Schwäbische Zeitung: Auch bei Facebook gilt das Gesetz - Leitartikel

Schwäbische Zeitung: Auch bei Facebook gilt das Gesetz - Leitartikel

ID: 686986
(ots) - Sie wollten doch nur feiern. Unschuldig-naiv
können es verhinderte Partygänger in Ulm oder Konstanz überhaupt
nicht fassen, wenn die Polizei einschreitet, um ihre Facebook-Party
zu verhindern. Man wird sich ja wohl noch treffen dürfen? Vorgärten
zerstören, Schlägereien anzetteln, Polizisten angreifen - das machen
nur die anderen, das hat doch nichts mit uns zu tun!

Dass Ausgelassenheit und Zerstörungswut verwechselt werden, ist
nicht neu: Highschool-Komödien aus Hollywood vermitteln seit Jahr und
Tag das Bild, der Höhepunkt einer Party in der sturmfreien Bude sei
die Zerstörung der Hauseinrichtung; am Ende schwimmt üblicherweise
das Sofa im Swimmingpool.

Neu ist allerdings, mit wie wenig Aufwand sich ein Menschenauflauf
organisieren lässt. Diesen Vorteil wussten die Demonstranten in Kairo
oder Tunis ebenso für sich zu nutzen wie Horst Seehofer, der kürzlich
seine eigene christsoziale Facebook-Party organisiert hat. Bei der
ging es übrigens ganz gesittet zu.

Das soziale Netzwerk ist - Datenschutzbedenken einmal
ausgeklammert - kein Teufelszeug. Ein "Verbot für Facebook-Partys"
wie es hier und da gefordert worden ist, ist weder sinnvoll noch
durchsetzbar. Für viele (nicht nur) junge Leute ist Facebook heute
zentrales Kommunikationsmittel. Längst hat es das stundenlange
Telefonieren ersetzt, mit dem Teenager früher ihre Eltern nervten.

Völlig unabhängig von der Frage, ob eine Feier per Facebook oder
ganz altmodisch per Handzettel beworben wird, gilt eine
Selbstverständlichkeit: Wer als Organisator auftritt, muss für die
Folgen geradestehen. Dass müssen jene zu spüren bekommen, die sich
hinter der vermeintlichen Anonymität im Internet verstecken wollen.
Die Ermittlungen in Backnang zeigen, dass das möglich ist. Das
Internet ist kein rechtsfreier Raum, und das ist gut so.



All jene, die von Facebook-Partys genervt sind, seien indes
getröstet: Wie jede Mode wird auch diese abflauen. In zwei, drei
Jahren wird das Partyvolk nur noch müde gähnen.



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Schwäbische Zeitung
Redaktion
Telefon: 07561-80 100
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drucken  als PDF  Schwäbische Zeitung: Richtiger Schritt - Kommentar Rheinische Post: Wirtschaftsweiser: Euro-Zusammenbruch würde Deutschland über drei Billionen Euro kosten
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Datum: 24.07.2012 - 21:15 Uhr
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