Reporter ohne Grenzen empört über Drohung gegen Nowaja Gaseta-Redakteur in Moskau
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Drohungen gegen den stellvertretenden Chefredakteur der Zeitung
Nowaja Gaseta, Sergej Sokolow. "Wenn Journalisten mit dem Tod bedroht
werden, nehmen wir das sehr ernst", sagte ROG-Vorstandsmitglied Gemma
Pörzgen bei einem Pressegespräch am Donnerstag (14.6.) in Berlin.
"Seit dem Amtsantritt Wladimir Putins im Jahr 2000 sind in Russland
26 Journalisten getötet worden, allein fünf von ihnen aus der
Redaktion der Nowaja Gaseta."
Der russische Chefermittler Alexander Bastrykin war am 4. Juni mit
dem Journalisten Sergej Sokolow in einen Wald bei Moskau gefahren,
hatte ihn dort wegen eines kritischen Artikels beschimpft und
gedroht, sollte dem Journalisten etwas zustoßen, werde er - Bastrykin
- die Ermittlungen leiten. Sokolow war daraufhin ins Ausland
geflohen. Bastrykin ist als oberster Ermittler der
Generalstaatsanwaltschaft auch für die Untersuchungen im Mordfall
Anna Politkowskaja verantwortlich. Sie hatte für die Nowaja Gaseta
über die Gewalt in Tschetschenien berichtet und wurde vor fünfeinhalb
Jahren in Moskau erschossen.
Bastrykin habe Politkowskaja gegenüber Sokolow als "Schlampe"
verhöhnt, berichtete Nowaja Gaseta-Journalist Leonid Nikitinski am
Donnerstag in Berlin. Er steht nach eigenen Angaben fast täglich in
Kontakt mit seinem Kollegen Sokolow. "Seine kritischen Artikel waren
nur ein Vorwand für die Drohungen", glaubt Nikitinski. "Unter Putin
soll die Presse insgesamt wieder stärker kontrolliert werden."
Dennoch habe dieser Vorfall für ihn eher eine lächerliche als eine
bedrohliche Note, so der Reporter: "Weder Politkowskaja noch andere
Kollegen wurden gewarnt, man hat sie einfach auf offener Straße
ermordet."
Das Schicksal Sokolows war am 13. Juni durch einen offenen Brief
von Nowaja-Gaseta-Chefredakteur Dmitri Muratow bekannt geworden. Fünf
Journalisten, die daraufhin vor dem Sitz des Ermittlungsausschusses
an einer Protestkundgebung teilnahmen, wurden am Mittwochnachmittag
festgenommen. Vier von ihnen arbeiten für den kremlkritischen
Radiosender Echo Moskwy. Alexander Bastrykin und seine Behörde
lehnten es gegenüber Reporter ohne Grenzen ab, die Vorfälle zu
kommentieren.
Den Brief des Nowaja Gaseta-Chefredakteurs Dmitri Muratow finden
Sie auf Deutsch unter www.reporter-ohne-grenzen.de.
Details zu dem Fall in englischer Sprache finden Sie unter
http://bit.ly/KC1GGZ.
Pressekontakt:
Reporter ohne Grenzen
Ulrike Gruska
Pressearbeit
presse@reporter-ohne-grenzen.de
www.reporter-ohne-grenzen.de
T: +49 (0)30 202 15 10 - 16
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Datum: 14.06.2012 - 17:39 Uhr
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