Börsen-Zeitung: Zurück am Abgrund, Kommentar zur Staatsschuldenkrise von Detlef Fechtner
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vor den Bundestag trete, um Zustimmung für weitere Griechen-Hilfen zu
erbitten - so wurden gestern Berliner Ministerialbeamte zitiert. Fast
der gleiche Satz war in Regierungskreisen schon einmal zu hören - im
Frühjahr 2011. Monate später wurde trotzdem "Griechenland II"
beschlossen - mit Zustimmung von Merkel und des Bundestags.
Daraus kann man zwar auf keinen Fall schlussfolgern, dass
Griechenland im Herbst sowieso wieder fest mit frischem Geld seiner
Euro-Partner rechnen kann. Aber es wäre ebenso voreilig zu glauben,
der Ausstieg aus dem Euro sei bereits beschlossen. Beides stimmt
nicht. Die Zukunft von Hellas entscheidet sich erst noch - eben im
Laufe der Verhandlungen der Troika.
Griechenland ist zurück am Abgrund. Während des Wahlkampfs wurde
nichts erfüllt, was versprochen war. Gleichzeitig haben die Parteien
in Aussicht gestellt, dass sie den Euro-Partnern Nachverhandlungen
abringen, um die Sanierung abzumildern. Kurzum: Eigentlich rechnen
die Griechen mit einer langsameren und die Euro-Partner mit einer
schnelleren Gangart beim Sparen, Privatisieren und Reformieren.
Niemand kann sich ob dieser vertrackten Ausgangslage wundern, dass
Euroland nun den Druck erhöht.
Denn in der Tat ist der Spielraum der Europäer, erneut ein Auge
zuzudrücken, geringer denn je - vor allem wegen des Risikos, dass der
Internationale Währungsfonds abspringt. Ohne den IWF, das sagen
selbst die Optimisten im diplomatischen Lager, würde es arg schwer,
eine Hellas-Pleite zu verhindern. Man muss daher kein Eurokrat sein,
um zu sagen: Nicht Brüssel, sondern Athen ist am Zuge. Griechenland
muss endlich Angebote liefern, wie das Land den Rückstand aufholen
will. Das sollten auch jene akzeptieren, die den Euro-Partnern
unterstellen, sie würden Hellas ohnehin zu viel abfordern und das
Land einem brutalen Spardiktat unterwerfen.
Eine solche Sicht der Dinge blendet die Verantwortung aus, die
Griechenland als Gegenleistung für die Hilfsmilliarden übernommen hat
- auch gegenüber anderen Euro-Krisenländern. Schließlich entscheiden
die Verhandlungen in Athen auch über die Risikoprämien Spaniens und
Italiens mit. Der Versuch von Finanzpolitikern, Investoren zu
überzeugen, dass die griechische Tragödie nichts mit den spanischen
Problemen zu tun hat, ist gescheitert. Das wiederum sollten all jene
im Kopf haben, die derzeit leichtfertig darüber plaudern, dass ein
Griechen-Exit ein relativ einfach beherrschbarer Vorgang wäre.
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Datum: 23.07.2012 - 20:50 Uhr
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