Defizite gibt es noch? Im Buch werden typische Abläufe in den Prozessen bis zur formalen Genehmigung von Großprojekten dargestellt - und dies, betont Thießen, mit Wissen aus der Praxis: "Das Buch wählt den Ansatz der Zeitzeugenbefragung. Ausgewählte Experten aus unterschiedlichen Fachgebieten, allesamt langjährige Begleiter großer Infrastrukturvorhaben, berichten über ihre persönliche Arbeit, ihre Wahrnehmungen und Meinungen." Bewusst liege dabei der Fokus auf dem interdisziplinären Charakter des Buchs: "Man kann Großprojekte aus vielen Blickwinkeln betrachten: die rechtliche Sicht, die betriebswirtschaftliche, volkswirtschaftliche, technische oder medizinische Perspektive. Wir nehmen bewusst keine spezielle Sichtweise ein."
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Datum: 26.04.2012 - 11:01 Uhr
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