Neue OZ: Kommentar zu Medien / Kirche / Papst / Titanic
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Wahrscheinlich müsste die "Titanic" ihre Papst-Fotos nicht mal
verfremden: Wenn Benedikt XVI. auf dem Cover erscheint, ist fromme
Wut sicher. Die empörten Katholiken tun dem Heft allerdings zu viel
der Ehre, allen voran der Papst selbst mit seiner taktisch dummen
Unterlassungsklage. Die inkontinenten Kusslippen-Päpste, mit denen
das Magazin in diesem Sommer Auflage macht, sind infantil, sicher
auch ehrabschneidend, als Religionskritik sind sie aber vor allem
dies: nicht der Rede wert.
Das ist ein Jammer. Selten wurde so intensiv darüber diskutiert,
welche Rolle der Glaube in der Gesellschaft spielen soll:
Kopftuch-Debatte, Beschneidungsverbot, Vatileaks, Salafismus,
Missbrauch, Priesterweihe von Frauen, Kirchenaustritte, kein Tag
vergeht, ohne dass über religiöse Themen gestritten würde. An alledem
geht die Brachial-Komik sprichwörtlicher Scheißwitze völlig vorbei.
Die bloße Provokation, den Papst zu bespucken, ist dabei längst
überholt, ganz einfach, weil die Kirche in der öffentlichen Meinung
sowieso nicht mehr sakrosankt ist. Vielleicht ist gerade das der
Grund, weshalb zum ersten Mal ein Papst gegen die "Titanic" klagt,
genau wie die Satiriker leidet auch Benedikt darunter, dass er kein
Tabu mehr ist.
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Datum: 27.07.2012 - 22:00 Uhr
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