Neues Deutschland: Draghi will den Euro retten

Neues Deutschland: Draghi will den Euro retten

ID: 689262
(ots) - Mario Draghi will die »Bazooka« wieder auspacken.
Am Donnerstag hat der Chef der Europäischen Zentralbank (EZB) in
London angekündigt, alles daran zu setzen, um den Euro zu retten. Und
das solle genug sein, fügte er selbstsicher hinzu. Doch ob Draghi der
lang erwartete Befreiungsschlag gelingen wird oder ob er sich mit
seiner Aussage vielmehr selbst unnötig in Bedrängnis gebracht hat,
bleibt offen. In der Tat ist die EZB zurzeit die mächtigste
Institution im Euroraum. In normalen Zeiten kann sie mit ihren
geldpolitischen Entscheidungen, wie der Senkung oder Anhebung des
Leitzinses, enorm die Wirtschaft beeinflussen. Das wissen auch die
Märkte. Deswegen haben sie sofort nach Draghis Ankündigung mit
Kurssprüngen reagiert. Doch jetzt muss er liefern. Und das ist das
Problem. Denn was Draghi offenbar vorschwebt, ist der erneute Aufkauf
von Staatsanleihen. Damit wird er versuchen wollen, die
Zinsaufschläge für spanische und italienische Anleihen auf ein
erträgliches Niveau zu senken. Aber Mario Draghi kann über eine
solche Aktion nicht alleine entscheiden. Das muss im EZB-Rat
abgestimmt werden. Und dort sitzt unter anderem der Merkel-Vertraute
und Chef der Deutschen Bundesbank, Jens Weidmann. Er hat sich in der
Vergangenheit immer wieder gegen Staatsanleihenkäufe ausgesprochen.
Weidmann teilt die alte deutsche Angst, dass damit indirekt Staaten
finanziert würden und dies letzten Endes in eine Inflation führe.
Denn die Lehre aus dem Hyperinflationsjahr 1923 in Deutschland ist
immer noch: Steigt die Geldmenge, weil der Staat »Geld druckt«,
steigen unweigerlich auch die Preise. Doch weder Draghi noch Weidmann
werden wahrscheinlich Recht haben. Schon die letzten Anleihenaufkäufe
waren nicht der erhoffte Befreiungsschlag. Die Zinsaufschläge für die
Anleihen der krisengeschüttelten Staaten sind immer nur kurzfristig


gefallen. Denn wir erleben gerade etwas, was
Wirtschaftswissenschaftler eine »Liquiditätsfalle« nennen. Die Lage
ist so angespannt, dass das Geld, das die EZB an die Banken ausgibt,
nicht in den Wirtschaftskreislauf gerät. Die Banken geben das Geld
weder an die Realwirtschaft in Form von Krediten weiter, noch kaufen
sie damit langfristig Anleihen von Krisenstaaten. Stattdessen horten
sie lieber das Geld. Die Banken legen es in diesen Zeiten in
»sicheren Häfen« an, etwa in deutsche Staatsanleihen, oder bringen
das Geld gleich wieder direkt zur EZB zurück. Deswegen steigen auch
nicht die Preise. Eher besteht zurzeit sogar die Gefahr, dass die
Preise sinken und die Rezession damit verstärkt wird. Denn die
Realwirtschaft in Europa steckt so tief in der Krise, dass selbst die
EZB es nicht schafft, alleine Abhilfe zu schaffen. So lange rigide
Sparmaßnahmen in den Krisenländern auf Kosten der breiten Bevölkerung
durchgesetzt werden, werden sich die dortigen Wirtschaften nicht
erholen. Wo die Menschen kein Geld zum Ausgeben haben, können eben
keine Geschäfte gemacht werden. Und deswegen wird nicht investiert.
So lange sich das nicht ändert, bleiben Ankündigungen wie die von
Mario Draghi so etwas wie Aspirin für die Märkte. Sie können das
Fieber zwar kurzfristig senken, die Krankheit heilen sie aber nicht.



Pressekontakt:
Neues Deutschland
Redaktion

Telefon: 030/2978-1715

Themen in dieser Pressemitteilung:


Unternehmensinformation / Kurzprofil:
drucken  als PDF  Hochschule FOM und CONET schließen Kooperation für berufsbegleitendes Studium und Weiterbildung Branchenverband CAFM RING wächst auch in 2012
Bereitgestellt von Benutzer: ots
Datum: 27.07.2012 - 16:57 Uhr
Sprache: Deutsch
News-ID 689262
Anzahl Zeichen: 3608

Kontakt-Informationen:
Stadt:

Berlin



Kategorie:

Wirtschaft (allg.)



Diese Pressemitteilung wurde bisher 515 mal aufgerufen.


Die Pressemitteilung mit dem Titel:
"Neues Deutschland: Draghi will den Euro retten"
steht unter der journalistisch-redaktionellen Verantwortung von

Neues Deutschland (Nachricht senden)

Beachten Sie bitte die weiteren Informationen zum Haftungsauschluß (gemäß TMG - TeleMedianGesetz) und dem Datenschutz (gemäß der DSGVO).

"neues deutschland" heißt jetzt "nd.DerTag" ...
Die Tageszeitung "neues deutschland" erscheint von diesem Montag an wochentags mit neuem Layout und unter dem Titel "nd.DerTag". Die Wochenendausgabe heißt schon seit fast zwei Jahren "nd.DieWoche". Die Zeitung, die weiterhin als "Sozialistische Tageszeitung"

Viele Berliner Gewerbemieter beantragen Mietstundungen ...
Fast ein Viertel aller Gewerbemieter der Berliner landeseigenen Wohnungsbaugesellschaft WBM haben für Mai und Juni eine Mietstundung beantragt. Darüber berichtet die in Berlin erscheinende Tageszeitung "neues deutschland". Das geht aus einer noch unveröffentlichten Antwort der Senatsver

"neues deutschland": EU-Abgeordnete Demirel: Mindestlohn unter zwölf Euro bedeutet Armutslohn ...
Die Europaabgeordnete der LINKEN Özlem Alev Demirel hat sich für eine schnelle Erhöhung des Mindestlohns in Deutschland auf wenigstens zwölf Euro pro Stunde ausgesprochen. "Alles andere bedeutet Armutslohn", sagte die Abgeordnete, die u.a. im Sozialausschuss des EU-Parlaments tätig is


Weitere Mitteilungen von Neues Deutschland


Umfrage zum Thema Geld leihen: Ex-Partner, Nachbarn und Chef sind die unbeliebtesten Geldquellen in Not ...
Berlin, 27. Juli 2012. Auch wenn das Geld manchmal knapp ist, gibt es Personen von denen man sich unter keinen Umständen Geld borgen würde. Wer zu diesen Personen zählt, fragte der Online-Kreditmarktplatz smava.de in seiner aktuellen Online-Befragung und fand heraus: Vor allem von ihren ehemalige

Branchenverband CAFM RING wächst auch in 2012 ...
Der Branchenverband CAFM RING e.V. hat auf seiner jüngsten Mitgliederversammlung die Aufnahme von zwei neuen Mitgliedern entschieden: Mit dem CAFM-Hersteller Archibus Solutions Center Germany GmbH, Saarbrücken, beteiligt sich nun auch der für den deutschsprachigen Raum verantwortliche Partner de

Hochschule FOM und CONET schließen Kooperation für berufsbegleitendes Studium und Weiterbildung ...
Wie lassen sich Ausbildung und Beruf mit einer persönlichen, akademischen Weiterentwicklung verbinden? Zunächst einmal braucht es einen Arbeitgeber, der bereit ist, in eine solche Weiterbildung zu investieren. Und dann natürlich eine Hochschule, die entsprechend flexible und mit dem Berufsalltag

Westfalen-Blatt: Martin Kannegiesser, Präsident des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall, verteidigt das deutsche Lohnniveau. System der Sozialpartnerschaft in Deutschland sei Modell für Europa. ...
Martin Kannegiesser, Präsident des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall, weist die ausländische Kritik am angeblich zu niedrigen deutschen Lohnniveau zurück. »Dafür fehlt mir allerdings jedes Verständnis«, sagte er im Interview mit dem in Bielefeld erscheinenden WESTFALEN-BLATT. »Das Proble


 

Werbung



Sponsoren

foodir.org The food directory für Deutschland
News zu Snacks finden Sie auf Snackeo.
Informationen für Feinsnacker finden Sie hier.

Firmenverzeichniss

Firmen die firmenpresse für ihre Pressearbeit erfolgreich nutzen
1 2 3 4 5 6 7 8 9 A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z