Neue OZ: Kommentar zu Kriminalität / Organspende
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Wie konnte so etwas in Deutschland passieren? Schreckensmeldungen
von Organhandel stammten bisher aus Entwicklungsländern, nicht aber
aus Niedersachsen. Daher machen die Vorkommnisse an der Göttinger
Universitätsklinik fassungslos. Der frühere Oberarzt und mögliche
Mittäter haben mit ihrer kriminellen Energie viel Vertrauen zerstört.
Es handelt sich um einen der schlimmsten Skandale in der deutschen
Transplantationsmedizin. Nun stellt sich die Frage, ob die bisherigen
Kontrollen ausreichen, um derartige Manipulationen zu verhindern.
Zumindest muss der Staat das bestehende System auf Möglichkeiten des
Missbrauchs abklopfen. Vermutlich wird es nötig sein, die Richtlinien
zur Transplantationsmedizin zu verschärfen, auch wenn dies zu noch
mehr Bürokratie führt.
Doch der Skandal konnte nur geschehen, weil dringend benötigte
Lebern und Nieren fehlen. Auf eine Million Einwohner kommen in
Deutschland nur 15 Spender. Und die Negativ-Schlagzeilen aus
Göttingen werden die Bereitschaft zur Spende eher verringern und den
Notstand verstärken. Man kann nicht gutheißen, aber verstehen, dass
Schwerkranke in Verzweiflung und mit dem Wunsch zu leben moralische
Bedenken beiseitewischen und für Geld eine bevorzugte Behandlung
erkaufen. Doch die Ärzte, die das ausnutzen und mit gefälschten
Patientenakten Geschäfte machen, gehören sofort entlassen und hart
bestraft.
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Neue Osnabrücker Zeitung
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Datum: 20.07.2012 - 22:00 Uhr
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