Weser-Kurier: Kommentar zur Wirtschaftsentwicklung
ID: 664874
Igel: Die Politik rennt gehetzt los, wähnt sich am Ziel, aber da
lauert schon die nächste Krise, die eigentlich immer noch die alte
ist. Die Erleichterung über den Wahlausgang in Griechenland hielt
nicht lange an. Denn nach Monaten des Stillstands fängt die
eigentliche Arbeit - die Durchsetzung der Sparvorgaben und zugleich
die Entwicklung von Perspektiven für die Bevölkerung - gerade erst
an. Man möchte nicht mit Antonis Samaras tauschen. In Zypern wird der
Antrag auf Schutz durch den Rettungsschirm vermutlich bereits
geschrieben, Spanien bleibt bisher vehement dabei, dass "nur" der
Bankensektor, nicht aber der Staat Hilfe brauche, um sich dem
Spardiktat der Troika zu entziehen. Italien hofft ebenfalls den
Schritt unter den Rettungsschirm und damit unter die Finanzaufsicht
vermeiden zu können - aber wie lange noch? Die gleiche Skepsis gilt
für Frankreich, wo die neue Regierung unter François Hollande gerade
Kassensturz macht und sehr bald Ernüchterung über die Wahlversprechen
der Sozialisten eintreten wird. Aber da ist doch noch Deutschland,
der starke Motor der Euro-Zone, der sichere Hafen für Anleger, dessen
Schuldenagentur gerade wieder zu null Zinsen am Kapitalmarkt Geld
borgen konnte. Die Zeichen mehren sich, dass es damit bald vorbei
ist. Unsere stark vom Export abhängige Wirtschaft hat bisher davon
profitiert, dass unsere europäischen Nachbarn ebenso wie die
Schwellenländer bei uns eingekauft haben. Die Wirtschaft in China
schwächelt, wenn auch verglichen mit Europa oder den USA auf hohem
Niveau. Wenn die Wirtschaft in Griechenland am Boden liegt, macht
sich das für den deutschen Export kaum bemerkbar. Aber Frankreich ist
immer noch unser stärkster Handelspartner. Auch die Probleme in
Italien und Spanien wirken sich unmittelbar aus. Wenn die Nachfrage
nach deutschen Autos, Maschinen und Anlagen sinkt, wird es mit dem
deutschen Jobwunder bald wieder vorbei sein. Nach einer Umfrage des
Markit-Instituts werden in der Industrie bereits wieder so viele
Stellen gestrichen wie seit zweieinhalb Jahren nicht mehr. Das zeigt:
Deutschland ist in der Euro-Krise nicht nur Teil der Lösung - als
Geldgeber und Mahner. Deutschland ist Teil des Problems, das nur
gemeinsam gelöst werden kann. Sparen allein hilft da nicht.
Pressekontakt:
Weser-Kurier
Produzierender Chefredakteur
Telefon: +49(0)421 3671 3200
chefredaktion@Weser-Kurier.de
Themen in dieser Pressemitteilung:
Unternehmensinformation / Kurzprofil:
Bereitgestellt von Benutzer: ots
Datum: 21.06.2012 - 22:17 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 664874
Anzahl Zeichen: 2713
Kontakt-Informationen:
Stadt:
Bremen
Kategorie:
Wirtschaft (allg.)
Diese Pressemitteilung wurde bisher 295 mal aufgerufen.
Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"Weser-Kurier: Kommentar zur Wirtschaftsentwicklung"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von
Weser-Kurier (Nachricht senden)
Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).
Der US-amerikanische Wirtschaftswissenschaftler und Nobelpreisträger Joseph E. Stiglitz hat das deutsche Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaschutz begrüßt: "Die Auswirkungen auf das Wirtschaftswachstum können erheblich sein. Daran besteht kein Zweifel", sagte der Chefökonom d
Banaszak: Grüne wollen Borkum-Abkommen verhindern ...
Der Parteichef der Grünen, Felix Banaszak, sieht sich durch Entscheidung des Bundesrats, keine Stellungnahme zum Gesetzes über ein Unitarisierungsabkommen mit den Niederlanden im Rahmen der geplanten Gasförderung vor Borkum abzugeben, bestätigt: "Ich halte es weiterhin für notwendig, dass
Neue Nato-Vorgaben: Der Vorsitzende des Bundestags-Verteidigungsausschuss, Thomas Röwekamp (CDU), spricht sich für eine allgemeine Dienstpflicht aus ...
Der Vorsitzende des Verteidigungsausschuss des Deutschen Bundestages, der Bremer CDU-Abgeordnete Thomas Röwekamp, spricht sich im "WESER-KURIER" (Bremen) wegen der neuen Nato-Vorgaben zur künftigen Truppenstärke der Bundeswehr für eine allgemeine Dienstpflicht aus. "Aus meiner Si
Weitere Mitteilungen von Weser-Kurier
Soziale Unternehmer sind der Motor der gemeinsamen Zukunft ...
München, 21.06.2012 – Bei großen Herausforderungen unserer Zeit gibt es viele, die reden und nur wenige, die handeln. Auch rund um den aktuell stattfindenden Erdgipfel in Rio de Janeiro wird die Forderung lauter, konkrete Maßnahmen zu ergreifen. Soziale Unternehmer wie zum Beispiel der Ökoener
Börsen-Zeitung: Angst vorm schwarzen Mann, Kommentar zur Staatsschuldenkrise von Detlef Fechtner ...
So ganz schlau kann man zwar nicht aus den Andeutungen werden, die dieser Tage die Regierungen aus Italien und Frankreich machen. Aber es spricht doch vieles dafür, dass - wie gerade neulich auch bei den Spaniern und deren letztlich erfolgloser Kampagne für Direkthilfen an Banken - das Ziel is
BERLINER MORGENPOST: Die Metapher vom großen Kick / Leitartikel von Marius Schneider ...
Die Wahrheit liegt auf dem Platz. Immer. Behaupten zumindest die Experten. Und in einem fast hegelianischen Sinne scheint nun endlich welthistorisch wahr zu werden, was Kahn und Co. so lang schon predigen: bei dieser Europameisterschaft, bei diesem heutigen Spiel. Deutschland gegen Griechenland,
WAZ: Millionengrab Gesundheitskarte. Kommentar von Sven Frohwein ...
Dieser Tage bekommen viele Versicherte Post von ihrer Krankenkasse. Darin: die elektronische Gesundheitskarte. Endlich, möchte man meinen. Die Karten kommen nämlich sechs Jahre später als geplant. Eigentlich sollte das Plastik bereits 2006 die schon 1995 eingeführte Krankenversicherungskarte




