Börsen-Zeitung: Falsch geplant, Kommentar zu Daimler von Gerhard Bläske
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Höllenfahrt. Ihre Zukunft ist ungewiss. Wer mag da noch über einen
Rückgang des operativen Ergebnisses bei Daimler meckern, der außerdem
schwächer ausfiel als von Analysten erwartet? Insbesondere im
Nutzfahrzeuggeschäft, wo Umsatz und Absatz deutlich zulegten, aber
auch bei den Pkw zieht sich der Stuttgarter Konzern gut aus der
Affäre und steuert auf Rekordwerte bei Absatz und Umsatz zu. Das
Ertragsminus kommt nicht unerwartet und war angekündigt. Es ist auf
hohe Vorleistungen für die Zukunft, Investitionen in neue Produkte
wie den Schwerlaster Actros, die Kompaktfahrzeuge A- und B-Klasse
sowie die Werke, in denen sie produziert werden, zurückzuführen.
Für manchen Konkurrenten mag die Kritik an Daimler, die hohe
einstellige Margen aufweist, wie ein Jammern auf hohem Niveau
erscheinen. Doch die Stuttgarter, die für sich in Anspruch nehmen,
"das Beste oder nichts" anzustreben, vergleichen sich nicht mit Opel,
Ford oder PSA. Die Vergleichsgrößen sind BMW und Audi - und die
fahren nach wie vor voraus und kommen auf zweistellige Renditen.
Zerknirscht musste Daimler-Chef Dieter Zetsche jetzt einräumen, dass
die vergleichsweise geringen Absatzzuwächse in China auf eigene
Fehler zurückzuführen sind. Die Vertriebsstruktur dort ist
ineffizient und muss auf Vordermann gebracht werden. Nur mit deutlich
besseren Verkaufszahlen in China kommt Daimler dem Ziel näher, bis
2020 an BMW und Audi vorbeizuziehen und zur Nummer 1 im
Premiumsegment zu werden.
Noch zentraler ist jedoch die Offensive in der Kompaktklasse. Die
seit dem Herbst erhältliche neue B-Klasse und die neue A-Klasse, die
schnittig und dynamisch daherkommt und im September auf dem Markt
sein wird, kommen sehr gut an bei den Kunden. Viel zu gut offenbar
für Daimler. Denn dort hatte man nicht mit so einem großen Erfolg
gerechnet. Wenige Tage nach Produktionsanlauf wurde angekündigt, dass
der finnische Auftragsfertiger Valmet zwischen 2013 und 2016 "mehr
als 100000" dieser Fahrzeuge fertigen soll. Daimler bestreitet, dass
es sich um eine Fehlplanung handelt. Doch es wird leichtfertig
Wachstumspotenzial in einem Sektor aufs Spiel gesetzt, der zentral
für die Eroberung von Kunden von der Konkurrenz ist, die nun
womöglich wegen langer Wartezeiten nicht die Marke mit dem Stern
kaufen. Aus Sicht von Ford und PSA sind das Luxusprobleme, aus
Daimler-Sicht ist das ärgerlich und leichtsinnig.
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Datum: 25.07.2012 - 20:50 Uhr
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