Neue Westfälische (Bielefeld): Kommentar
Maulwurf im Weißen Haus
ID: 655894
Dach. Haben Spezis aus dem Weißen Haus Journalisten mit sensiblen
Informationen gespickt mit dem Ziel, den um seine Wiederwahl
ringenden Präsidenten in ein günstiges Licht zu rücken? Nach Lektüre
der Berichte über den angeblich sehr persönlichen Anteil Obamas an
der Infizierung iranischer Atomfabriken mit dem Computervirus Stuxnet
und die von ihm handverlesene Zielsuche für tödliche Drohnenangriffe
auf islamistische Terrorpaten kann man schon darauf kommen. In beiden
Fällen bleibt ein Eindruck hängen: Der Mann macht in Fragen der
nationalen Sicherheit keine Gefangenen.Die reflexartige Reaktion der
Republikaner, die beim Amerikabeschützen traditionell das
Erstgeburtsrecht beanspruchen - Hilfe! Geheimnisverrat! - ist ebenso
verständlich, wie das Krisenmanagement des Weißen Hauses drittklassig
ist. Zehn Tage lang ließ das Team Obama die Enthüllungen sehr
gelassen und undementiert im Raum stehen. Wohl in der stillen
Hoffnung, die Charakterisierung des Chef als "harter Hund" werde sich
in Umfragen positiv auswirken. Erst als die Republikaner die
Imagepolitur für den Präsidenten dramatisierten, wurde das
Justizministerium anstellig. Wer das Weiße Haus in der Sache als
Treiber und Getriebenen zugleich vermutet, liegt wahrscheinlich
richtig. Es gibt Schlimmeres. Zum Beispiel die wirklichen Probleme
des Landes: Schulden, Reformstau, gesellschaftliche Spaltung. Kein
einziges davon ist übrigens geheim.
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Datum: 10.06.2012 - 20:40 Uhr
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