Neue OZ: Kommentar zu JPMorgan Chase
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Sind Banktürme getarnte Zockerbuden, in denen Kasino-Kapitalisten
vor lauter Gier Omas Erspartes verspielen und Papas Job verhökern,
als wäre die Welt ein einziges Roulette?
Die unglaublichen Vorgänge bei JPMorgan Chase sind Munition für
die Gegner des Finanzsystems und Wahlkampfhilfe für linke
Gruppierungen weltweit. Und das ist fast so ärgerlich wie das
Eingeständnis der größten Bank der USA, in nur sechs Wochen mehr als
1,5 Milliarden Euro bei hochriskanten Wetten verzockt zu haben.
Offensichtlich haben nicht alle Großbanken die richtigen Lehren
aus der globalen Bankenkrise gezogen. Zwar blieb JPMorgan Chase
relativ unbeschadet. Doch dass ausgerechnet der Branchenprimus im
großen Stil hochspekulative Geschäfte tätigt, nährt einen Verdacht:
Einige Akteure jonglieren weiter mit gigantischen Summen, als hätten
die Steuerzahler in den USA und in Europa nicht erst vor drei Jahren
eine Kernschmelze des Finanzsystems verhindern müssen. Dem Zocken
muss endlich ein Riegel vorgeschoben werden.
Wer wie JPMorgan Chase als systemrelevantes Geldinstitut
eingestuft wird, darf nicht systemgefährdend handeln, sondern muss
systemerhaltend agieren. Die Wall-Street-Häuser gehören unter eine
strengere Finanzaufsicht. Zudem sollte die Boni-Regelung erweitert
werden: Finanzakteure sollten nicht nur an den Gewinnen beteiligt
werden, sondern auch an den Verlusten. Das würde disziplinieren.
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Datum: 11.05.2012 - 22:00 Uhr
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