Neue OZ: Kommentar zu Religion / Beschneidung
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Wenn deutsche Politiker einen Vergleich mit dem Holocaust ziehen,
ernten sie sofort und zu Recht heftigen Widerspruch in der
Öffentlichkeit, gerade auch von jüdischer Seite. Wenn sich ein
Rabbiner derart drastisch äußert, bleiben die Reaktionen aus. Doch
auch Pinchas Goldschmidt wäre gut beraten, sich stärker
zurückzuhalten. In der Wortwahl hat der Rabbiner mit seiner Kritik am
umstrittenen Kölner Urteil zur Beschneidung weit überzogen.
Dennoch lässt Goldschmidts Äußerung aufhorchen. Denn der jüdische
Gelehrte macht klar: Ihm und seinen Glaubensgenossen geht es nicht
allein um einen kleinen Schnitt an der Vorhaut eines Jungen, sondern
um einen enormen Eingriff. Es ist ein Eingriff des liberalen
Rechtsstaats in eine jahrtausendealte Tradition zweier
Weltreligionen, ja mehr noch: Juden sehen in der Beschneidung nicht
eine Erfindung von Menschen, sondern einen Auftrag Gottes. Kein
Wunder, dass es Proteste hagelt.
Das Urteil ist in vielfacher Hinsicht ungewöhnlich. Es hat die
Debatte über die Beschneidung in Gang und die Minderheit der Juden
und Muslime in Deutschland einander nähergebracht. Und es wird wohl
noch länger Juristen, Politiker, Ärzte und Theologen beschäftigen.
Rechtsklarheit hat es nicht geschaffen, wie die Reaktion von Ärzten
belegt, die weiter operieren wollen. Parteiübergreifend gibt es die
Forderung nach einem neuen Gesetz. Das ist bald nötig, bevor die
Beschneidung in einem medizinisch gefährlichen Zwielicht geschieht.
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Datum: 12.07.2012 - 22:00 Uhr
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