Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zum Thema Wahlrecht
ID: 687820
Verfassungsgericht lehnt die Wahlrechtsreform der Bundesregierung ab.
Patsch, das hat gesessen. Karlsruhe trifft Berlin mit voller Wucht.
Einstimmig. Und ohne jede Übergangsfrist. Aua, das tut weh.
Deutschland steht ohne gültiges Wahlrecht da, Schwarz-Gelb ist mal
wieder bis auf die Knochen blamiert. Und Karlsruhe bremst zum
wiederholten Mal eine Regierung aus, die ihr Geschäft nicht
beherrscht. Besonders peinlich: Der Richterspruch kam mit einem
solchen Anlauf, dass man sich fragt, wo Union und FDP bei dem Urteil
von 2008 Augen und Ohren hatten. Oder gibt es im Regierungslager gar
eine heimliche Lust am Untergang? Wie auch immer - die juristische
Belehrung gestern war unvermeidlich und geschah mit vollem Recht.
Gerichtspräsident Andreas Voßkuhle bemühte sich denn auch gar nicht
erst, lange um den heißen Brei herumzureden: »Angesichts der
Vorgeschichte des neuen Wahlrechts sieht der Senat keine Möglichkeit,
den verfassungswidrigen Zustand erneut für eine Übergangszeit zu
akzeptieren.« Schlimmer geht's nimmer für Schwarz-Gelb. In höchster
Not ist die Pleiten-, Pech- und Pannenkoalition aus CDU/CSU und FDP
nun erneut auf die Mithilfe der Opposition angewiesen. Entsprechend
kleinlaut boten Regierungsvertreter unmittelbar nach der
Urteilsverkündung SPD und Grünen Gespräche an. Was anderes sollen sie
auch tun? Die Zeit drängt. Zwei Probleme sind zu lösen: das der
Überhangmandate und das des negativen Stimmrechts. Beides ist nicht
einfach, aber auch keineswegs unmöglich. Immerhin waren die
Schwachstellen lange bekannt. 2008 gewährte das Gericht dem
Gesetzgeber eine großzügige Frist von drei Jahren zur Neuregelung.
Verständlich, dass die Richter jetzt mit ihrer Geduld am Ende sind.
Gelingt es Parlament und Regierung nicht, bis Herbst 2013 ein
verfassungsfestes Wahlgesetz zu beschließen, könnte die
Bundestagswahl nicht stattfinden. Es sei denn, Karlsruhe fühlte sich
bemüßigt, ein Wahlrecht zu setzen, um Deutschland nicht in aller Welt
zum Gespött zu machen. Das allerdings wäre der Gipfel der
Peinlichkeit für die deutsche Politik. Ohnehin schieben die Parteien
viel zu oft die Verantwortung an das Verfassungsgericht weiter. Doch
Karlsruhe soll nur der TÜV sein. Als Reparaturbetrieb für die Politik
ist das Verfassungsgericht weder vorgesehen noch geeignet und auch
nicht legitimiert. Entsprechend groß ist nun der Druck auf die
Bundestagsparteien. Regierung und Opposition sind gefordert. Die
gestern abgelehnte Wahlrechtsreform ist ein Lehrstück politischer
Unkultur. Der Richterspruch muss allen Parteien eine Mahnung sein,
Regierungsmacht nicht unbotmäßig zum eigenen Vorteil auszunutzen. Die
demokratische Verfasstheit unserer Republik ist zu wertvoll, um sie
auf dem Altar der Parteiinteressen zu opfern. Beschämend, dass
Karlsruhe die Politik daran immer wieder erinnern muss.
Pressekontakt:
Westfalen-Blatt
Nachrichtenleiter
Andreas Kolesch
Telefon: 0521 - 585261
Themen in dieser Pressemitteilung:
Unternehmensinformation / Kurzprofil:
Bereitgestellt von Benutzer: ots
Datum: 25.07.2012 - 20:00 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 687820
Anzahl Zeichen: 3298
Kontakt-Informationen:
Stadt:
Bielefeld
Kategorie:
Politik & Gesellschaft
Diese Pressemitteilung wurde bisher 199 mal aufgerufen.
Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zum Thema Wahlrecht"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von
Westfalen-Blatt (Nachricht senden)
Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).
Der international renommierte Jazz-Trompeter Till Brönner befürchtet, dass Politik und Gesellschaft nichts aus der Zeit der Corona-Pandemie gelernt haben. "Das Erste, was wir tun, wenn es eng wird, ist ausgerechnet unsere DNA, nämlich die Kultur- und die Veranstaltungsbranche und die, die un
34 Polizeischüsse: Autofahrer gelähmt, Ermittlungen eingestellt ...
Die 34 Schüsse, die Polizisten vor zwei Jahren in Bad Salzuflen auf einen Audi und seinen Fahrer (19) abgegeben hatten, bleiben ohne strafrechtliche Folgen - es wird keinen Prozess geben. Die Staatsanwaltschaft Detmold hat nach WESTFALEN-BLATT-Informationen das Verfahren gegen die beiden Herforder
NRW: Polizei überwacht afghanischen Sexualtäter ...
Im Kreis Herford (NRW) wird ein afghanischer Sexualstraftäter in Absprache mit dem Landeskriminalamt "engmaschig" von der Polizei überwacht. Der 24-Jährige, der als rückfallgefährdet gilt, hatte nach einer Sexualtat eine Haftstrafe von drei Jahren und acht Monaten verbüßt und war in
Weitere Mitteilungen von Westfalen-Blatt
Neue Westfälische (Bielefeld): KOMMENTAR Verfassungsgericht kippt Wahlrecht Machtfragen THOMAS SEIM ...
Verfassungsfragen sind Machtfragen, und Machtfragen sind Politikfragen. Die Antworten allerdings, die die amtierende Regierung gerade auf diese Fragen gegeben hat, sind beschämend. Es deutet auf einen schlimmen Zustand der politischen Klasse, wenn das Verfassungsgericht, das dazu geschaffen ist
Neue Westfälische (Bielefeld): KOMMENTAR Außenpolitische Rede von Mitt Romney Nur Plattitüden DIRK HAUTKAPP, WASHINGTON ...
Mitt Romney bleibt seinem Wahlkampf der Plattitüden treu. Seine Rede vor Kriegsveteranen offenbart eine Sicht auf die Welt, die bereits vor 20 Jahren überholt war. Ein "amerikanisches Jahrhundert" auszurufen und die Vereinigten Staaten zum "Führer der freien Welt" zu erklä
Mitteldeutsche Zeitung: zu Moody's und den Bundesländern ...
Der Blick muss weiter nach Athen gehen, nicht nach Magdeburg. Das Horrror-Szenario bleibt die Griechen-Pleite: Mit Euro-Austritt, Domino-Effekt auf andere Länder, Deutschland muss die Milliarden-Sicherheiten zahlen, die D-Mark kehrt zurück, deutsche Produkte werden teurer und der Export lahmt
Neue Westfälische (Bielefeld): KOMMENTAR Massengentest im Fall Nelli Graf Ungutes Gefühl SIGRUN MÜLLER-GERBES ...
Natürlich muss alles getan werden, um einen Mord aufzuklären! Wirklich alles? Leicht ist so ein Satz gesagt, wirklich zu Ende gedacht ist er aber wohl nicht. Denn ein Staat, der wirklich alles tun würde für die Aufklärung von Verbrechen, könnte das wohl nur um den Preis der Freiheit. Denn e




