taz: Berliner Doppelmörder bereits halbes Jahrhundert im Gefängnis /
Bisher längste bekannte Haftzeit in der Nachkriegsgeschichte
ID: 675822
als 50 Jahre in Haft. Der wegen eines Doppelmordes verurteilte
Hans-Georg Neumann sitzt nach Recherchen der taz-Wochenendausgabe
seit 1962 im Gefängnis. Nach Jahren der Haft in Berlin-Tegel lebt er
im Alter von 75 Jahren heute in der Justizvollzugsanstalt Bruchsal in
Baden-Württemberg.
Neumann wurde im Februar 1962 verhaftet, weil er ein Liebespaar in
Berlin brutal ermordet hatte. 1963 kam es zum Prozess. Das
Schwurgericht in Berlin-Moabit verhängte eine lebenslange
Freiheitsstrafe.
Bislang galt der Serienmörder Heinrich Pommerenke als der Mensch,
der am längsten in der Bundesrepublik in Haft saß. Pommerenke starb
2008 nach 49 Jahren im Gefängnis. Lange Zeit lebte er ebenfalls in
der JVA Bruchsal.
Zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe Verurteilte können in
Deutschland frühestens nach 15 Jahren einen Antrag auf Aussetzung des
Strafrestes stellen. Neumann hat dies mehrfach vergeblich versucht.
Zuletzt hatte das Oberlandesgericht Karlsruhe 2006 beschlossen, dass
Neumann in der JVA bleiben muss.
Im Gefängnis wird Neumann wegen seines Berliner Dialektes "Icke"
genannt. Sein erster Freigang wurde ihm nach 31 Jahren bewilligt. In
einem der taz vorliegenden Brief aus dem Gefängnis berichtet er von
diesen Stunden vorübergehender Freiheit. Er habe Sekt getrunken und
in Begleitung eines Vollzugsbeamten einen Spaziergang gemacht. "Es
war schon ein sehr eigenartiges Gefühl", schreibt er. Einmal habe er
allein in einer Bahnhofshalle gesessen, als der Beamte zur Toilette
ging.
In einem Interview mit der taz bilanziert Neumann: "Hier wie auch
in Berlin ist mein größtet Problem: Ick hatte allet. Mir ist es
zehnmal so jut jegangen wie draußen." Dennoch wünsche er sich einen
Lebensabend in Freiheit. Mit dem Geld, das er in 50 Jahren
zurückgelegt hat, käme er zwei Jahre über die Runden. Er würde gerne
einmal mit dem Zug nach Wladiwostok fahren.
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Datum: 07.07.2012 - 08:15 Uhr
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