Zehn Jahre Staatsziel Tierschutz: Bilanz und Ausblick aus wissenschaftlicher Sicht
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Zehn Jahre Staatsziel Tierschutz: Bilanz und Ausblick aus wissenschaftlicher Sicht
(aid) - Die Herausforderungen einer Politik für Tierschutz im Spannungsfeld zwischen ethischem Anspruch, wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und den wachsenden Ansprüchen der Verbraucher sind riesig. Das bekannte Bundesministerin Ilse Aigner auf einem Symposium im Museum König in Bonn, zu dem das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz zum zehnten Jahrestag der Änderung des Grundgesetzes eingeladen hatte. Neben der Würdigung der seitdem erzielten Erfolge befand sie allerdings auch, dass nichts so gut sei, dass es nicht noch besser werden könne.
Professor Dr. Peter Kunzmann vom Ethikzentrum Jena hatte zunächst aus der Sicht der Ethik einen kurzen historischen Abriss der Entwicklung des Tierschutzes gegeben. "Dem Denken des Abendlandes lag das Tierwohl lange nicht am Herzen", stellte er fest. Ein Tierwohllabel sei heute angezeigt, damit Verbraucher die Möglichkeit hätten, ihrer Verantwortung für das Tier besser gerecht zu werden. Für Professor Dr. Achim Spiller vom Department für Agrarökonomie der Universität Göttingen ist der Mensch beim Thema Tierschutz gespalten: Einerseits ist er Bürger, der eine höchst positive Einstellung zum Tierschutz hat und diese zunehmend für Proteste und konkrete Aktionen gegen bestimmte Tierhaltungsformen einsetzt. Andererseits ist er als Konsument oft in einer nicht deckungsgleichen Rolle und kauft in sehr geringem Maße tierschutzfreundliche Produkte ein.
Professor Spiller hält das auch für ein Resultat fehlender Wahlmöglichkeiten aufgrund bisher kaum vorhandener Auslobung. "Wenn Menschen ihrer Besorgnis um den Tierschutz als Verbraucher im Laden durch gezielte Produktauswahl nicht Ausdruck geben können, werden verschiedene Varianten des Bürgerprotestes stärker werden." Das gelte auch umgekehrt.
Der Leiter des Institutes für Tierschutz und Tierhaltung am Friedrich-Löffler-Institut, Dr. Lars Schrader, erläuterte den Paradigmenwechsel in der Tierschutzforschung weg von einer richtlinien- und maßnahmenorientierten hin zu einer ergebnisorientierten Herangehensweise. Das dürfte Professor Gerhard Robbers vom Institut für Europäisches Verfassungsrecht der Universität Trier gerne gehört haben. Er hatte zuvor den "Zollstock"-Tierschutz durchaus beklagt und sah die wichtigste Aufgabe der Zukunft in der tatsächlichen Umsetzung bereits vorhandener Regelungen. Zugleich ermahnte er die Akteure, sich nicht die falschen Feinde anstatt der richtigen Freunde zu suchen und bezog sich dabei auf die immer wieder aufkommende Debatte zum Schächten, während es genügend zu behebende Missstände in normalen Schlachthöfen gebe.
Britta Klein, www.aid.de
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Datum: 01.08.2012 - 16:00 Uhr
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